Harheim: Geldnöte

Zwei Bankunternehmen, ein Finanzpunkt

  • vonAnne-Rose Dostalek
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Stadtteilparlament kämpft weiter für eine Filiale oder einen Geldautomaten

Bankgeschäfte in fußläufiger Nähe zu erledigen - das gehört in Harheim der Vergangenheit an. Vor fünf Jahren hat die Frankfurter Volksbank ihre Filiale am Alten Kirchplatz im Ortsmittelpunkt geschlossen. Der letzte verbliebene Bankautomat im Postbank-Lädchen wurde 2018 abgebaut wegen "unterdurchschnittlicher Nutzung" . Bereits seit 2008 ist die Frankfurter Sparkasse weg.

Vorbild findet sich in Oberursel

Jetzt hat sich die SPD des Themas erneut angenommen und im Ortsbeirat den Antrag gestellt, dass der Magistrat mit der Frankfurter Volksbank und der Frankfurter Sparkasse 1822 Gespräche führen soll, ob nicht ein gemeinsam betriebener "Finanzpunkt" - so der Antrag - eingerichtet werden kann. Hintergrund ist, dass die Frankfurter Volksbank ihre Kooperation mit anderen Banken vorantreibt und unter der Marke Finanzpunkt entweder gemeinsame Filialen betreibt oder wenigstens einen Bankautomaten hinstellt. Auf solche erfolgreiche Kooperation von Frankfurter Volksbank und Taunusbank in Oberursel, etwa in den Stadtteilen Ober-Erlenbach, Oberstedten oder Bommersheim, verweist SPD-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Menges. Das könne doch als Modell für Frankfurter Stadtteile dienen, heißt es in dem einstimmig verabschiedeten Antrag des Stadtteilgremiums. In diesen Finanzpunkten der Partnerbanken sind die jeweiligen Mitarbeiter abwechselnd und tageweise zu normalen Öffnungszeiten vor Ort.

"Wer in Harheim Bankgeschäfte erledigen will, muss ins Auto oder den Bus steigen und nach Bonames, Nieder-Eschbach oder sogar nach Bad Vilbel fahren", klagt Menges. Das koste immer Zeit. Zudem fielen Kosten für Benzin oder ein Busticket an. Ältere Mitbürger, die nicht mehr Auto fahren oder Busfahrten unternehmen, kämen nur mit Hilfe von Familienmitgliedern, Nachbarn oder Freunden an ihr Geld. "Auch Stadtteile am Rand brauchen ein Mindestmaß an Infrastruktur", betont Menges. Er wolle nicht zu optimistisch sein, aber wenigstens ein Bankautomat wäre wichtig in Harheim.

Votum fiel einstimmig aus

Großen Optimismus, dass dieser erneute Vorstoß für eine bessere Infrastruktur in Sachen Bankgeschäften sorge, strahlte der Ortsbeirat nicht aus. Dennoch wurde der Antrag einstimmig angenommen. Ohne Diskussion. "Ich stimme dem Antrag der SPD zu und würde mich freuen, wenn er Erfolg hätte", erklärte Ortsvorsteher Frank Immel (CDU) . In der Sache selbst ist der Stadtteilpolitiker nicht sehr zuversichtlich. Zu gut erinnert sich Immel an die bislang alle erfolglos verlaufenen Gespräche mit Bankvertretern über den Verbleib der Filialen oder die negativen Magistratsauskünfte nach Vermittlungsbemühungen. Aber Banken seien nun einmal wirtschaftlich selbstständige Unternehmen, die nach betriebswirtschaftlichen Kriterien handelten. Doch mit Sorgen sieht auch Immel, dass die verbliebenen Bankfilialen in den nördlichen Stadtteilen Nieder-Erlenbach und Nieder-Eschbach vielleicht jetzt auch noch verschwinden oder ihre Öffnungszeiten verkürzt werden. Besonders dem Geldautomaten trauert er nach.

Jetzt bliebe nur der Einkauf beim Netto, dessen Mitarbeiter an der Kasse immer fragte, ob man mit seiner Bankkarte noch Bargeld abheben wolle. Anne-Rose Dostalek

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