Kennengelernt haben sich Lena Schumacher und Tim Evers (beide 18) während des Stadtteil-Botschafter-Stipendiums der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Hier posieren sie mit der Erstausgabe ihres Magazins Oldschool.
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Kennengelernt haben sich Lena Schumacher und Tim Evers (beide 18) während des Stadtteil-Botschafter-Stipendiums der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Hier posieren sie mit der Erstausgabe ihres Magazins Oldschool.

Zeitschrift

Zwei junge Leute aus Frankfurt mögen es ganz oldschool

  • vonEnrico Sauda
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Ein neues Magazin aus dem Nordend ist alles, nur nicht altmodisch. Die erste Ausgabe handelt von Liebe und Sex - und es gibt sie nur in einer einzigen Vertriebsform.

Frankfurt. Dass Oldschool nicht gleich old fashioned - also altmodisch oder althergebracht - ist, zeigen Lena Schumacher und Tim Evers. Denn die beiden jungen Leute haben mit vielen anderen die periodisch erscheinende Zeitschrift "Oldschool" produziert und veröffentlicht. Seit Kurzem ist sie im Handel zu haben. "Die Idee dazu ist im Rahmen des Stadtteil-Botschafter-Stipendiums der Stiftung Polytechnische Gesellschaft entstanden", sagt die 18-jährige Lena. "Ich bin jetzt dort Stadtteilbotschafterin", sagt sie. "Und ich war's davor", wirft Tim ein, ebenfalls 18 Jahre alt wie Lena, die im Nordend wohnt.

Wo es das Heft jetzt gibt

Während sie Mathematik studiert, nimmt Tim sich eine Auszeit und widmet sich unterschiedlichen Projekten. Kennengelernt haben sie sich während eines anderen Programms bei der Stiftung. Die erste Oldschool-Ausgabe hat als Titelthema "Liebe und Sexualität". Zu haben ist das Heft am Oeder Weg bei der Buchhandlung "Weltenleser" und in der Karl-Marx-Buchhandlung an der Jordanstraße in Bockenheim.

Oldschool - der Name ist Programm, denn es gibt nur das Papierformat. Es gibt keine Online-Ausgabe, kein E-Paper. "Normalerweise sind wir alle auf Social Media unterwegs. Aber gerade in dieser Zeit, in der wir uns alle nicht treffen können, ist es echt cool, ein solches Heft in der Hand zu halten", sagt Tim. Papier ist wieder in. Auch in dieser Generation. "Das Heft kostet nichts, aber wir freuen uns über eine Spende in Höhe von vier bis sechs Euro", sagt Lena.

Im Dezember und Januar werkelten sie an der Erstausgabe. "Wir haben bei jeder Ausgabe ein Leitthema - und weil diese im Februar erscheint und der Valentinstag in diesem Monat liegt, hat das gepasst", argumentiert Tim. "Liebe und Sexualität - das sind große, wichtige Themen bei Jugendlichen und jungen Menschen, deshalb haben wir uns dazu entschieden, damit anzufangen", so Tim weiter.

Kiez und Kommerz

So erfahren die Leser, "was es mit einem macht, mit Bildern von Sixpacks umgeben zu sein" und "wie junge Männer sich und ihren Körper akzeptieren". Außerdem geht es um einen 18-jährigen Homosexuellen, der in ständiger Angst lebt, bei seiner Familie aufzufliegen. Aber Oldschool behandelt auch Themen wie Kiez oder Kommerz, sie stellen SPD-Mann Kevin Kühnert vor und erklären, wie man sich bei einer Polizeikontrolle verhält, um keinen Ärger zu bekommen.

"Wir wollen alle zwei Monate mit einer neuen Ausgabe erscheinen", kündigen die beiden an, die mit ungefähr 25 anderen "alles drangesetzt haben, um ein außergewöhnliches Magazin herauszubringen". So steht's im Vorwort zu lesen und gelungen ist ihnen das.

Unterstützung von Professoren

Um die Mitarbeiter zusammenzubekommen, sprachen sie Freunde und Bekannte an, gingen aber auch in Universitäten, sprachen Professoren an, die dann die Anfrage an die Studierenden weitergaben.

"Wir waren an der Hochschule in Darmstadt und an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach", erzählt Tim. "Außer unseren Freunde kennen wir niemanden aus der Redaktion. Das Layout-Team haben wir noch nie persönlich getroffen", schildert Tim wie es ist, in Zeiten von Corona und Pandemie ein solchen Projekt zu stemmen. "Wir suchen auch immer noch Leute, die Lust haben, mitzuarbeiten - bis 25 wäre super. Aber es ist alles ehrenamtlich", sagen die beiden.

"Wir wollen das Magazin weiter ausbauen, weil wir denken, dass es eine Zukunft hat", ist sich Tim sicher. Die zweite Ausgabe ist schon in der Mache. Das Thema noch Verschlussache. Zu den Aufgaben der Blattmacher gehören nicht nur die Recherche, das Fotografieren, das Organisieren und das Schreiben, sondern auch Klinkenputzen müssen sie. Es gab zwar ein Startkapital und sie sammelten Spenden. So kommen sie - bisher - ohne Werbung aus. Und die erste komme gut an, mehr als die Hälfte der 500 produzierten Hefte ist weg.

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