Miguel Casares füttert im Grzimek-Haus des Zoos Weißkopfsakis, die zu den kapuzinerartigen Neuweltaffen gehören.
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Miguel Casares füttert im Grzimek-Haus des Zoos Weißkopfsakis, die zu den kapuzinerartigen Neuweltaffen gehören.

Ein Verlust für Frankfurt

Zoodirektor kehrt nach Spanien zurück: Er will wieder bei seiner Familie sein

  • vonUte Vetter
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Miguel Casares sind die Heimatreisen in Corona-Zeiten zu aufwendig. Ab Juli arbeitet er für das Tierpark-Unternehmen "Rain Forest" in Madrid

Frankfurt -Miguel Casares (55), Direktor des Frankfurter Zoos, verlässt die Mainstadt Ende Juni. Die Gründe sind persönlicher Natur, wie er gestern betonte. Er kehrt zu seiner Familie nach Madrid, seine Geburtsstadt, zurück: "Meine Frau und unsere Töchter leben dort, zudem meine Mutter, die Schwiegermutter und weitere über 80-jährige Verwandte." Die Entscheidung sei ihm nicht leichtgefallen, doch die Pandemie und die Auswirkungen (insbesondere die Quarantänen nach den Flugreisen) hätten ihn bestärkt. "Es gab kaum Planungssicherheit mehr."

Casares, Veterinär, leitete seit Februar 2018 den elf Hektar großen Innenstadt-Zoo in Frankfurt. Ab 2016 war er Leiter der wissenschaftlichen Abteilung und stellvertretender Direktor gewesen. Unvergessen bleibt sein Satz, die teils maroden Tierhäuser seien wie "tickende Zeitbomben". Immerhin hat die Stadtverordnetenversammlung das Zukunftskonzept und damit die Sanierung des Zoos in mehreren Abschnitten bis 2030 beschlossen.

Casares hat aber auch einen interessanten Job in Spanien gefunden: Er arbeitet ab 1. Juli für das Unternehmen "Rain Forest", zumeist von Madrid aus. Es betreibt seit 1995 die Gestaltung, Entwicklung und Verwaltung von Tierparks der neuen Generation. Ergo keine "Terra incognita" für Casares: Er hat für die Firma bereits am Konzept etwa für den Bioparc in Valencia mitgearbeitet. Dieser moderne Zoo ist 100 000 Quadratmeter groß (wobei allein der Eingangsbereich 20 000 Quadratmeter zählt) und wurde Anfang 2008 eröffnet; er ersetzte den alten Zoo. Dort sind etwa 1000 Exemplare von 150 afrikanischen Tierarten zu sehen. Das Besondere ist, dass der Bioparc den Lebensraum der Tiere nachbildet, um deren Wohlergehen zu sichern. Die Absperrungen sind praktisch unsichtbar. Casares wird neben dem Zoo Valencia auch die Zoos in Gijon (vorrangig ein Aquarium), Fuengirola und Granada betreuen und weiterentwickeln sowie für die Tierkollektionen zuständig sein.

Casares Weggang ist ein herber Verlust für den Zoo. Ina Hartwig (SPD), zuständige Kulturdezernentin, bedauert das. "Er hat den Zoo in den letzten drei Jahren inhaltlich und strukturell maßgeblich vorangebracht und mit der Konzeptstudie ,Zookunft2030+' einen überzeugenden Plan für die Weiterentwicklung unseres Innenstadt-Zoos vorgelegt." Das Konzept bietet eine zeitgemäße Neuausrichtung hin zu einem internationalen Zentrum des Natur- und Artenschutzes mit Tiergemeinschaften in großzügigen, begehbaren Gehegen. Ein besonderes Anliegen war Casares die Festigung des Naturschutzprofils und die Zusammenarbeit insbesondere mit der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF), die weltweit in Sachen Tier- und Naturschutz aktiv ist. Er betonte gestern im Gespräch: "Das ist eine wirklich fantastische Konstellation!"

Mit der Einführung des freiwilligen Naturschutz-Euros im März 2021 hat Miguel Casares eine weitere Grundlage für die Naturschutzarbeit im Zoo gelegt. Auch die Entscheidung für die Ansiedlung des Frankfurt Conservation Centers auf dem Areal trieb er voran. Wie schon sein Vorgänger Prof. Manfred Niekisch begreift Dr. Miguel Casares den Zoo als Botschafter für den Tier- und Artenschutz. Und er wollte immer Konzepte auf Besucher-Bedürfnisse ausrichten: "Es muss uns gelingen, die Herzen zu erreichen."

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