+
Coronavirus - Frankfurt am Main

Coronavirus

Zusammenstehen gegen das Coronavirus in Frankfurt: Jetzt ist Solidarität gefragt

  • schließen

Zusammenstehen gegen das Coronavirus. Solidarität in der Nachbarschaft und Tipps von der Polizei. 

Frankfurt -"Für mich wäre es tödlich, wenn ich mir das Coronavirus einfange", sagt Gabriel Galamb. Der 58-Jährige ist "Frührentner mit Handicaps", wie er über sich selbst sagt. Er leidet an einer chronisch obstruktiven Atemwegserkrankung, hatte einen Schlaganfall und wurde nach einer Sepsis im vergangenen Jahr an der Lunge operiert. Kurzum: Gabriel Galamb zählt zu der Risikogruppe, die sich nicht mit dem Coronavirus anstecken darf.

Für den Oberräder bedeutet das, dass er nun nicht mehr vor die Tür gehen kann. Er darf nicht einkaufen, nicht zur Apotheke, nicht ins Café. Besucher empfangen ist ebenfalls tabu. "Ich habe sogar meinem Physiotherapeuten und der Krankengymnastik abgesagt, aus Angst, mich mit dem Virus anzustecken."

Coronavirus in Frankfurt: Solidarität in der Nachbarschaft gefragt

Doch was tun, wenn man alleine lebt? Wenn Familie und Freunde nicht ums Eck wohnen? Denn irgendwann werden die Lebensmittel in den Vorratsschränken knapp, Medikamente müssen in der Apotheke besorgt werden. Mit diesen Nöten ist Gabriel Galamb nicht alleine. Deshalb gründen sich derzeit stadtweit viele Initiativen, um Menschen, die zur Risikogruppe zählen, sprich: ältere Menschen oder solche mit Vorerkrankungen, zu unterstützen, für sie einzukaufen, mit dem Hund Gassi zu gehen oder einfach nur, um zu reden - am Telefon versteht sich, denn persönliche Treffen sollen vermieden werden.

Die Solidarität ist groß. So hat sich etwa in Oberrad die Initiative "Alltagshelfer in der Nachbarschaft" gegründet, nachdem Gabriel Galamb in dem sozialen Netzwerk Facebook gefragt hatte, ob ihm jemand helfen könne. Mitinitiatorin ist Susanne Reichert. "Ich glaube, dass wir das jetzt nur zusammen schaffen und zusammenhalten müssen", erklärt sie ihr Engagement. Nach einem Aufruf bei Facebook hatte sie schnell Oberräder gefunden, die die Initiative unterstützen wollen. Wer Hilfe in dem Stadtteil benötigt, weil er aufgrund der Corona-Krise nicht mehr vor der Tür gehen darf, der soll sich telefonisch unter 0177/3443679 oder 01511/7272593 melden.

Coronavirus in Frankfurt: Initiative „Frankfurt gegen Corona"

Für den Riedberg und Kalbach hat sich das Familienzentrum Billabong etwas einfallen lassen: Die Mitarbeiter und freiwillige Helfer bieten weiterhin frisch zubereitete Suppen und Kuchen an, die sie nun aber zu Menschen, die Hilfe benötigen, nach Hause. Außerdem bieten sie an, einkaufen zu gehen, Rezepte in der Apotheke abzuholen oder einfach nur zu reden. Der Telefondienst ist unter der Woche von 9 bis 13 Uhr unter 98 95 77 95 zu erreichen.

Eine stadtweite Initiative heißt „Frankfurt gegen Corona", gegründet von drei Medizinstudentinnen. Sie haben in den sozialen Netzwerken Helfer gesucht - mit Erfolg. Schnell hatten sie 350 Unterstützer gefunden. Diese haben sich nun über den Nachrichtendienst Whatsapp in Stadtteil-Gruppen zusammengefunden. Jetzt müssen nur noch die Hilfesuchenden gefunden werden. Dafür sollen überall in der Stadt Flyer aufgehängt werden - in Supermärkten, Hausfluren, Apotheken und Arztpraxen.

"Unser Angebot richtet sich an ältere und vorerkrankte Menschen, die nicht mehr vor die Tür gehen sollen", sagt Mitinitiatorin Emily Laier. Gesunde Menschen, die aus übertriebener Sorge nicht mehr das Haus verlassen wolle, würden nicht dazuzählen. Doch wie wird gewährleistet, dass das Virus nicht unabsichtlich verbreitet wird? "Wer sich krank fühlt, soll keinen Auftrag annehmen", sagt Laier. Zudem solle man sich immer gründlich die Hände waschen und desinfizieren, keine Hände schütteln und einen Abstand von zwei Metern halten. Die Einkäufe sollen in Tüten vor die Tür gestellt, das Geld in einem Umschlag übergeben werden. "Wir müssen die Menschen schützen, ihnen aber gleichzeitig auch helfen. Das ist wichtig in dieser Zeit", so Laier. Wer Hilfe benötigt, kann sich melden zwischen 10 und 16 Uhr unter 01 57 721 48 2844.

Ebenfalls stadtweit, aber in Stadtteil-Gruppen aufgeteilt, agiert die Initiative "Solidarisch trotz Corona". Weitere Infos gibt's im Internet unter www.corona-soli-ffm.org.

Auch die Junge Union ist tätig geworden. Sie hat die Aktion "Einkaufshelden" ins Leben gerufen. Wer helfen möchte, kann sich unter www.die-einkaufshelden.de registrieren und erhält vermittelte Anfragen aus der Nachbarschaft. Hilfe-Suchende wenden sich ebenfalls an diese Internetseite.

Coronavirus in Frankfurt: Tipps der Polizei

Gabriel Galamb hat schon Hilfe angenommen - von der Oberräder Initiative "Alltagshelfer in der Nachbarschaft". Für ihn wurden Einkäufe im Supermarkt und der Gang zur Apotheke erledigt. "Das hat alles reibungslos funktioniert", sagt Galamb. "Ich freue mich riesig über diese Solidarität. Jetzt zeigt sich das Gute im Menschen." Julia Lorenz

Hilfe von fremden Menschen anzunehmen ist natürlich nicht ganz ungefährlich. Darauf weist die Polizei hin. "Grundsätzlich befürworten wir uneingeschränkt jede Art von sozialem Engagement und Hilfsangeboten. Gerade in dieser Zeit ist es wichtig, dass die Menschen füreinander da sind", sagt ein Polizeisprecher. Dennoch sei es denkbar, dass es Personen gibt, die die Unsicherheit oder Lage von Personen ausnutzen, um in betrügerischer Absicht zu handeln. Deshalb folgen nun Tipps für Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind:

- Bitten Sie grundsätzlich nur Personen um Hilfe, die Sie kennen und zu denen ein Vertrauensverhältnis vorliegt.

- Lassen Sie keine Fremden in Ihre Wohnung.

- Sprechen Sie Nachbarn, Freund und Verwandte an, so dass Sie nicht auf fremde Hilfe angewiesen sind.

- Sollten Sie das Gefühl haben, es könnte eine betrügerische Absicht vorliegen, zögern Sie nicht die Polizei zu kontaktieren. Schildern Sie den Sachverhalt, die Polizisten werden diesen bewerten, Maßnahmen einleiten und Ihnen Verhaltenstipps geben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare