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Frankfurter Partyvolk soll an die Hauptwache umziehen: Die Bilanz des ersten Abends

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Von: Michelle Spillner

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DJs des Momem legten am Freitag zum ersten Mal an der Hauptwache auf. Dort soll ein neuer Treffpunkt fürs Partyvolk entstehen.
DJs des Momem legten am Freitag zum ersten Mal an der Hauptwache auf. Dort soll ein neuer Treffpunkt fürs Partyvolk entstehen. © Michelle Spillner

Wie die Stadt Frankfurt versucht, Feiernde aus dem Nordend zu vertreiben und an die Hauptwache in die Innenstadt zu locken.

Frankfurt - Viele der mehr als 2000 Menschen auf dem Friedberger Platz in Frankfurt wissen am Freitagabend (29. April) schon, dass sie Besuch bekommen werden: Besuch von Mitgliedern des Ortsbeirates, des "Runden Tischs nächtliches Leben im Freien" und der Bürgerinitiative, von Anwohnern, Mitarbeitern der Stadtpolizei, Ordnungsdezernentin Annette Rinn (FDP) und der Reinigungstruppe der FFR GmbH, einer Tochter der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH. Die Feiernden wissen auch, was der Besuch ihnen sagen wird: dass sie gehen und an der Hauptwache weiterfeiern sollen.

An die FFR-Mitarbeiter in den orangefarbenen Westen ist das feiernde Publikum längst gewöhnt. Seit bestimmt zehn Jahren rückt die FFR an jedem "Feier-Abend" gegen 21.30 Uhr mit Aufräumfahrzeugen an, um die Menschen mit schallgedämpften Laubbläsern sanft vom Platz zu pusten. Doch die Feiernden ließen sich in all den Jahren nicht recht vertreiben, zogen allenfalls weiter auf den Luisenplatz, den Merianplatz und den Matthias-Beltz-Platz. Die FFR-Leute hinterher.

Partys auf öffentlichen Plätzen in Frankfurt: „Viele hinterlassen Unrat“

"Es geht nicht nur um das Feiern, es geht auch darum, dass es immer undisziplinierter zugeht. Viele hinterlassen ihren Unrat, die Flaschen, Scherben auf den Straßen, an denen Hunde sich verletzen oder Fahrradreifen Schaden nehmen. Es wird in die Hauseingänge uriniert", schildert Kaweh Nemati, Erster Vorsitzender der Interessengemeinschaft Untere Berger Straße aus Frankfurt. Die Anwohner sind genervt vom Lärm, bis spät in die Nacht, und von den schier unfassbaren Müllbergen, Flaschen, Dosen, Pizzakisten, die zurückbleiben.

Jetzt soll die Klientel aus dem Frankfurter Nordend an einen anderen Ort, an die Hauptwache gelockt werden. Da wohnen wenige Menschen, die sich gestört fühlen könnten. Da gibt es keine Sperrstunde, während auf den Plätzen im Nordend um 22 Uhr Feierabend sein soll. Und an der Hauptwache würde man sich ohnehin eine Innenstadtbelebung wünschen.

Frankfurter Partyvolk will zunächst nicht umziehen

Um 21.30 Uhr treffen sich die Helfer der ersten Aktion "Ab in die Mitte" vorm Harveys. Anstecker mit dem Slogan darauf werden verteilt und zweckmäßige Din-A-4-Flugblätter mit dem Charme einer Waschsalon-Preisliste: "Nachtschicht Hauptwache. Wir geh'n um zehn. Bitte denken Sie daran, dass die Mitbürgerinnen und Mitbürger im Nordend schlafen wollen. Wohin jetzt? Frankfurt hat einen neuen "Place to be", steht da. Musik vom Momem, Foodtrucks, Cocktails, Wein und zeitlich unbegrenzten Spaß gebe es da.

Die Frankfurter Stadtpolizei erklärt den Helfern die Vorgehensweise. Klare Arbeitsteilung: Während die Ordnungshüter nachdrücklich zum Verlassen des Platzes auffordern werden, sollen die Helfer das neue Angebot anpreisen. Ordnungsdezernentin Annette Rinn geht mit den Worten "Dann probieren wir es mal" direkt auf eine Gruppe junger Leute zu, überreicht das Infoblatt: "Ich war eben schon an der Hauptwache. Da sind schon 300, und da ist es total schön. Da kann man auch total gut tanzen", schwärmt sie und unterstreicht ihre Worte mit einer hüpfenden Tanzandeutung: "Ich bin übrigens die Annette." Die Leute sind sehr freundlich, nehmen einen Schluck aus Sekt- oder Bierpulle, flachsen und plaudern, aber sie gehen nicht.

