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Hier tagte das erste deutsche Parlament.

Stadtplanung

Zurück ins 19. Jahrhundert: Paulskirche soll wieder wie 1848 aussehen

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Oliver Strank, Ortsvorsteher des Ortsbeirats 1, fordert nicht nur eine Generalsanierung, sondern auch eine Neugestaltung der Paulskirche, die das Erscheinungsbild von 1848 wieder erfahrbar machen soll.

Im vergangenen Herbst leitete das Baudezernat Untersuchungen für die Paulskirche ein, um den Sanierungsbedarf für das Flachdach anstelle der früheren Kuppel zu ermitteln. Auch der Brandschutz und die Belüftung entsprechen nicht mehr den aktuellen Vorschriften. Doch Oliver Strank (SPD), Ortsvorsteher des Ortsbezirks 1 (Innenstadt, Bahnhofsviertel, Gallus, Gutleut), geht in seinem Antrag für die Ortsbeiratssitzung am kommenden Dienstag, 10. April, noch weit über diese Maßnahmen einer Generalsanierung hinaus.

Strank fordert eine angemessene Neugestaltung der Paulskirche als „wichtigstes nationales Denkmal unserer Demokratie“ und regt an, das heutige Flachdach durch die ursprüngliche Konstruktion mit Säulen und Emporen zu ersetzten, um auch im Innern die Atmosphäre der 1789 bis 1833 erbauten und von Johann Christian Friedrich Hess fertiggestellten evangelischen Hauptkirche als Parlament der Nationalversammlung wieder erlebbar zu machen. „Unter Wahrung der einschlägigen denkmalschutzrechtlichen Vorgaben soll die Paulskirche wieder in einer Art und Weise gestaltet werden, die ihrer herausragenden Bedeutung als Wiege der deutschen Demokratie und des Grundgesetzes angemessen Rechnung trägt“, betont Strank.

Er räumt ein, dass er dabei durchaus an eine rekonstruktionsähnliche Annäherung an das Erscheinungsbild vor der Kriegszerstörung denkt. Nach dem Krieg war bis zur Wiedereröffnung 1948 nur ein vereinfachter Wiederaufbau durch die Planungsgesellschaft von Rudolf Schwarz möglich, der das Gotteshaus über einen Wandelgang zum Plenarsaal erschließt. Strank bezieht sich in seinem Antrag sowohl auf Gespräche mit dem vor zwei Wochen gegründeten Verein Demokratiedenkmal Paulskirche als auch auf einem „Zeit“-Artikel vom vergangenen November, der die 1947 bis 1948 wiederaufgebaute Paulskirche als „tristen Bau“ bezeichnet. Strank stellt sich außerdem westlich der Kirche die Errichtung eines multimedialen Dokumentationszentrums vor, das die historische Bedeutung der Paulskirche als Sitz der Nationalversammlung als erstes deutsches Parlament dokumentiert. Für die Maßnahmen des Gutachtens, das schon Ende 2017 erwartet wurde, sollen auch Bundesmittel bereitgestellt werden.

„Es bleibt zu klären und abzuwägen, ob die Paulskirche ausreichend dokumentiert ist, um einen früheren Bauzustand unter den Bestimmungen des Denkmalschutzes herzustellen“, sagt Baudezernent Jan Schneider (CDU). Mehr als 70 Jahre nach dem Wiederaufbau sei es jedoch nicht mehr nötig, die Spuren der Nachkriegszeit sichtbar zu erhalten. Im Laufe dieses Monats sei es allerdings nur möglich, das Sanierungsgutachten teilweise mit einer ersten Bestandsaufnahme vorzustellen. Dieses Gutachten will Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) zunächst abwarten, zeigt sich aber erfreut über die engagierte offene Diskussion.

Zurückhaltender äußert sich Beate Huf, Büroleiterin von Planungsdezernent Mike Josef (SPD): „Auch die wiederaufgebaute und durch Oberbürgermeister Walter Kolb eingeweihte Paulskirche hat ihren eigenen historischen Stellenwert.“ Nach Auskunft des Denkmalamtes sei sie zunächst ebenso wie das Salzhaus in ihrem heutigen Erscheinungsbild als Entscheidung für einen Neuanfang geschützt.

Thomas Bauer, Historiker im Institut für Stadtgeschichte, verweist dazu auf den gelungenen Ansatz der Nachkriegszeit, vom düsteren Kellergeschoss über die Wandelhalle bis zum lichten Plenarsaal emporzusteigen. „Die Paulskirche ist in ihrer jetzigen Gestalt ebenfalls ein Denkmal und hat seit ihrer Errichtung in der Nachkriegszeit eine eigene Geschichte mitgestaltet“, findet Christiane Loizides (CDU) vom Bauausschuss. „Weshalb die nach stürmischer Geschichtsepoche wiederaufgebaute Paulskirche nur in einem früheren Zustand ein würdiger Ort deutscher Geschichte sein soll, erschließt sich mir nicht.“

„Auch die heutige Paulskirche hat ihren eigenen Reiz, spannend wäre jedoch ein Wiedereinbau der Emporen und Balustraden nach modernen Kriterien“, findet Georg Wässer vom Verein Demokratiedenkmal Paulskirche. Stephan Korte von der FDP im Ortsbeirat 1 spricht sich neben der Generalsanierung vor allem für eine zeitgemäße museumspädagogische Ausstellung aus, die aus der Paulskirche eine attraktive Sehenswürdigkeit macht.

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