Commerzbank

Die Zukunft führt zum Altar

  • Panagiotis Koutoumanos
    vonPanagiotis Koutoumanos
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Zum Rücktritt von Vorstandschef Martin Zielke

Wie einen Sieg hat die Commerzbank im vergangenen Februar ihren 150. Geburtstag gefeiert - nachdem das Kreditinstitut in der Finanzkrise nur durch die Teilverstaatlichung knapp der Pleite entgangen war und 2019 die Hochzeit mit der Deutschen Bank scheiterte. Inzwischen ist jedoch klar: Eine weitere Jubiläumsfeier wird Deutschlands zweitgrößte Privatbank als eigenständiges Unternehmen nicht mehr feiern. Dazu ist das Frankfurter Institut, das im höchsten Bürogebäude der Republik residiert, weder groß noch ertragsstark genug.

Die Schuld dafür trägt der noch amtierende Vorstandschef Martin Zielke, der Mitte 2016 das Amt übernahm, sicherlich nicht allein. Die Übernahme der heruntergewirtschafteten Dresdner Bank und der längst abgewickelten Immobilienbank Eurohypo sowie die milliardenschweren Schiffsfinanzierungen haben seine Vorgänger zu verantworten. Die entsprechenden Belastungen haben maßgeblich dazu beigetragen, dass sich die Commerzbank nun seit mehr als zehn Jahren im Umbau befindet.

Aber dass diese Dauer-Sanierung bis heute keinen nachhaltigen Erfolg zeigt, muss auch Zielke angekreidet werden. Nicht weil der gebürtige Kasselaner auf einen radikalen Strategieschwenk verzichtet hat - an der Fokussierung auf das heimische Privat- und Firmenkundengeschäft ist im Grundsatz zunächst nichts auszusetzen. Allerdings hat Zielke zum einen die nötige Konsequenz und Härte bei der Fitnesskur vermissen lassen, die das Institut hätte schlagkräftiger machen müssen: Zu lange hat er sich dabei der Illusion hingegeben, dass die Bank im Zinstief über Skalen-Effekte eines wachsenden Kundengeschäfts so weit reüssieren würde, dass der Vorstand allzu schmerzhafte Einschnitte vermeiden könnte.

Zum anderen hat er kaum unternehmerischen Gestaltungswillen gezeigt. Dass er nach seinen gescheiterten Annäherungsversuchen bei der Deutschen Bank den Schulterschluss mit dem Sparkassen-Lager suchte, kann nur als Verzweiflungstat gewertet werden.

Zu spät hat Zielke erkannt, dass er um härtere Sparmaßnahmen und damit auch um eine harte Konfrontation gegen die bei der Commerzbank mächtige Verdi nicht umhin kommt. Dass es der Gewerkschaft in der vergangenen Woche gelang, die Aufsichtsratssitzung zu verhindern, bei der Zielke sich den Segen für sein neues Sparprogramm holen wollte, zeigt: Inzwischen hat er auch den Rückhalt der Bundes als größtem Anteilseigner verloren. Rund fünf Milliarden Euro hatte dieser 2008 für seine Beteiligung gezahlt, die heute nur noch rund 800 Millionen wert ist. Und offenbar hat sich die Bundesregierung entschieden, gerade in Zeiten der Rekordverschuldung zumindest in internen Gesprächen lieber dem Jobabbau bei der Bank das Wort zu reden, als von Zielke weiterhin Steuergeld verschleudern zu lassen.

Allerdings ist auch mit einem neuen Mann oder mit einer Frau an der Spitze nicht zu erwarten, dass die Commerzbank eine neue Blütezeit erleben wird, die die Eigenständigkeit des Instituts sichert. Die Aufgabe von Zielkes Nachfolger/in wird vor allem darin bestehen, die Braut - an die sich noch niemand traut - so attraktiv herzurichten, dass sie ein Wettbewerber zu Bedingungen zum Altar führt, die es dem Staat ermöglichen, mit nur einem blauen Auge aus seinem Commerzbank-Abenteuer auszusteigen.

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