"Ab in die Mitte!" steht auf dem Flugblatt, das Ordnungsdezernentin Annette Rinn am Freitagabend auf dem Friedberger Platz verteilte. Während die FFR bereits am Aufräumen war, versuchte Rinn, Feiernden den neuen Party-Hotspot an der Hauptwache schmackhaft zu machen.
"Ab in die Mitte!" steht auf dem Flugblatt, das Ordnungsdezernentin Annette Rinn am Freitagabend auf dem Friedberger Platz verteilte. Während die FFR bereits am Aufräumen war, versuchte Rinn, Feiernden den neuen Party-Hotspot an der Hauptwache schmackhaft zu machen. © Michelle Spillner

Partys sollen an die Frankfurter Hauptwache umziehen: „Hier ist es gemütlicher“

Auch Andy (47) und Melanie (41) bleiben. Dabei könnte man vermuten, dass sie einem neuen - etwas "ungefährlicheren" Platz - den Vorzug geben würden. Andy hat nämlich im vergangenen Sommer einen Eimer Wasser samt Eiswürfeln darin über den Kopf bekommen, wie er erzählt. Er kommt trotzdem immer wieder. "Hier ist es gemütlicher", sagt er, wie er da steht, umgeben von Bäumen im Schein der Laternen. Der Platz habe etwas Lauschiges. Diese Atmosphäre biete die Frankfurter Hauptwache nicht, sagt er. "An der Hauptwache ist man auf der Durchreise, und hier ist man angekommen."

Die FFR-Leute arbeiten sich sukzessive in die Menge, superfreundlich. Einer von ihnen, Imad, dirigiert in die Menschenmenge eine Schneise für das Müllfahrzeug und strahlt dabei: "Nachher gehen wir an der Hauptwache die ganze Nacht tanzen. Ich komme in einer Stunde nach, wenn ich hier fertig bin", ruft er ein paar jungen Mädels zu. Eine möchte ein Erinnerungsfoto mit dem etwa Mittvierziger, weil er so nett ist.

Frankfurt: Mini-Rummelplatz am Freitagabend an der Hauptwache

Ein 38-Jähriger bezweifelt, dass das neue Angebot Erfolg haben wird: "Ich finde die Idee gut, aber es ist die falsche Zielgruppe. Technomusik und Tanzen mögen nicht alle. Viele wollen sich nur unterhalten." Vielleicht werde ein Teil umziehen.

Der Friedberger Platz wird leerer. Ein Tross setzt sich in Bewegung in Richtung Luisenplatz. Dort gibt es eine Pizzeria, die gleich besten Umsatz machen wird. Ulrike Schneider, Anwohnerin der Luisenstraße, hat auf dem Luisenplatz fürs Weggehen geworben, arbeitet sich jetzt gegen den Strom voran und hofft weiter: "Es wäre schön, wenn es klappt."

Mit schallgedämpften Laubbläsern versuchen zwei FFR-Mitarbeiter die mehr als 2000 Feiernden sanft vom Friedberger Platz zu pusten.
Mit schallgedämpften Laubbläsern versuchen zwei FFR-Mitarbeiter die mehr als 2000 Feiernden sanft vom Friedberger Platz zu pusten. © Michelle Spillner

Ortswechsel zur Hauptwache. Tanzbare Musik schallt über den Platz. Stände reihen sich im Schlauch zwischen Abgang B-Ebene und Geschäftszeile aneinander. Der Schlauch ist voller Menschen, gemütliche Enge. Am DJ-Pult legen Sven, Sami und Abraham auf. Davor wird getanzt, auch als es zu regnen beginnt. Crêpes-Stand, Bratwurst, Ebbelwei, Popcorn und Zuckerwatte lassen das Ganze ein wenig wie einen Mini-Rummelplatz wirken.

„Ab in die Mittag“_Aktion in Frankfurt: Ende Mai erstes Fazit

Kevin Hahn (27) ist enttäuscht, nachdem er vom Friedberger Platz rübergekommen ist. Er steht jetzt am Weinstand, der die Gäste aus dem Frankfurter Nordend noch am ehesten ansprechen dürfte: "Ich würde mal sagen: Es ist okay." Aber er hatte Foodtrucks erwartet, eine große Bühne, etwas Cooles. Die Musik sei zu leise. Noch mal werde er nicht kommen, dann lieber in eine Bar gehen.

Die vier Plätze im Nordend sind noch vor Mitternacht geräumt, heißt es. Aber wenige von dort sind an der Hauptwache angekommen. Vielleicht lag es am Regen. Nach Mitternacht gibt Ordnungsdezernentin Annette Rinn der Aktion eine "Zwei bis Zwei minus". Am Friedberger Platz habe es gut geklappt. Am Luisenplatz, als die Leute zum zweiten Mal weitergetrieben werden sollten, sei es schwieriger geworden. Es müsse sich rumsprechen, dass es an der Hauptwache gut ist. "Ich glaube, das könnte hier was werden", sagt sie, während sie sich umschaut und am Weinstand bestellt. Bis zum Sommer solle es jetzt an jedem Freitag und Samstag die "Ab in die Mitte"-Aktion geben, immer mit aktualisierten Flugblättern. Im Ortsbeirat am 23. Mai wollen die Initiatoren ein erstes Resümee ziehen. (Michelle Spillner)

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