In nur wenigen Monaten Bauzeit entstand das erste Schulgebäude für das Gymnasium Nord, das vorübergehend in Westhausen seinen Platz gefunden hat.
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In nur wenigen Monaten Bauzeit entstand das erste Schulgebäude für das Gymnasium Nord, das vorübergehend in Westhausen seinen Platz gefunden hat.

Teure Maßnahmen

Mit zügig errichteten Provisorien will Frankfurt den Schulbau beschleunigen

  • vonInga Janovic
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Frankfurt braucht neue Schulen. Die bestehenden sind überfüllt und die Zahl der Kinder steigt weiter. Schneller denn je soll gebaut werden – tatsächlich werden die Schulen nicht im Rekordtempo, sondern zu Rekordpreisen gebaut.

Gerade ist im Stadtparlament der Beschluss gefallen: Für knapp 51 Millionen Euro kann neben dem Westhausener Friedhof das zweite Gebäude für das Gymnasium Nord errichtet werden. Dazu Dreifelderturnhalle und Mensa. Alles in schneller Holzmodulbauweise, zum Schuljahr 2018/ 19 soll damit Platz genug für 1440 Schüler bis zur Klasse zehn vorhanden sein.

Damit summieren sich die Baukosten für den nur provisorischen Standort des neuen Gymnasiums auf rund 62 Millionen Euro. Der Bau für die ersten zwei Jahrgangsstufen kostete knapp elf Millionen Euro. „Es stimmt, die Provisorien sind nicht günstiger als andere Bauten. Wir können sie nur schneller errichten“, bestätigt Baudezernent Jan Schneider (CDU).

Die Übergangslösung wird damit teurer als das in massiver Bauweise errichtete Gebäude des Gymnasiums auf dem Riedberg, das rund 56 Millionen Euro gekostet hat. Und es könnten schnell noch einige Millionen dazukommen: Bislang geht das Bildungsdezernat davon aus, dass das Gymnasium Nord bis zum Jahr 2022 von Westhausen in sein endgültiges Schulgebäude zieht. Wird dieser Zeitplan nicht eingehalten, muss in Westhausen noch Raum für die Oberstufe, also die Jahrgänge elf bis 13, geschaffen werden. „Wenn wir den dritten Bauabschnitt brauchen, bauen wir ihn auch“, sagt Rüdiger Niemann, Referent von Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD).

Unwahrscheinlich ist das nicht. Obwohl das Gymnasium Nord im Sommer eröffnet wurde, steht die Planung für ihren endgültigen Standort nach wie vor am Anfang. Es ist nicht einmal geklärt, wo dieser sein wird. Lange galt das geplante Baugebiet in Bonames-Ost als Standort, im Entwurf des Bebauungsplans ist dort ein Areal für eine weiterführende Schule vorgesehen. Doch dieser Plan ist nicht rechtskräftig und wird es so schnell nicht werden: Er hätte schon unter der Ägide des Planungsdezernenten Olaf Cunitz (Grüne) überarbeitet werden sollen, inzwischen hat der Sozialdemokrat Mike Josef das Amt übernommen, die Pläne stecken weiterhin in der Schublade.

Josefs für den Schulbau zuständigen Kollegen Weber und Schneider können nicht mehr länger warten: Sie suchen nach einem alternativen Grundstück – das die Stadt wird kaufen müssen. „Dabei hätte es diesmal einfach sein können“, seufzt Jan Schneider. Orientiert man sich nun an den Baukosten für das Gymnasium Riedberg und rechnet hinzu, dass die neue Schule ja acht und nicht nur sechs parallele Klassen hat, ist die Schätzung von 70 Millionen Euro Baukosten wohl nicht unrealistisch. Ohne den Kaufpreis für ein Grundstück.

Summa summarum: 130 plus x Millionen Euro für eine neue Schule. Und Frankfurt braucht noch etliche mehr.

Zum Beispiel das Gymnasium Nied: Noch ist es in einem Containerbau in Höchst untergebracht, doch der wird schneller zu klein als der geplante Neubau an der Miquelallee errichtet werden kann. Also muss man auch für diese Schule zweimal bauen: Ein dauerhaftes Schulgebäude auf dem Areal zwischen Hansaallee und Eschersheimer Landstraße und ein Provisorium auf dem Sportplatz der Holzmannschule, nördlich des Campus Westend der Goethe-Universität.

Dieses müsste spätestens in zwei Jahren stehen. „Das sollte aber nicht so teuer werden wie der Bau in Westhausen, das ist sozusagen der Ferrari unter den Holzmodulbauten, weil wir ihn nach dem Auszug des Gymnasiums als Auslagerungsstandort für weitere Schulen nutzen wollen“, kündigt Schneider an. Im Westend könnte man zu einfacheren Qualitäten greifen.

Aber es gibt zwei weitere Schulen, für die provisorische Bauten im Gespräch sind: Neben dem Gymnasium Nied soll auch die Holzhausenschule, eine Grundschule an der Eschersheimer Landstraße, vorübergehend in ein Provisorium auf dem Sportplatz ziehen. Zwei millionenteure Gebäude für ein paar Jahre. Vielleicht, so die Überlegung, könnten die Schulen auch nacheinander ausgelagert werden. Aber die Sanierung und Erweiterung der Grundschule ist mehr als überfällig, jede weitere Verzögerung kaum zu rechtfertigen. Und da ist noch die Gesamtschule in Niederrad, die im Sommer eröffnet werden soll. Auch sie braucht für ein paar Jahre ein Übergangsgebäude, einer Planungsvariante zufolge sogar zwei.

Das klingt selbst in den Ohren derer, die die Pläne verantworten, befremdlich: „Das ist Wahnsinn, aber wir haben keine Alternative“, sagt Schneider. „Und der Bedarf wird noch steigen“, fügt Niemann an.

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