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Zur Harmonie zurückgekehrt

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Von: Friedrich Reinhardt

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Gergö Nagy dirigiert das Orchester im Bürgerhaus Harheim durch das Programm für den kommenden Auftritt. Es soll die vergangenen beiden Jahre reflektieren.
Gergö Nagy dirigiert das Orchester im Bürgerhaus Harheim durch das Programm für den kommenden Auftritt. Es soll die vergangenen beiden Jahre reflektieren. © Hamerski

Dank der Vorsitzenden kam der Musikverein gut durch die Pandemie - Erstes Konzert am Samstag

Als Gergö Nagy den Dirigierstab anhebt, setzt die Musik ein. Erst zärtlich, dann kräftiger. Mehr Instrumente setzen ein, das Schlagzeug scheppert durch das Harheimer Bürgerhaus. Die Musik erhebt sich, denn der Musikverein 1913 Harheim bereitet wieder einen Auftritt vor und beendet die Stille des Lockdowns.

Ganz überwunden ist das Virus noch nicht, es kann aber draußen gehalten werden. Die Saxofonistin Angelika Schaak zieht das Stäbchen aus der Verpackung. Der Trompeter zuckt nicht einmal, als Schaak es zweieinhalb Zentimeter tief in seine Nase schiebt. "Noch zwei Mal drehen. So, fertig." Vor jeder Probe lassen sich alle Musiker testen - oder zeigen einen tagesaktuellen Test vor. Der Bundesmusikverband Chor & Orchester stellt die Testkits und machte aus Schaak und den beiden Trompeterinnen Sabrina Winkler und Kirsten Krumpietz Corona-Testerinnen, die genau wissen, wie und wie tief das Stäbchen in die Nase muss.

Jeden Dienstag hat etwas gefehlt

Seit Ende Februar proben die etwa 25 Musiker wieder. Über das Wiedersehen und das erste gemeinsame Spiel sagt Schaak: "Es war toll, einfach nur toll." Sie atmet ein, sucht sichtlich nach Worten, die das überwältigende Gefühl fassen können. Sie findet keine. Jeden Dienstagabend, an denen es keine Probe gab, habe sie gespürt, dass etwas fehlt, sagt Trompeterin Krumpietz.

Trotz der langen Pause hat der Musikverein Harheim keinen einzigen Musiker verloren. "Weil die Elke extrem aktiv war, weil sie sich immer wieder etwas einfallen ließ", sagt Krumpietz. Die drei Musikerinnen am Testtisch sind sich einig: Wenn etwas über den Verein geschrieben wird, sollte es vor allem Lob für die Elke sein.

Jeden Dienstagabend habe die Vorsitzende Elke Wetzel Nachrichten herumgeschickt, die daran erinnerten, dass jetzt eigentlich Probe wäre. Einmal bestand sie nur aus Emojis. Auch startete Wetzel eine Challenge. Jeder musste sich etwas suchen, was er anderen zeigen wollte. Krumpietz spielte "You'll Never Walk Alone" im Eintracht-Trikot, Schaak spielte ein irisches Segenslied und Winkler ließ ihren Sohn einen Zaubertrick vorführen. Alles per Video, alles nur online.

"Hoffentlich brechen wir nicht auseinander, hoffentlich finden wir wieder zusammen." Das habe sich Wetzel immer wieder gedacht in den beiden Lockdown-Jahren. Darum die Nachrichten, die Challenge, die Online-Weihnachtsfeier und die Online-Aufgaben des Dirigenten Nagy.

Große Gefühle beim Wiedersehen

Als dann am 22. Februar das Orchester wieder zusammen kam, wieder spielte - "es war...": Auch Wetzel fehlen die Worte. Ihre Locken hüpfen, als sie den Kopf schüttelt. Sie streckt die Arme aus, als wollte sie zumindest die Weite des Gefühls beschreiben.

Auch Nagy erzählt von einem besonderen Moment des Wiedersehens. Als Dirigent habe er eine Vorstellung, wohin er das Orchester bringen möchte. Das Niveau sei bei Laien-Orchestern schwer zu halten, aber kurz nachdem die Proben wieder begonnen hatten, spielten die Musiker ein Stück. "Nach dem letzten Ton konnte ich kein Wort sagen, so gerührt war ich." Das Orchester war wieder da, wo es sein sollte.

Konzert am Samstag

Unter dem Motto "In Harmonie vereint" spielt der Musikverein Harheim am Samstag, 11. Juni, ab 18 Uhr auf dem Alten Harheimer Kirchplatz. Ausweichtermin bei schlechtem Wetter: Dienstag, 14. Juni, um 20 Uhr.

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