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06.09.2018, Hessen, Frankfurt am Main: Ein Auto fährt auf der Theodor-Heuss-Allee nahe des Frankfurter Messegeländes an einem Verkehrsschild mit der Aufschrift "Umwelt Zone" vorbei. Nach dem Urteil des Verwaltungsgerichts in Wiesbaden bekommt Frankfurt 2019 als weitere deutsche Metropole ein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge. Foto: Arne Dedert/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Reaktionen

Zorn und Verständnis bei den Autofahrern nach Dieselfahrverbot-Urteil

Das drohende Dieselfahrverbot in Frankfurt hat für gemischte Reaktionen gesorgt. Wir haben ein paar Stimmen aus der Bevölkerung eingefangen.

In Frankfurt sind 334 000 Autos zugelassen. Davon sind rund 186 000 Benziner, 142 000 sind Selbstzünder. Fast die Hälfte der zugelassenen Dieselfahrzeuge könnte von einem Fahrverbot für ältere Dieselmodelle betroffen sein. Reporter Thomas Schmidt hat mit Autofahrern gesprochen. Die Reaktionen sind durchwachsen.

Bojan Pavlovic (28) ist stinksauer: „Mein A 4 ist fünf Jahre alt und hat nur Euro 5. Das heißt, in einem Jahr müsste ich das Auto stehen lassen“, klagt der Frankfurter. „Er hat mich vor zwei Jahren 27 500 Euro gekostet.

Wenn ich ihn jetzt verkaufe, bekomme ich 15 000, höchstens!“ Der Fenstermonteur fühlt sich betrogen. „Ich arbeite hart ich fahre jeden Tag zur Arbeit nach Schmitten. Ich bin auf das Auto angewiesen.“ Und Geld für ein neues Auto hat er auch nicht.

Für Edwin R. (60) – den Nachnamen will er nicht nennen – kommt es schon ab Februar bitter. „Ich betanke gerade den Dienstwagen. Aber privat fahre ich einen Diesel Euro 4. Das heißt, ab Februar bleibt Frankfurt für mich geschlossen.“

Dabei braucht er das Auto, um täglich von seinem Wohnort im Kreis Offenbach nach Frankfurt zur Arbeit zu fahren. „Ich bin wirklich darauf angewiesen. Der Nahverkehr kann uns ja gar nicht alle aufnehmen.“

Mariusz Jedrzejewski (43) nutzt seinen Skoda privat und – als selbstständiger Elektriker – auch beruflich. „Das Auto ist sieben Jahre alt, und in einem Jahr kann ich vielleicht nicht mehr in Frankfurt damit fahren.

Das ist Mist, die haben echt

Mist gemacht

.“ Jedrzejewski benötigt jedenfalls einen Diesel, denn sonst wird die lange Strecke in die polnische Heimat zu teuer. Andererseits – einen neuen Diesel mit Euro-6-Motor kann er sich nicht leisten.

Für Marcel Sobottka (30) ist die ganze Diskussion kein Thema: „Ich kann den Dienstwagen auch privat nutzen, und es ist ein sauberer Euro-6-BMW“, sagt der Manager aus Frankfurt. „Wenn die Euro-4- und -5-Diesel bald nicht mehr in die Stadt dürfen, wird dort die Luft sauberer.

Das begrüße ich“, sagt er. „Wer ist schuld am Fahrverbot? Die Industrie, ja, die Politik, ja, aber die Autofahrer sind doch auch selbst schuld. Sie wussten doch, wie riskant alte Diesel sind.“

Gurdeepsingh Pardesi (62) sitzt berufsbedingt den ganzen Tag in einem Diesel-Auto. Er ist Taxifahrer. „Fast alle Taxis haben einen Dieselmotor. Aber viele haben schon Euro 6“, sagt er.

So gesehen macht er sich um seinen Job keine Sorgen. „Vielleicht ist es auch gut, wenn alte Diesel verschwinden. Denn dann wird die Luft besser.“ Und notfalls muss halt ein ganz anderes Antriebskonzept her. Elektroautos, Erdgasfahrzeuge, Brennstoffzellen-Antriebe.

„Ha, dann müssen die Frankfurter halt sehen, wer ihre Arbeit erledigt“, kommentiert Michael Seitz (26) die Nachricht vom drohenden Fahrverbot. Der Dienstwagen des Fassadenbauers aus Gundelfingen rollt natürlich mit Diesel.

„Der ganze Lieferverkehr bricht doch zusammen“, warnt er. „Feuerwehr, Rettungsdienst – die müssen fahren, die dürfen doch nicht stundenlang an der Steckdose hängen!“ Seitz hält Fahrverbote für „

Schwachsinn

“.

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