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Seite an Seite: Christine Heinrichs und Arno Börtzler stehen im Kaisersack, einem der Brennpunkte des Bahnhofsviertels.

Arno Börtzler und Christine Heinrichs leiten den Regionalrat des Quartiers

Zwei Köpfe für das Bahnhofsviertel

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Menschen im Frankfurter Bahnhofsviertel vernetzen, Präventionsarbeit leisten, Probleme erkennen und auf ihre Lösung hinwirken – Arno Börtzler und Christine Heinrichs haben in der nächsten Zeit viel zu tun: Sie sind die Vorsitzenden des neu gegründeten Regionalrats Bahnhofsviertel.

Das Bahnhofsviertel gilt manchen Menschen, die schon in Großstädten wie Berlin, London oder Paris gelebt haben, als einzig wirklich urbaner Stadtteil der Mainmetropole. Weil dort das Rotlichtquartier und die Drogenszene, aber auch viele Szenebars, Hotels und Läden ihren Platz haben, ist das Interesse der Medien am Bahnhofsviertel von jeher riesig. Da überraschte die Nachricht, dass zu den Vorsitzenden des neuen Regionalrats Bahnhofsviertel keine allseits bekannten Menschen gewählt wurden, sondern ein Lehrer und eine Sozialpädagogin.

Der Lehrer, der bei der Gründungsversammlung am Montag einstimmig zum Vorsitzenden des Präventionsgremiums bestimmt wurde, heißt Arno Börtzler. Er ist 61 Jahre alt, lebt erst seit August im Bahnhofsviertel, unterrichtet dort aber schon seit 20 Jahren in der Weißfrauenschule. Börtzler nimmt es mit Humor, wenn er auf seine Ähnlichkeit mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier angesprochen wird – eine Prise Frohsinn kann ihm in seinem neuen, naturgemäß kommunikativen Ehrenamt sicher nicht schaden.

Die „Netzwerkarbeit“ fällt Börtzler, nach seinen wichtigsten Aufgaben im Regionalrat befragt, als erstes ein: Er will den Kontakt mit den Menschen pflegen, die im Bahnhofsviertel leben und arbeiten, aber auch den Kontakt mit bereits bestehenden Gruppen wie zum Beispiel der „Montagsrunde“. So sollen „Brennpunkte“ im Stadtteil identifiziert und schnell Maßnahmen zur Verbesserung des Lebens- und Sicherheitsgefühls in die Wege geleitet werden können.

Für Börtzler, der in einem 220-Einwohner-Dorf in der Nähe von Kaiserslautern aufwuchs, ist das Bahnhofsviertel „im Grunde auch so etwas wie ein Dorf: klein und überschaubar, und jeder kennt jeden“. Dass der neue Regionalratschef bereits jetzt gut vernetzt ist, hat nicht nur mit seinem Wirken in der Weißfrauenschule und deren Personalrat zu tun. Börtzler arbeitet seit etwa 2005 in der „Werkstatt Bahnhofsviertel“ mit, deren Mitglieder einmal im Monat zusammenkommen und über Entwicklungen im Stadtteil beraten.

Den Rauschgifthandel am Hauptbahnhof, der im Herbst und Winter zu etlichen Gegenmaßnahmen und letztlich auch zur Gründung des Regionalrats Bahnhofsviertel führte, habe er für sich selbst nicht als bedrohlich empfunden. Nach den Beschwerden habe er die „Brennpunkte“ der Szene aber bewusst aufgesucht und Verständnis dafür entwickelt, dass sich viele Menschen in ihrem Sicherheitsgefühl beeinträchtigt sahen. „Es war klar, dass hier Aktivität nötig ist.“ Börtzler möchte sich aber auch für Kinder und Familien im Stadtteil engagieren und hat dazu schon eine Arbeitsgruppe gegründet.

Mit Christine Heinrichs, die einstimmig zur stellvertretenden Vorsitzenden des Regionalrats gewählt wurde, arbeitet Börtzler schon seit vielen Jahren in der „Werkstatt Bahnhofsviertel“ zusammen. Die beiden schätzen aneinander, dass sie „sehr sachlich und bodenständig“ sind und es verstehen, Menschen in abgehobenen Diskussionen wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzubringen.

Christine Heinrichs, 57 Jahre alt, ist einigen Frankfurter als Bereichsleiterin beim „Frankfurter Verein für soziale Heimstätten“ bekannt. Der Verein mit Sitz im Bahnhofsviertel ist einer der größten Träger der Sozialarbeit in der Stadt und organisiert so bekannte Angebote wie den Kältebus und die Winterübernachtung für Wohnsitzlose.

Heinrichs, die in Bornheim aufwuchs und dort noch heute lebt, kennt das Bahnhofsviertel aus langjähriger beruflicher Erfahrung. Bereits in den 80er Jahren war sie in den Straßen als Sozialarbeiterin unterwegs und suchte Suchtkranke auf. Im Laufe der Zeit hat sie nach eigenen Worten „viele Einblicke in die Komplexität gewisser Problemlagen“ bekommen. Dass Wissen darum, dass es manchmal keine schnelle Lösung gibt, sondern geduldig und beharrlich an der Verbesserung einer Situation gearbeitet werden muss, dürfte ihr im Bahnhofsgebiet nutzen.

Der Regionalrat Bahnhofsviertel wird sich voraussichtlich alle zwei Monate an verschiedenen Orten im Stadtteil treffen. Die nächste Sitzung ist für März geplant.

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