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Einer von vielen Hinguckern: die Löwen im Zoo Frankfurt.

1858 eröffnet

Zwei Weltkriege überlebt: Der Zoo Frankfurt im Lauf der Geschichte

Der Zoo Frankfurt hat im Lauf der Jahre vieles erlebt: Krieg, Zerstörung, Neuaufbau. Ein Überblick zur bewegten Geschichte. 

  • Der Zoo Frankfurt hat eine bewegte Geschichte
  • Zwei Weltkriege sorgten für Schwierigkeiten
  • Bernhard Grzimek rettete Zoo vor dem Aus

Frankfurt - Mehr als 4600 Tiere leben im Zoo Frankfurt auf elf Hektar zusammen. Rund 800.000 Besucher kommen pro Jahr vorbei, um Giraffen, Flusspferde, Affen und Erdmännchen zu beobachten. Doch bis der Zoo wurde wie er ist, musste viel passieren. Wie kam der Zoo nach Frankfurt? Ein Streifzug durch die Geschichte.

Zoo Frankfurt 1858 gegründet

Gegründet wurde der Zoo bereits im Jahr 1858 von wohlhabenden Frankfurter Bürgern. Nach vierjähriger Vorbereitung war 1857 ein provisorisches, achtköpfiges Komitee mit seiner Idee an die Öffentlichkeit getreten. Der Grundgedanke: Auf einem gepachteten Grundstück wollten die Macher zunächst für zehn Jahre testweise einen Zoologischen Garten betreiben. Mit dem Leer’schen Garten im Frankfurter Westend, direkt an der Bockenheimer Landstraße, fand die nun gegründete Zoologische Gesellschaft Frankfurt ein erstes Zuhause.

So konnte der Zoologische Garten am 8. August 1858 feierlich eröffnet werden und die ersten Tiere - damals noch ausschließlich Pflanzenfresser - zur Schau stellen. Das Interesse der Frankfurter war groß, die Zahl der Besucher von Anfang an hoch, die Spendenbereitschaft enorm. Und so wuchs der Zoo rasant. Bald waren Affen, Vögel, Meerschweinchen oder Antilopen zu sehen, der gepachtete Garten erwies sich schnell als zu klein. Bereits wenige Jahre nach der Eröffnung war klar, dass der Zoo in Frankfurt zu einem Dauerprojekt werden sollte.

Zoo zieht 1874 in Frankfurt um

Im Frühjahr 1874 folgte der Umzug auf das heutige Domizil, die damals noch außerhalb von Frankfurt gelegene Pfingstweide. Um die 1200 Tiere mussten verlegt werden, die meisten Schwierigkeiten bereitete die Elefantendame Bethsy, die sich sträubte, den Transportwagen zu betreten. "Als erstes Zootier betrat ein Pelikan sein neues Zuhause", berichtet der Zoo Frankfurt auf seiner Webseite.

Die offizielle Eröffnung des Zoologischen Gartens in der Pfingstweide folgte am 29. März 1874. Als Letztes zog am 9. April ein Yak ein. Bereits zwei Jahre später, am 16. Dezember 1876, wurde das bis heute markante Gesellschaftshauses eröffnet.

Zoo im Zweiten Weltkrieg: Tiere irren durch Frankfurt

Mit dem Ersten Weltkrieg kam für den Zoo auch der erste große Einschnitt. Die Zoologische Gesellschaft geriet in finanzielle Probleme, ging pleite und löste sich 1915 auf, die Stadt Frankfurt übernahm den Betrieb. Die Schwierigkeiten blieben jedoch: Tierpfleger mussten als Soldaten in den Krieg, das Futter wurde knapp. 1918 waren zwei Drittel aller Tiere verhungert oder an Infektionskrankheiten verendet. 

Erst in den 30er-Jahren konnte der Zoo saniert werden, auch einige neue Gebäude wurden errichtet. Doch der Zweite Weltkrieg brachte den zweiten großen Einschnitt. Bei den Angriffen auf Frankfurt im März 1944 trafen 27 Fliegerbomben den Zoo, fast alle Gebäude und Gehege wurden zerstört. Viele Tiere starben, die wenigen überlebenden rannten aufgeregt durch die Stadt. Zum Schutz der Frankfurter mussten die umherlaufenden Löwen getötet werden.

Grzimek und Niekisch prägen Zoo Frankfurt

Dass dies nicht das Ende des Zoos bedeutete, ist vor allem dem Engagement von Prof. Dr. Dr. Bernhard Grzimek zu verdanken. Am 1. Mai 1945 wurde er neuer Zoodirektor und konnte mit großem Einsatz die drohende Schließung verhindern. Er richtete die Gehege und Gebäude provisorisch wieder her, wodurch der Zoo bereits am 1. Juli wieder öffnen konnte. Auch lud Grzimek diverse Schausteller ein, um das Angebot attraktiver zu machen und die leeren Kassen zu füllen. Zweitweise kamen auch ein Zirkus, ein Kino und ein Theater hinzu. Grzimek stellte die Bedingung auf, dass der Zoo ohne finanzielle Hilfe der Stadt Frankfurt funktionieren muss. Der Startschuss in eine erfolgreiche Zukunft, die bis heute andauert. 

Insgesamt führten 13 verschiedene Direktoren den Zoo Frankfurt. Der erste, Franz Leven, hielt nur etwas mehr als ein Jahr durch, von August 1858 bis September 1859. Prägender war da Bernhard Grzimek, der die Geschicke des Zoos von 1945 bis 1974 leitete. Heute trägt die Anschrift des Zoos seinen Namen: Bernhard-Grzimek-Allee 1. Auch mit dem Prof. Dr. Manfred Niekisch ist die Geschichte des Zoos eng verknüpft. Er war von 2008 bis 2017 im Amt. In dieser Zeit entstanden unter anderem der neue Eingang, die Südamerika-Anlaage und eine moderne Quarantäne-Station. Seit dem 1. Februar 2018 ist der Spanier Dr. Miguel Casares Direktor des Frankfurter Zoos.

Von Manuel Schubert

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