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Zusammen gärtnern, zusammen wachsen

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Von: Judith Dietermann

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Die ersten Frühlingsboten: Bunte Blumen blühen jetzt in den kleinen Beeten auf dem Schulhof.
Die ersten Frühlingsboten: Bunte Blumen blühen jetzt in den kleinen Beeten auf dem Schulhof. © Walldorfschule

Zwölf Kinder aus der Ukraine besuchen jetzt die Freie Waldorfschule

Schubkarre um Schubkarre, beladen mit Holzschnitzeln, wird über den Schulhof der Freien Waldorfschule in der Friedlebenstraße gerollt. Frische schwarze Erde liegt in den kleinen Blumenbeeten, liebevoll pflanzen die Kinder und Jugendliche bunte Frühlingsblumen an, drücken die Zwiebeln mit Eifer aber gefühlvoll in die Beete.

Ein Nachmittag unter Freunden

Es ist der Gartentag der Schule, der in diesem Jahr ein ganz besonderer war. Denn es waren nicht nur bekannte Gesichter, die auf dem Schulgelände mit anpackten. Der Gemeinschaftstag wurde genutzt um die neuen ukrainischen Schüler und ihre Familien willkommen zu heißen. So sollen nicht nur die Pflanzen gemeinsam wachsen, sondern auch die Schüler.

Gerade erst vor dem Schrecken in ihrer Heimat geflohen, war das Pflanzen von Blumen und Stauden, das Schneiden von Hecken endlich ein Stück Normalität für die Kinder, die mit ihren Eltern aus der Ukraine geflüchtet sind. Mit viel Elan packten die Neu-Ankömmlinge mit den anderen Schulfamilien an. Schnell kam man sich beim Verschönern des Außengeländes näher, beim gemeinsamen Mittagessen saßen alle an einem Tisch, es wurde gequatscht und sich ausgetauscht. Wie eine große Familie. Die sich gut versteht. Und so gut es eben ging. Auch mit Händen und Füßen. "Unbeschwert", so beschreibt eine Vertreterin der Schule das Gefühl an diesem Nachmittag.

Unbürokratische Unterstützung

Bereits kurz nach Ausbruch des Krieges, als die ersten Bilder von fliehenden Müttern mit ihren Kindern zu sehen waren, hatte sich die Schule entschlossen, flüchtende Familien zu unterstützen. "Ganz unbürokratisch wollten wir schnell Kinder aufnehmen und Familien integrieren. Bis jetzt sind zwölf Mädchen und Jungen im Alter von 7 bis 14 Jahren in den entsprechenden Klassen angekommen. Und es dürfen mehr werden. Wir freuen uns sehr, dass die Schulgemeinschaft von Anfang an mit einer überwältigenden Solidarität dahinterstand und steht. Angebote von Wohnraum über Hilfe bei Behördengängen bis zu Sachspenden, es ist alles dabei", sagt Claudia Valentin Willecke, Mutter und zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Schule.

Besonders glücklich mache die Schulgemeinde, dass die neuen Mitschüler "sofort herzlich begrüßt" und unkompliziert in die jeweiligen Klassengemeinschaft aufgenommen worden seien. Binnen weniger Tage wurde sogar eine Tombola auf die Beine gestellt, um Geld für die neuen Freunde zu sammeln, sagt Carmen Konietzny, Lehrerin der ersten Klassen. Zwei der ukrainischen Kinder besuchen bereits ihre Klasse. Denn viel besitzen sie nicht mehr.

In den vielen praktischen Fächern der Freien Waldorfschule werden Sprachbarrieren leicht überwunden. Damit die Kinder schnell lernen, sich auf Deutsch zu verständigen konnte zudem eine Lehrerin im Ruhestand gewonnen werden, die bis zu den Osterferien jeden Morgen eine Stunde Deutsch unterrichtet. Ab den Osterferien sollen die Deutschkurse sogar ausgeweitet werden, optimalerweise von ebenfalls geflohenen ukrainischen Deutschlehrern.

25 Plätze schaffen

Bei der Aufnahme der Kinder arbeitet die Schule in Kooperation mit den "Freunden der Erziehungskunst" - mehr Infos dazu gibt es im Internet unter www.freunde-waldorf.de. Mit dem Ziel ist, nicht nur bis zu 25 Schulplätze zur Verfügung zu stellen, sondern den geflüchteten Familien auch Unterkünfte zu vermitteln. Ein Teil der aufgenommenen Kinder stammt aus ukrainischen Waldorfschulen, wie aus der Einrichtung in Kiew. Andere Kinder sind über Mitglieder der Schulgemeinschaft gekommen, die geflüchtete Familien bei sich aufgenommen haben.

Es gibt noch viel zu organisieren, und es wird mit Sicherheit herausfordernd sein in den nächsten Wochen - aber die Erleichterung der Mütter zu erleben, wenn sie ihre Kinder mittags strahlend in Empfang nehmen, sei alle Mühen wert, hört man aus der Schulgemeinde. Diese Mütter haben sich ihrer Kinder wegen auf den Weg aus ihrer Heimat gemacht. Für die meisten von ihnen war es keine leichte Entscheidung zu fliehen, viele empfinden Schuld, weil sie ihr Land, ihre Familien "im Stich gelassen" haben. "Es ist schön, ihnen das Gefühl geben zu können, dass Ihre Kinder an einem guten Ort aufgehoben sind", sagt Claudia Valentin Willecke. red

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