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Endspurt: An der Neckermannbrücke auf der Hanauer Landstraße wird zurzeit wird an südlichen Stützmauer gebaut.

Instandhaltung

Zwei Jahre Stau sind bald vorüber - 91 weitere Brücken werden bis 2022 in Frankfurt saniert

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482 Brücken muss Frankfurt warten. 91 stehen derzeit zur Reparatur oder Erneuerung an. Acht Millionen Euro investiert die Stadt pro Jahr – auch weil Ausbesserungen in früheren Jahren versäumt worden waren.

Frankfurt - Brücken gelten als Schwachstellen der Infrastruktur. In Frankfurt sind die meisten in ganz gutem Zustand. Wo nicht – wie bei der Neckermannbrücke an der Hanauer Landstraße –, werden sie erneuert.

Autofahrer haben sich zwei Jahre lang über die Staus verursachende Verengung der Pendlerstrecke und das Tempolimit von 30 Stundenkilometern geärgert: Verschlissen war die Neckermannbrücke, eine Überführung der Hanauer über die Gleise der Straßenbahn, so benannt nach dem unweit gelegenen einstigen Firmensitz des Kaufhauses. Eineinhalb Jahre dauern inzwischen die Bauarbeiten. Derzeit wird noch eine Stützwand stadtauswärts errichtet. Danach müssen Leitungen verlegt und die Oberflächen wiederhergestellt werden. Im Mai, schätzt das Amt für Straßenbau und Erschließung, kann der stadtauswärts führende Geh- und Radweg und Teile der Straße wieder hergestellt werden.

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Rund 140 000 Brücken gibt es in Deutschland. Viele stammen aus den 60er und 70er Jahren, müssen ersetzt werden. Wie die Schiersteiner Brücke über den Rhein, deren Sperrung vor einigen Jahren Verkehrschaos zwischen Mainz und Wiesbaden auslöste. Für viele Brücken im Bundesgebiet sind Begrenzungen für das Gewicht der Lastwagen und der Geschwindigkeit eingeführt worden. Brücken erhalten ist teuer und wurde über Jahrzehnte vernachlässigt. Hessen Mobil wird im laufenden Jahr das Nordwestkreuz erneuern müssen. Und auch die Kommunen haben Lasten in den Büchern. Wie ist die Lage in Frankfurt?

Frankfurt: 482 städtische Bauwerke

In der Stadt gibt es 482 Brücken und Ingenieurbauwerke. In der laufenden Erhaltungsphase – sie begann 2017 und endet 2022 – stehen 91 von ihnen auf dem Arbeitsplan der Bauarbeiter und Ingenieure. Acht Millionen Euro hat das Amt für Straßenbau und Erschließung dafür jährlich zur Verfügung. Hinzu kommen drei Millionen Euro für Neubauten, unabhängig vom Budget für die Einzelprojekte.

Aktuell arbeitet das Amt auch noch an der Stützwand in Berkersheim (die Berkersheimer Untergasse ist teilweise noch gesperrt) und erneuert die alte Holzbrücke, die zum Bad in Eschersheim führt. Hier entsteht eine Metallbrücke für Fußgänger. Ein dauerhaftes Ärgernis nimmt hoffentlich auch bald Abschied: Das Amt hat die Erneuerung der Aufzüge am Eisernen Steg auf der Agenda.

In nächster Zeit stehen noch weitere Baumaßnahmen an. So wird die alte Lahmeyerbrücke über die Hafenbahn erneuert und die Brücke an der Camberger Straße im bereits zweiten Bauabschnitt repariert. Als nächstes stehen auch noch die Grundinstandsetzung eines Teils am Miquel-Knoten an, ebenso von drei Brücken in der Nordweststadt und die Instandsetzung der kleinen Rad- und Fußwegbrücke in Höchst über den Liederbach (Gebeschussstraße).

„Bei den wenigsten Bauwerken herrscht akuter Handlungsbedarf“, beruhigt Michaela Kraft, die Leiterin des Amts für Straßenbau und Erschließung. „Einen Großteil der Bauwerke müssen wir auch aus wirtschaftlichen Gründen instand setzen, um teure Folgeschäden zu vermeiden bzw. um die Verkehrssicherheit auch in Zukunft gewährleisten zu können.“ Es handelt sich also bei den 91 Reparaturbrücken großteils um Routineeingriffe. Wie beim Auto, wenn im Rahmen der Inspektion Verschleißteile ersetzt werden.

Brücken in Frankfurt: Was alles kaputtgehen kann

Es gibt typische Probleme im Brückenbau. Bei Betonbauwerken sind dies meist korrodierte Bewehrungsstäbe, die oberflächennah im Beton liegen. Rost, bewirkt eine Vergrößerung der Stahlteile. Sie quellen auf und können den umgebenden Beton zum abplatzen bringen. Hauptproblem bei Stahlbauwerken ist somit die Korrosion des Stahls.

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Viele andere Bauwerke haben Probleme mit den Übergangskonstruktionen, dem Fahrbahnbelag und den Betonstreifen zwischen Geländer und Fahrbahn. Diese sogenannten Kappen müssen abgetragen, der Stahl saniert, das Beton neu gegossen werden. Oft sind auch die Schutzplanken und Geländer angerostet. „Es handelt sich“, betonte Kraft, „um Verschleißerscheinungen, die sich beheben lassen.“ Je früher diese Instandsetzungen erfolgen, um so weniger wirklich teure und gefährliche Schäden treten auf.

Normale Routine ist eine Sichtprüfung an jeder Brücke alle drei Jahre und eine gründlichere Untersuchung alle sechs Jahre.

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