Bunte Brücken für die Menschenwürde

Zwei Künstler und 30 junge Flüchtlinge haben mit greller Farbe ein Zeichen gesetzt

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„Ich wollte unbedingt etwas tun, um auf die Situation Geflüchteter aufmerksam zu machen“, sagt der Künstler Philipp Schäfer. Herausgekommen ist Straßenkunst in der Kleyerstraße.

Die grellgelbe Farbe für den Schriftzug hat sich die junge Künstlergruppe in der Kleyerstraße bewusst ausgesucht: „Das ist eine Signalfarbe, die sich besonders deutlich vom grauen Beton abhebt“, sagt Öguz Sen. Denn die Schrift muss auffallen – vor allem für vorbeirauschende Autofahrer. „Würde“ steht auf der einen, „Menschen“ auf der anderen Brückenwand. Dahinter ist jeweils eine angedeutete Weltkarte zu entdecken.

Insgesamt drei Tage lang hat die Jugendkulturwerkstadt Falkenheim im Kunstprojekt „Bunte Brücken für das Gallus“ zusammen mit Geflüchteten, den beiden Künstlern Öguz Sen und Philipp Schäfer sowie Studenten der Fachhochschule Frankfurt, heute University of Applied Sciences, in einem Workshop an den Entwürfen und ihrer Street Art gearbeitet.

„Viele Geflüchtete haben die Erfahrung gemacht, dass die Menschenwürde in ihrer Situation verloren gehen kann“, sagt Vera (28), Studentin an der Fachhochschule, die zusammen mit dem Äthiopier Bruck (33) den letzten Abschnitt des Kunstwerks mit mehreren Buchstaben bemalt hat. Insgesamt 30 Geflüchtete haben sich an der Aktion beteiligt. „Ich wollte gerne etwas tun, um auf die Situation der Geflüchteten aufmerksam zu machen“, sagt der Künstler Philipp Schäfer. Als im Jahr 2015 die Fotos von vielen Menschen in Schlauchbooten um die Welt gingen, kam ihm die Idee für sein Projekt.

Und natürlich ging es auch darum, eine graue und etwas triste Betonbrücke im westlichen Gallus zu verschönern. Schäfer konnte für diese Aktion insgesamt 4000 Euro einwerben, die von der Anne-Frank-Stiftung und der Citoyen-Stiftung kamen. Es ist bereits die zweite Kunstaktion dieser Art, die Schäfer im Stadtteil initiiert hat: Denn schon im Juli 2017 bemalten geflüchtete Jugendliche mit drei Street-Art-Künstlern die Autobahnbrücke der A 5 am Griesheimer Stadtweg, die das Gallus und Griesheim trennen.

Auch damals tüftelten die Jugendlichen, unter denen auch drei Frauen waren, in einem mehrtägigen Workshop an einem allerdings eher abstrakten Brückenkunstwerk. Und da Schäfer selbst als Dozent an der FH arbeitet, konnten sich die Studenten den Kurs im vergangenen und in diesem Jahr als Praktikum in seinem Seminar „Kunst und Demokratie“ anrechnen lassen. „Dann wurde Petra Väth auf unser Projekt aufmerksam und meinte, wir könnten das doch an einer weiteren geeigneten Stelle im Gallus zusammen machen“, sagt Schäfer. Worauf man die Brücke ausgesucht und das Fördergeld beantragt habe.

„Ich möchte weitere Kunstprojekte dieser Art verwirklichen und hoffe nun auf eine Genehmigung am Orange Beach“, sagt Schäfer. An der Main-Neckar-Brücke musste man ihm wegen Sanierungsarbeiten zunächst eine Absage erteilen. Zunächst aber soll die Eisenbahnbrücke in der Kleyerstraße am 30. September eingeweiht werden. „Und wenn die Autofahrer unter der Brücke in wenigen Sekunden den Schriftzug wahrnehmen, dann werden sie vielleicht kurz innehalten und sich das Kunstwerk bei nächster Gelegenheit etwas ausführlicher anschauen“, hofft Künstler Sen.

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