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In den vergangenen Wochen wurden Flächen neben der Bahnstrecke von Sträuchern befreit, um Platz für zusätzliche Gleise zu machen.

550 Millionen für den Bahnausbau

Zusätzliche Gleise nach Friedberg: Neue Kostenschätzung liegt vor

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Der viergleisige Ausbau der Bahnstrecke von Frankfurt nach Bad Vilbel wird mehr als eine halbe Milliarde Euro kosten. Insgesamt wird sogar noch mehr Geld ausgegeben. Denn in der vom hessischen Wirtschaftsministerium genannten Summe sind die Planungskosten noch gar nicht enthalten.

In den vergangenen Wochen wurde am Bahndamm zwischen dem Frankfurter Westbahnhof und Bad Vilbel bereits eifrig gerodet. Die Bahn braucht Platz für zwei zusätzliche Gleise. Gestern wurden die Arbeiten beendet – von März an sind aus Naturschutzgründen keine Rodungen mehr zulässig.

Diese Vorbereitungen machen nur einen geringen Teil der Baukosten für den Ausbau der Main-Weser-Bahn nach Friedberg aus. Allein der erste Bauabschnitt verschlingt voraussichtlich 323 Millionen Euro. An dieser Schätzung aus dem Jahr 2015 hat sich nach Angaben des hessischen Verkehrsministerium nichts geändert, obwohl Minister Tarek Al-Wazir (Grüne) in einer Antwort auf eine Anfrage des FDP-Landtagsabgeordneten Jürgen Lenders von 249 Millionen Euro spricht. In diesem Betrag sind die Planungskosten nicht enthalten – und die machen einen erheblichen Anteil aus. Seit mehr als 15 Jahren wird an dem Projekt gearbeitet, mehrmals musste umgeplant werden – nicht zuletzt wegen der Klagen von Anwohnern.

Für den zweiten Bauabschnitt von Bad Vilbel nach Friedberg werden nach der vom Ministerium jetzt erstmals veröffentlichten Schätzung 301 Millionen Euro veranschlagt. Doch auch in dieser Summe sind keine Nebenkosten enthalten. Legt man den gleichen Anteil wie beim ersten Bauabschnitt zugrunde, ergeben sich Gesamtkosten von rund 390 Millionen Euro.

Für das Gesamtprojekt zwischen Frankfurt-West und Friedberg nennt das Ministerium eine Summe von 550 Millionen Euro einschließlich 42 Millionen Euro Risikozuschlag. Einschließlich Nebenkosten ergeben sich sogar 713 Millionen Euro. Diese Summe findet sich in der Antwort Al-Wazirs auf die Anfrage aber nicht.

Der Landtagsabgeordnete Jörg-Uwe Hahn (FDP) aus Bad Vilbel vermutet ohnehin, dass das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist. „Wir werden sehen, dass diese zwar sehr sinnvolle Maßnahme um einiges teurer werden wird“, schreibt der frühere Justizminister in einer Mitteilung. Das wird allein schon deshalb der Fall sein, weil in den genannten Zahlen kein Inflationsausgleich für die mehrere Jahre dauernde Bauzeit eingerechnet ist.

Derzeit wird nach Angaben des Verkehrsministeriums eine neue Wirtschaftlichkeitsuntersuchung erstellt. Zuschüsse aus dem Nahverkehrstopf des Bundes gibt es nur, wenn der Nutzen höher ist als die Kosten. Dem Vernehmen nach wird das auch in der neuen Untersuchung der Fall sein. Die Bürgerinitiative „Bahnane“ hingegen, die seit Jahren gegen den Ausbau kämpft, zweifelt angesichts der Kostensteigerung schon seit längerem, dass sich das Vorhaben unter Strich noch rechnet.

Sie bestreitet auch, dass es Baurecht gibt – und beruft sich dabei auf die Stellungnahme eines Anwalts und „interne Papiere von Bahn und Eisenbahnbundesamt“. Das hessische Verkehrsministerium jedoch sagt: „Für den ersten Bauabschnitt liegt seit 17. Januar 2013 bestandskräftiges Baurecht vor.“ Mit den Hauptbaumaßnahmen soll im September begonnen werden.

„Bahnane“ bezweifelt das. „Wir sind weiterhin fest davon überzeugt, dass wir große Chancen haben, dieses unsinnige Vorhaben aufzuhalten“, heißt es in der Einladung zu einer Informationsveranstaltung am 26. März. Der Bahn wirft die Initiative Einschüchterung der Bürger vor. „Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen“, empfiehlt sie den Grundstückseigentümern, die seit einigen Wochen Kaufangebote von der Bahn bekommen. „Sie können nicht einfach so enteignet werden. Ihr Grundstück gehört Ihnen.“

Eine Enteignung der rund 100 betroffenen Eigentümer ist auch gar nicht das Ziel der Bahn. „Wir kommen bei den Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern gut voran und haben schon etliche Vereinbarungen abgeschlossen“, sagte Gerd-Dietrich Bolte, Leiter Großprojekte Mitte bei der DB Netz AG. „Wir sind guter Dinge, dass wir die Gespräche zu einem guten Abschluss bringen, und gehen davon aus, dass der Baubeginn planmäßig im Herbst erfolgt.“

Laut Bolte plant die Bahn eine Informationsveranstaltung, in der den betroffenen Bürgern der Bauablauf erläutert werden soll. Ein Termin steht noch nicht fest.

Zur einer Informationsveranstaltung zum Bahnausbau lädt die Bürgerinitiative „Bahnane“ am Sonntag, 26. März, von 15 bis 18 Uhr in die Turnhalle des TV Eschersheim, Maybachstraße 4.  

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