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Zwei kleine Bären entdecken die Welt

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Von: Judith Dietermann

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Vorsichtig machen die kleinen Brillenbären Manu und Suyana ihre ersten tapsigen Schritte auf der Außenanlage im Frankfurter Zoo. Mutter Cashu bleibt im Hintergrund, hat aber alles im Blick.
Vorsichtig machen die kleinen Brillenbären Manu und Suyana ihre ersten tapsigen Schritte auf der Außenanlage im Frankfurter Zoo. Mutter Cashu bleibt im Hintergrund, hat aber alles im Blick. © BERNDKAMMERER@GMX.NET (Presse- und Wirtschaftsdienst)

Die drei Monate alten Brillenbären Manu und Suyana haben ihren ersten öffentlichen Auftritt mit Bravour bestanden – gestern durften die beiden zusammen mit ihrer Mutter Cashu erstmalig auf die Außenanlage im Frankfurter Zoo. Die Zwillinge sind die ersten gemeinsamen Kinder des Bärenpaares Cashu und Nobody, die seit 2013 in Frankfurt leben.

Langsam und vorsichtig steckt Suyana ihre kleine, braune Nase durch den Vorhang und blickt mit ihren großen, braunen Kulleraugen nach draußen. Dann schiebt das drei Monate alte Brillenbär-Mädchen die linke Pfote nach vorne, dann die rechte – bis sie mit allen vier Tatzen auf dem Steinboden steht. Sie steckt die Nase in die Luft und blickt nach hinten zur Höhle, dort wo ihre Mama Cashu steht und alles im Blick hat. Wenige Sekunden später traut sich auch Suyanas Bruder Manu aus der Höhle, Schritt für Schritt tapst er seiner Schwester hinterher.

Es ist der erste öffentliche Auftritt der am 14. Januar im geborenen Brillenbär-Zwillinge. Schon seit zwei Wochen hätten die beiden Mini-Raubtiere gezeigt, dass sie die Höhle verlassen und die Welt entdecken wollen, sagt Zoodirektor Miguel Casareas.

Suyana und Manu sind die ersten gemeinsamen Jungtiere des Brillenbärenpaars Cashu und Nobody, die seit 2013 gemeinsam im rund 3000 Quadratmeter großen Ukumari-Land im Zoo leben. Für die 15-Jährige Cashu ist es bereits der dritte Wurf – ihr erstes Jungtier bekam sie 2007 im Zoo in Zürich, ehe sie schwanger an den Main kam, wo am 25. Dezember 2013 die Zwillinge Tupa und Sonco zur Welt brachte. Auch Nobody ist schon Papa – 2011, 2012 und 2013 wurde sein Nachwuchs in Frankreich geboren.

Mutiges Mädchen

Rund vier Kilogramm schwer sind die putzigen Geschwister mittlerweile. Schritt für Schritt, Zentimeter für Zentimeter wagen sie sich bei ihrem ersten Ausflug nach vorne. Dabei ist Suyana ihrem Bruder stets einen Schritt voraus. Das erkennt Daniel Höflich, stellvertretender Revierleiter, sofort. Er kennt die kleinen Bären quasi von Geburt an, schon ein Blick reicht ihm deswegen, um die beiden zu unterscheiden. „Das erkenne ich an der Kopfzeichnung. Deswegen wusste ich auch sofort, dass das Mädchen heute mutiger war und zuerst seine Nase auf die Außenanlage gesteckt hat“, sagt der Experte.

Mehrere Tage würde es jetzt dauern, bis Manu und Suyana mutiger werden und die Außenanlage nach und nach entdecken, sagt Höflich. Dort sind die Bäume gut geschützt vor den Zwillingen. Während ihre Eltern erfahren und vorsichtig sind, würde der Nachwuchs mit seiner Neugier und seiner Kraft, die die beiden Bären noch nicht einschätzen könnten, zerstören. Denn Brillenbären lieben Bäume, zu gerne klettern sie an ihnen hinauf. Deswegen steht mitten im Ukumari-Land, das sich die kleine Familie mit den Brüllaffen, Ameisenbären und Wildhunden teilt, auch eine große Platane.

Vor allem Cashu mag es in den Wipfel zu klettern und sich auf einem dicken Ast niederzulassen. Einmal habe sie sogar ein Vogelnest heruntergeholt und verspeist. Denn Brillenbären sind Allesfresser. Fleisch bekommen sie im Frankfurter Zoo trotzdem nicht – dort beschränkt sich die Ernährung auf vegetarische Kost: Obst und Gemüse wie Mais, Mohrrüben, Ananas oder Melonen.

Hauptnahrungsmittel für die Zwillinge ist allerdings noch die Milch von Mama Cashu – ungefähr ein Jahr lang werden die Kleinen gesäugt. Eine der Hauptaktivitäten in den ersten Lebenswochen, neben dem Schlaf. Eine Zeit, die für die Mutter-Kind-Bindung enorm wichtig sei, betont Zoodirektor Miguel Casares, deswegen haben man sie in dieser Zeit auch gänzliche in Ruhe gelassen. Dass es den kleinen Bären gut ging, habe man nur durch Fieps-Geräusche erkennen können.

Wie gut es ihnen geht und wie prächtig sich die Bären-Kinder entwickelt haben, zeigt ihr erster Ausflug. Schnell werden sie mutiger, schnüffeln über den Boden und spielen hinterm Vorhang Verstecken. Doch der Spaß ist vorbei, als Cashu ihre Babys wieder rein schickt. Auch wenn die 15-jährige Bärin eine erfahrene Mutter ist, so ist sie doch sehr vorsichtig. Nichts soll ihrem Nachwuchs passieren.

Trennung von Nobody

Deswegen ist es auch gut, dass Papa Nobody jetzt getrennt lebt. Zwar würde er den Kleinen nichts tun, davon ist der Zoodirektor überzeugt. Allerdings würde seine Anwesenheit Cashu nervös machen, was sich negativ auf die Jungtiere auswirken würde. Deswegen muss Nobody aus sicherem Abstand dabei zusehen, wie Manu und Suyana in den nächsten Wochen über das große Außengelände tollen, mit ihren Nasen durch das Gras fahren, die Krallen an den Bäumen kratzen und sich nach und nach zu den neuen Stars im Zoo entwickeln.

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