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Prozess

Zuhälter schickt Jugendliche ins Bordell - Gefängnisstrafe

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Zweieinhalb Jahre Haft wegen Menschenhandels „zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung“ – ein 45 Jahre alter Mann aus Ungarn wurde gestern vom Amtsgericht zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Seine Tochter (23), die auf sein Geheiß diverse Internet-Plattformen für Freier betreut hatte, kam mit sechs Monaten Bewährungsstrafe wegen Beihilfe davon.

Zweieinhalb Jahre Haft wegen Menschenhandels „zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung“ – ein 45 Jahre alter Mann aus Ungarn wurde gestern vom Amtsgericht zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Seine Tochter (23), die auf sein Geheiß diverse Internet-Plattformen für Freier betreut hatte, kam mit sechs Monaten Bewährungsstrafe wegen Beihilfe davon.

Im Mittelpunkt der Straftaten stand ein zu Beginn des Tatzeitraums 2016 gerade einmal 15 Jahre altes Mädchen, das in der ungarischen Heimat gerade aus einem Kinderheim ausgerissen war. Die Jugendliche traf zufällig auf den Angeklagten, der sich wegen eines Trauerfalles in seine Heimat begeben hatte. Auf die Frage: Zurück ins Heim oder zum Arbeiten nach Deutschland entschied sie sich für die zweite Alternative. Schließlich kam sie im Schlepptau des Landsmannes nach Frankfurt: Ihre Arbeitsstelle war in verschiedenen Bordellen oder aber in Privatwohnungen der Freier, die auf der entsprechenden Homepage mit dem beziehungsreichen Motto „Kauf mich!.de“ ansprangen.

Offenbar arrangierte sich die junge Ungarin in der Folge mit ihrer neuen Rolle. Sie bekam von den täglichen 200 bis 300 Euro Dirnenlohn zwar nur einen kleinen Teil, der ihr jedoch zur Finanzierung des nötigsten Lebensunterhalts ausreichte. Fast drei Jahre ging das so, bis ihr irgendwann einmal der gefälschte Reisepass, der sie von Beginn ihrer Tätigkeit im Bordell an als 18-Jährige auswies, gestohlen worden war. Sie musste zurück nach Ungarn, um sich einen neuen Pass machen zu lassen – und plötzlich flogen die zurückliegenden Jahre in der Illegalität des Frankfurter Rotlichtviertels auf.

Ein Strafverfahren gegen den mutmaßlichen Zuhälter und seine Tochter wurde eingeleitet, und die Staatsanwaltschaft rechnete umfangreiche Beträge zusammen, die der Ungar der jungen Frau abgenommen haben könnte. Heraus kam die stattliche Summe von 100 000 Euro, die jedoch in dem mehrtägigen Prozess vor dem Amtsgericht nicht gehalten werden konnte. Die Frau hatte im Zeugenstand auf irgendwelche Nachzahlungen verzichtet und zeigte auch sonst wenig Verdruss über den Angeklagten. Sie gehe derzeit weiter der Prostitution nach, sagte sie. Weil sie während der angeklagten Zeit aber jünger als 21 Jahre alt war, griff die Strafvorschrift des Menschenhandels gleichwohl – und führte zur Haftstrafe.

(ge)

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