Albrecht "Fribo" Fribolin und Kevin Bornath führen ihre CDU-Stadtbezirksverbände zusammen. Fribolin soll Bornaths Stellvertreter werden.
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Albrecht "Fribo" Fribolin und Kevin Bornath führen ihre CDU-Stadtbezirksverbände zusammen. Fribolin soll Bornaths Stellvertreter werden.

Kaum aktive Mitglieder

Zwei Frankfurter CDU-Verbände fusionieren

  • Holger Vonhof
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Stadtbezirke im äußersten Westen sind künftig unter einer Führung vereint

Eigentlich hätten beide Stadtbezirksverbände 2021 ihr 75-jähriges Bestehen feiern können. Jetzt wird es zum Jahr ihrer Fusion: Die CDU Sindlingen schließt sich der CDU Zeilsheim an. Der neue Stadtbezirksverband, wie die Ortsvereine bei den Christdemokraten heißen, wird künftig "CDU Zeilsheim-Sindlingen" heißen; für Mittwoch steht die konstituierende Mitgliederversammlung an, auf der Albrecht Fribolin, bislang Vorsitzender der Sindlinger CDU, zu einem Stellvertreter des Zeilsheimer CDU-Vorsitzenden Kevin Bornath gewählt werden soll.

Die Chemie stimmt

Beide Männer trennen mehr als 40 Jahre, aber sie verstehen sich gut. "Die Chemie stimmt", sagt Bornath. Fribolin (73) hatte den Vorsitz der Sindlinger CDU 1993 übernommen; Bornath (31) ist seit 2017 Vorsitzender des Zeilsheimer Stadtbezirksverbands: "Fribo ist der Konservative, ich bin eher der Progressive. Auch wenn wir nicht immer dieselben Vorstellungen haben, funktioniert die Zusammenarbeit menschlich gut." Im Gegensatz zu Fribolin, der die Parteiarbeit vor Ort seit Jahren ausschließlich mit Stadtbezirksvorsteher Dieter Frank und Ex-Ortsbeirat Patrick Stappert bestreitet, hat Bornath "etwa zehn Aktive, die mithelfen", wie er sagt. Die Sindlinger haben den Anschluss beantragt und sich schon im August intern dafür ausgesprochen; die Zeilsheimer haben darüber im Oktober entschieden, und jetzt hat der Kreisverband der Hochzeit seinen Segen gegeben.

35 Mitglieder hat die Sindlinger CDU noch - bei etwas über 9000 Einwohnern. "Es kommt leider Gottes nichts nach; darin unterscheiden wir uns nicht von anderen Vereinen", sagt Fribolin. Die Zeilsheimer sind fast doppelt so stark, haben 60 Mitglieder bei rund 12 500 Einwohnern. "Aber uns fehlt die Generation der 40- bis 60-Jährigen", sagt Bornath, der allerdings weiß, das auch die Zahl der Mitglieder unter 40 an ein paar Fingern abzuzählen ist.

Fribolin, der in der West-CDU als Ortsbeiratsmitglied für Sindlingen und Zeilsheim zuständig ist, weil keinem Zeilsheimer der Einzug ins Stadtteilparlament gelungen ist, wird dieses Amt weiter ausführen und sich auch um die Parteiarbeit im Stadtteil kümmern.

Entlastung an der Spitze

Entlastung verspricht er sich von der Zusammenlegung der Führung. "Wir werden die Arbeit zielgerichteter aufteilen", sagt auch Bornath, der als gebürtiger Zeilsheimer derzeit in Alt-Sindlingen lebt.

Die Stadtteile verbindet ihre Lage im äußersten Westen der Stadt Frankfurt ebenso die Zeilsheimer S-Bahn-Station, die wie der Zeilsheimer Aldi-Markt, die Märchensiedlung und die Friedenau eigentlich auf Sindlinger Gemarkung liegt. Früher haben sich die Kerbeburschen der Stadtteile am Bahndamm noch mit Dachlatten gegenübergestanden, heute überwiegt die Kooperation. "Außerdem sind sich Zeilsheim und Sindlingen strukturell ähnlich", sagt Bornath. Beispiele für CDU-Doppelverbände gibt es im Frankfurter Westen: Höchst und Unterliederbach sind seit Jahr und Tag vereint, Schwanheim und Goldstein seit jüngerer Zeit, auch mangels Masse. Der SPD geht es teilweise ähnlich, die Grünen kennen seit jeher nur den "Ortsbezirk West". Doch sie würden gewählt, "weil man die grüne Idee versteht", sagt Bornath. "Die Frage ist, wie wir uns einstellen auf diese veränderte politische Landschaft."

Feinmaschige Strukturen

Albrecht Fribolin glaubt, dass es auch bei CDU und SPD irgendwann nur noch einen West-Verband geben wird. Begeistert ist er davon nicht: "Kommunalpolitik lebt von den Leuten vor Ort." Auch Bornath schätzt "feinmaschige Strukturen", setzt darauf, neue Mitglieder zu gewinnen. Doch was wäre die Alternative zur Fusion gewesen? Fribolin zuckt mit den Schultern: "Auflösung." Holger Vonhof

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