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Zirkus um den Schulstandort

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Von: Matthias Bittner

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Der Festplatz am Ratsweg beheimatet zweimal im Jahr die Dippemess’ und ist beliebter Standort für Zirkusse - auch wenn dieser schon weitergezogen ist.
Der Festplatz am Ratsweg beheimatet zweimal im Jahr die Dippemess’ und ist beliebter Standort für Zirkusse - auch wenn dieser schon weitergezogen ist. © christoph boeckheler*

Die Kritik am geplanten Neubau auf dem Festplatz nimmt kein Ende - der Verkehr bereitet Sorgen .

Frankfurt. In der Diskussion um den Neubau der Europäischen Schule Frankfurt (ESF) auf dem Festplatz stellt sich Ulrich Labonté von der SPD-Fraktion im Ortsbeirat 4 (Bornheim, Ostend) eine Frage: Warum hat es die Stadt in den vergangenen 30 Jahren nicht geschafft, einen geeigneten Standort für die ESF zu finden? „Ich kam 1992 an die Ernst-Reuter-Schule, damals war die Europäische Schule in Praunheim schon als Hilfslösung geplant“, sagte er in der jüngsten Sitzung des Stadtteilparlamentes. Eröffnet wurde sie 2002 und sollte nicht lange dort bleiben.

Die Frage kann er morgen Sylvia Weber, der zuständigen SPD-Stadträtin für Schulangelegenheiten, stellen. Sie hat Vertreter des Ortsbeirates 4 ins Bildungsdezernat eingeladen, um ihnen die Machbarkeitsstudie vorzustellen, die die Europäische Zentralbank in Auftrag gegeben hatte. Das Ergebnis: Der Festplatz ist groß genug, um dort eine Schule zu errichten. Allerdings müsste der angrenzende Kleingärtnerverein Riederwald einige seiner Parzellen abtreten, damit Sportplätze gebaut werden können. Dagegen wehren sich die Laubenpieper. In die Kritik war Weber geraten, weil nur Scheibchenweise über die Neubaupläne informiert und die Studie vorab den Grünen vorgestellt worden war.

„Die Kommunikation war wirklich Mist und das sage ich als Sozialdemokrat“, betonte Labonté und führte aus: „Weber ist die Erste, die die Sache angeht.“ Kritikern gab er an die Hand, man dürfe jetzt nicht den Eindruck erwecken: „Hier nicht bauen, lieber bei anderen.“

Das habe er nicht gesagt, konterte Oliver Lang, Vorsitzender des Kleingärtnervereins Am Buchhang. Er habe nur angesprochen, dass Vereinsmitglieder künftig noch mehr Abgasen und Lärm ausgesetzt seien, wenn tatsächlich 1600 Schüler mit Elterntaxis gebracht und abgeholt würden. Bei Großereignissen wie Eishockeyspielen oder Zirkus-Gastspielen gebe es regelmäßig Staus, weil die Straße „Am Bornheimer Hang“ für Verkehrsmassen nicht ausgelegt sei. „Die Zu- und Abfahrt muss also geregelt werden“, sagte Lang.

Nicht ohne Grausamkeiten

Im Zuge der weiteren Planung werde dieser Punkt sicher aufgegriffen, erklärte Grünen-Fraktionsvorsitzende Eva Thiem. Bislang sei aber nichts entschieden, die Studie sei nicht von der Stadt beauftragt worden. Beantwortet sei nur die Frage, dass die Fläche auf dem Festplatz ausreichend sei für die ESF -“allerdings nicht ohne Grausamkeiten“. Sollte die Stadt eine Planung in Auftrag geben, würden die Bürger natürlich auch informiert. Hier hakte Pearl Hahn (Linke), die auch Stadtverordnete ist, ein und kritisierte, dass wohl schon eine Projektvereinbarung für die Realisierung der ESF am Festplatz unterzeichnet worden sei. „Ich finde das nicht richtig, wie das abläuft“, betonte sie und wies darauf hin, dass Oberbürgermeisterkandidat Uwe Becker (CDU) auf seiner Facebook-Seite für eine Verlagerung der Dippemess wirbt.

Einig waren sich alle Fraktionen, dass Frankfurt froh über den Sitz der Europäischen Zentralbank am Main sein könne, deshalb aber auch für die Beschulung sorgen müsse. Einen Standort zu finden, sei aber angesichts der knappen städtischen Flächen sehr schwierig, so der Tenor.

Wolfgang Faulhaber, der im Ostend wohnt, hatte da allerdings gleich mal eine Alternative zum Festplatz parat. Er erinnerte daran, dass vor einigen Jahren das Raab-Karcher-Gelände in der Hanauer Landstraße 150 als Standort für einen Neubau der Oper Frankfurt vorgeschlagen worden sei. „Das Gelände gehört der Stadt und ist mit 80 000 Quadratmetern groß genug“, stellte er in den Raum. SPD-Fraktionsvorsitzender Volker Wolf zog Faulhaber diesen Zahn. „Das Gelände ist in den nächsten Jahren noch vertraglich gebunden und nicht zu haben“, sagte Wolf.

Der gemeinsame Antrag, in dem CDU, FDP, Die Frankfurter, Volt und BFF forderten, dass die ominöse Machbarkeitsstudie in einer Sitzung des Ortsbeirates öffentlich vorgestellt werden soll, wurde übrigens mehrheitlich angenommen. Matthias Bittner

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