1200 Kilometer

Zwei Frankfurter wagen sich mit Wasserstoff zur eRallye nach Frankreich

1200 Kilometer mit einem Wasserstoffauto über kurvige Straßen durch Frankreich – eine Herausforderung. Für den Kalbacher Dr. Jan Rosner und seinen Co-Piloten Patrick Weber ist bei ihrer ersten Teilnahme an der eRallye Monte Carlo Ankommen das Ziel.

„Es ist ein absolutes Abenteuer“, sagt Dr. Jan Rosner und lacht. „Die Aufgaben sind sehr knifflig.“ Rosners Job ist es, den Toyota Mirai mit der Startnummer 19 fünf Tage (beziehungsweise Nächte) lang über 1200 Kilometer durch Frankreich zu steuern, von Nevers bis Monaco. Neben ihm sitzt als Co-Pilot und Navigator der erfahrene Oldtimer-Rallye-Fahrer Patrick Weber.

Die beiden nehmen seit Mittwoch an der eRallye Monte Carlo teil, also einer Rallye, zu der nur 100-prozentige Elektro-Fahrzeuge beziehungsweise solche mit Wasserstofftechnologie zugelassen sind. Organisiert wird die eRallye wie die original „Monte“ vom Automobil-Club de Monaco.

Zwar gibt es schon seit dem Jahr 1995 eine Ausgabe für elektrische Fahrzeuge, doch in der aktuellen Form handelt es sich um die dritte Auflage der eRallye. Die 40 Teilnehmer kommen überwiegend aus Frankreich. Rosner und Weber sind die einzigen Deutschen, die sich auf die Strecke mit vielen kurvenreichen Bergetappen gewagt haben. „Bei den Fahrerbesprechungen wird fast nur französisch gesprochen“, erzählt Rosner. Das erschwere allerdings einigen der Nicht-Franzosen das Verständnis.

Der Toyota Mirai, den Rosner und Weber fahren – zu ihrem Team gehört zudem Sonja Ackermann, die sich um Service, Transport und Kommunikation kümmert –, wird von einer Brennstoffzelle angetrieben, die Wasserstoff in elektrische Energie für den Motor umwandelt. „Von den 40 Teilnehmern haben nur sechs Wasserstofffahrzeuge“, sagt Jan Rosner. „Unser größtes Problem ist das Tanken, denn in ganz Frankreich gibt es nur zwei Wasserstofftankstellen, und die sind in Paris. Daher hat der Veranstalter eine mobile Tankstelle organisiert.“ Die Betankung dauere mehrere Stunden. „Wir müssen sehr sparsam mit dem Wasserstoff umgehen“, betont Rosner.

Das Hobby des Kalbachers ist eigentlich Ausdauersport. Aber er ist auch an Rallyes interessiert und ein Fan seines E-Autos, eines BMW i3. „Ich fahre den Wagen mit Begeisterung“, sagt er. An einer eRallye in dieser Größe und Anforderung hat der 60-Jährige bisher ebenso wenig teilgenommen wie Patrick Weber (55). Aber: „Patrick ist Profi im Oldtimer-Rallye-Sport.“ Er hat in diesem Jahr bereits an acht Rallyes teilgenommen und bietet Oldtimer-Rallye-Trainings an, über die ihn Rosner kennengelernt hat.

„Es ist der größte Traum jedes Rallyesportlers, mal an der Rallye Monte Carlo teilzunehmen“, sagt Rosner. Da sich diese Gelegenheit bei der original „Monte“ nur den allerwenigsten bietet, sei die eRallye eine Möglichkeit, dabei zu sein.

„Die Aufgaben, die uns gestellt werden, sind sehr knifflig. Es geht nicht darum, schnell zu fahren, sondern einen bestimmten vorgegebenen Schnitt einzuhalten. Für jede Zehntel-Sekunde Abweichung gibt es Strafpunkte“, erzählt Rosner. „Es kann zudem sein, dass während der Prüfung der Schnitt noch einmal verändert wird.“ Um ausreichend Konzentration zu ermöglichen, müsse im Auto absolute Ruhe herrschen. Die 1200 Kilometer lange Strecke ist in fünf Etappen aufgeteilt. Die erlaubte Fahrzeit reicht von viereinhalb bis zu elf Stunden pro Etappe. Die letzte Tour am heutigen Samstag verspricht eine besondere Herausforderung, denn sie findet bei Nacht statt: Start wird um 21 Uhr sein, die Ankunft ist für 1.30 Uhr geplant.

Dass Rosner und Weber in dem Toyota Mirai unterwegs sind, hat sich über Rosners Mitgliedschaft in der hessischen „H2BZ-Initiative“ ergeben, die den Wagen stellt. Sie vereint Unternehmen, Hochschulen und Privatpersonen, die sich für die Förderung und Weiterentwicklung der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie einsetzen. Unterstützt wird die Initiative von der Landesenergieagentur, die unter dem Dach der Hessen-Agentur – einer landeseigenen Gesellschaft – tätig ist. „Der Toyota wurde von der Initiative beschafft, um ihn der Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, sagt Oliver Eich, Leiter der Geschäftsstelle der „H2BZ-Initiative“. So könne er über den Carsharing-Anbieter „Book-n-drive“ gebucht werden. Klar, dass die Initiative sich von der Rallye-Teilnahme einen Werbeeffekt erhofft.

Zwar hätten sich Rosner und Weber eine etwas bessere Platzierung gewünscht – für einen vorderen Platz wird es wohl nicht reichen. Rosner: „Aber Hauptsache, wir waren dabei und kommen an.“

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