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Start-up aus Frankfurt entwickelt einzigartigen Corona-Test

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Von: Thomas J. Schmidt

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Dr. Björn Rotter vom Frankfurter Start-up GenXpro an der Altenhöfer Allee hat ein PCR-Testverfahren entwickelt, das gleichzeitig das Coronavirus nachweisen kann und die vorliegende Variante. Normalerweise sind dafür zwei aufwendige Testschritte nacheinander notwendig.
Dr. Björn Rotter vom Frankfurter Start-up GenXpro an der Altenhöfer Allee hat ein PCR-Testverfahren entwickelt, das gleichzeitig das Coronavirus nachweisen kann und die vorliegende Variante. Normalerweise sind dafür zwei aufwendige Testschritte nacheinander notwendig. © Rainer Rüffer

Frankfurter Forscher entwickeln einen PCR-Test, der in einem Schritt sowohl Corona, als auch die Variante nachweist.

Frankfurt – PCR-Tests müssten keine Mangelware sein, sagt Dr. Björn Rotter, wissenschaftlicher Leiter des Biotech-Startups GenXPro im Frankfurter Innovationszentrum Biotechnologie in der Altenhöferallee. 2004 gegründet, arbeiten dort etwa 20 Mitarbeiter, meist Molekularbiologen und Chemiker. Spezialisiert sind sie auf Krebszellen. Die Forscher spüren komplexe Muster von RNA-Aktivitäten im Krebsgewebe auf, um Aussagen darüber treffen zu können, welche Medikamente bei welchen Patienten am meisten Wirkung entfalten. Und entwickeln gleich die passenden Tests.

„Wir sind auf RNA spezialisiert“, sagt Rotter, „und da Corona ein Retrovirus ist, eine RNA statt Genom hat, haben wir uns darum gekümmert.“ Heraus gekommen ist beispielsweise der erste kommerzielle Omikron-Test weltweit. Rotter legt jedoch Wert darauf: „Corona ist nicht unser Hauptfeld.“ Aber sie können eben auch Corona. Und das besser als manch andere. Denn während landauf, landab zwei Testschritte nacheinander gemacht werden, um zunächst festzustellen, ob eine Probe beim PCR-Test positiv ist und danach die Variante zu ermitteln, macht GenXPro aus Frankfurt alles in einem.

Corona-Test von Frankfurter Start-up: Sogar die Sub-Omikron-Variante wird erkannt

„Wir können sowohl testen, ob jemand Covid-19 hat, als auch, ob er Omikron hat und welche Omikron-Variante vorliegt“, so Rotter. Normalerweise, erklärt der Forscher, seien PCR-Tests bei Corona zweistufig. Im ersten Durchgang erkennen die Tester, ob eine Probe positiv ist. Dabei werden in jedem der marktgängigen Geräte 96 verschiedene Proben auf einmal getestet. Ein Durchlauf dauert rund eineinhalb Stunden. „Dabei erhitzt das Gerät die Proben und kühlt sie wieder ab. Das Ganze viele Dutzend Mal“, erläutert Rotter. Die PCR - polymerase Kettenreaktion - verdoppelt bei jedem Erhitzen die Menge des Erbgutes. Ist darin ein typisches Corona-Gen enthalten, verfärbt sich die Lösung - der Test ist positiv.

Doch um festzustellen, welche Variante vorliegt, muss der Test wiederholt werden: Eine zweite Probe des zuvor als positiv erkannten Patienten wird aus dem Kühlschrank gefholt, in eines der 96 „Töpfchen“ gefüllt, eine zweite Testsubstanz kommt hinzu, die auf ein anderes spezifisches Stück der Corona-Erbinformation reagiert - und nach weiteren eineinhalb Stunden steht fest, ob die Omikron-Variante vorliegt oder nicht.

Corona-Test aus Frankfurt enthält vier verschiedene Tests

„So läuft es bei nahezu allen Tests weltweit. Oft werden die Geräte gar nicht eingesetzt, um Corona zu identifizieren, sondern nur, um die Variante zu bestimmen“, berichtet Rotter. Dabei könnten seinen Aussagen zufolge alle marktgängigen Testgeräte beides zugleich tun. „Sie verfügen über vier Kanäle, und können vier Farben auslesen. Man könnte also in nur einem Durchgang sowohl erkennen, ob Corona vorliegt oder nicht, als auch, ob Omikron vorliegt und wenn ja, in welcher der beiden Varianten.“ Ursprünglich kam Omikron in der Variante „BA.1“ vor. „Inzwischen sind nur noch etwa 75 Prozent der Tests in dieser Variante, 25 Prozent sind Omikron der Variante BA.2.“

Kürzlich erst hat GenXPro seine Tests umgestellt, testet neben dem globalen Corona nur noch diese beiden Varianten. De facto, sagt Rotter, gebe es nur noch Omikron: „Die Delta-Variante ist inzwischen unter einem Prozent. Und die allererste besorgniserregende Corona-Variante, Alpha, gibt es praktisch gar nicht mehr.“

Ein Test von GenXPro enthält also vier verschiedene Tests: Corona, Omikron BA.1 und BA.2 und dazu eine Art Test-Test, der eventuelle Fehler in der Probe aufspürt, die zu falschen Resultaten führen könnten. Nach eineinhalb Stunden in der PCR-Testmaschine wissen die Labore das, was sie normalerweise erst nach zwei PCR-Durchläufen wissen.

Warum wird der Corona-Test aus Frankfurt nicht stärker genutzt?

Besonders umständlich ist es laut Rotter, die positiven Proben nach dem ersten Durchlauf unter tausenden von Proben wieder aus dem Kühlschrank zu suchen, um den zweiten Test durchzuführen. Würde man alles in einem Aufwasch erledigen, „ließe sich die Testkapazität stark erhöhen“, ist Rotter überzeugt. Dabei sei der Test seiner Firma nicht teurer als ein einfacher Corona-Test, koste je nach Stückzahl 5 bis 7 Euro.

Warum also wird er nicht stärker genutzt? Rotter zuckt mit den Schultern. „Wir sind jung am Markt. Die meisten Testlabore, viele von ihnen arbeiten am Limit, haben langjährige Beziehungen zu ihren Lieferanten.“ Hinzu komme, dass in seiner Firma viel mehr Naturwissenschaftler als PR-Profis arbeiten. „Wir sind einfach noch nicht so bekannt.“ Seine Tests exportiert GenXPro dennoch bereits in die ganze Welt. (Thomas J. Schmidt)

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