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Löwe gähnt

Zoo

Zoo-Gesellschaftshaus wird Theater - Zentrum für Artenschutz entsteht am Osteingang des Tierparks

Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) hat gestern ihre Pläne für ein neues Kinder- und Jugendtheater vorgestellt. Dieses soll im sanierungsbedürftigen Gesellschaftshaus im Zoo untergebracht werden. Am Osteingang will die Stadträtin ein Zentrum für Artenvielfalt bauen.

Frankfurt - Die Stadt will ein Theater für Kinder und Jugendliche bauen, nach dem Vorbild der Institutionen in Stuttgart, Leipzig und Dresden. Als Standort eigne sich das Zoo-Gesellschaftshaus im Ostend, das 1875 im klassizistischen Stil errichtet worden sei und nun ohnehin einer Sanierung bedürfe, sagte die Frankfurter Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD).

Sie stellte am Freitag ein „Gesamtkonzept“ vor, über das die Stadtverordneten bis zur Sommerpause entscheiden sollen. Neben dem Kinder- und Jugendtheater ist darin die fortgeführte Sanierung des Zoos und das neue „Conservation Center“, ein Zentrum für Artenvielfalt der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, vorgesehen.

Das Kinder- und Jugendtheater am Haupteingang des Frankfurter Zoos soll je nach Variante einen großen Saal für bis zu 500 Personen oder zwei Spielstätten für jeweils 160 und 328 Personen enthalten. Auch das Fritz-Rémond-Theater sei gesichert, ungeachtet der Frage, ob Direktor Claus Helmer die Spielstätte weiterführen wolle.

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Die Schauseite des Gesellschaftshauses nach Osten zum Zoo hin solle wieder ihren ursprünglichen Charakter erhalten, sagte Andreas Schröder, Geschäftsführer der städtischen Projektgesellschaft Museumsbausteine Frankfurt, die auch für den Bau des neuen Jüdischen Museums verantwortlich ist. Ein Zwischengeschoss werde abgerissen. Die Statik bleibe erhalten. Neben Büros für die Verwaltung und Multifunktionsräumen seien Werkstätten und Räume für die Theaterpädagogik vorgesehen. Eine kleine Gastronomie soll sich um Catering für Veranstaltungen kümmern. Eine Ausstellung zur Artenvielfalt, die auf das geplante „Conservation Center“ am Osteingang des Zoos hinweise, werde integriert, sagte Schröder. Er hatte sich in der „Lenkungsgruppe“ mehr als anderthalb Jahre mit dem Projekt befasst.

Zoologische Gesellschaft Frankfurt: Bumerangförmiges Entrée

Am Osteingang, der als „Entrée Ost“ bezeichnet wird, will die Zoologische Gesellschaft Frankfurt, die sich international für den Artenschutz engagiert, ihren neuen Hauptsitz errichten. Gezeigt wurde der Entwurf eines bumerangförmigen Gebäudes an der Rhönstraße. Dort soll im Erdgeschoss der Besuchereingang eingebunden werden. Ein Stockwerk des Hauses sei für die Zoo-Verwaltung, ein weiteres für das „Conservation Center“ vorgesehen, in dem neben der Zoologischen Gesellschaft auch Forscher der Goethe-Universität arbeiten sollen. Die Finanzierung werde teilweise von Stiftungen übernommen, berichtete Michael Brombacher von der Zoologischen Gesellschaft.

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Aber auch die Stadt muss einen Anteil leisten. Für die Umgestaltung des Zoo-Gesellschaftshauses und das „Conservation Center“ würden Architektenwettbewerbe ausgeschrieben, sagte Schröder. Stadträtin Hartwig kündigte an, im Jahr 2020 eine Million Euro für die Planung des Kinder- und Jugendtheaters bereitzustellen, 2021 dann weitere zwei Millionen Euro.

Kinder- und Jugendtheater: Haus für alle Menschen

Das Kinder- und Jugendtheater soll ein Haus für alle Menschen sein. Es wird wegen der Nähe zum Zoo eine magnetische Wirkung erzielen.“ Schon jetzt sei die Nachfrage nach Theater für Kinder und Jugendliche größer als das Angebot. Um eine Förderung des Landes zu ermöglichen, sei sie in „guten Gesprächen“ mit der neuen hessischen Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn (Grüne).

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Zoo-Direktor Miguel Casares führte aus, dass der Zoo eine neue gastronomische Nutzung erhalte – über Pommes Frites, Waffeln und Nachos hinaus. Zunächst soll die neue Gastronomie am zentralen Spielplatz in der Zoo-Mitte unterkommen. Geplant seien darüber hinaus „gastronomische Inseln“. In einer zweiten Phase gebe es Gastronomie im denkmalgeschützten Flusspferdehaus, das nicht mehr artengerecht sei. Flusspferd Petra muss dann wohl ausziehen.

VON FLORIAN LECLERC

Kommentar von Thomas Remlein:

Alleingänge einer Einzelkämpferin

Ein selbständiges Kinder- und Jugendtheater ist ein lange gehegtes Wunschprojekt der Frankfurter Kulturszene. Deshalb hat es auch Eingang in den Koalitionsvertrag zwischen CDU, SPD und Grünen vom 29. Mai 2016 gefunden. Es gehört zu den zentralen Vorhaben des Bündnisses. Bei einer kalkulierten Bausumme in Höhe von etwa 50 Millionen Euro gilt es, alle Beteiligten hinter sich zu bringen. Schließlich müssen auch die Finanzpolitiker zustimmen.

Dass nun Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) ihr Konzept für die neu zu schaffende Institution ohne Absprache mit den Koalitionspartnern der Öffentlichkeit präsentiert hat, birgt Zündstoff. Zumal Hartwig schon bei der Neuausrichtung des Caricatura-Museums vollendete Tatsachen geschaffen hat. Auch die Ernennung Michael Guntersdorfs als Bühnen-Sanierer war ein Alleingang. Das sind Aktionen einer Einzelkämpferin, die sich im Magistrat zunehmend isoliert.

Offenbar hat Hartwig noch nicht einmal die eigenen Genossen eingebunden. Wie sonst ist es zu erklären, dass sie ihre Pressekonferenz zeitgleich als Konkurrenzveranstaltung zu der Pressekonferenz ihrer Parteifreundin, der Bildungsdezernentin Sylvia Weber, abhielt? Weber zog ihre Halbzeitbilanz im Amt. Wollte Hartwig ihrer Kollegin Weber die Show stehlen? Es ist offenbar an der Zeit, dass zumindest die SPD-Mitglieder im Magistrat miteinander reden.

Hartwigs Vorpreschen lässt für die anstehende Sanierung der städtischen Bühnen Schlimmes befürchten. Ein Projekt mit einem Volumen von geschätzten knapp 900 Millionen Euro lässt sich nicht im Alleingang verwirklichen. Das gilt aber auch für das Kinder- und Jugendtheater.

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