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Durchnummeriert und vergittert sind die Haftblöcke in der JVA in Preungesheim. Hier legte der Angeklagte ein Feuer.

Prozess

Zweieinhalb Jahre mehr: Wegen Zuhälterei Verurteilter steckte Zelle in Brand

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Insgesamt zehn Jahre muss er jetzt noch brummen: Wegen Brandstiftung in seiner Zelle ist ein langjährig Inhaftierter am Donnerstag vom Amtsgericht zu weiteren zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Acht Jahre Haft wegen Zuhälterei im Kreuz und dann auch noch die langjährige Lebensgefährtin weg: Einem 32-jährigen Untersuchungshäftling stank es im August vergangenen Jahres ganz gewaltig in der Haftanstalt Preungesheim. Weil er aus Frust darüber seine Zelle in Brand gesetzt hatte, bekam er gestern noch eine „Zugabe“ von weiteren zweieinhalb Jahren vom Amtsgericht aufgebrummt.

Acht Jahre war eine kräftige Strafe, die der 32-Jährige bereits 2016 vom Landgericht wegen Menschenhandels und Zuhälterei kassiert hatte. Sein Verteidiger hatte zwar Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt, doch insgeheim türmten sich die kommenden Jahre im Justizvollzug wie dunkle Wolken am Horizont des Gefangenen auf.

Dazu kam die Tatsache, dass auch die Lebensgefährtin offenbar keine besondere Lust mehr an der Fortsetzung der Beziehung verspürte und dies dem inhaftierten Partner auch klipp und klar ins Gesicht gesagt hatte.

Am 2. August schließlich drangen dicke Rauchwolken durch die Ritzen seiner Zellentür. Als Raucher durfte er offenbar ein Feuerzeug besitzen, mit dem er mehrere Kleidungsstücke in Brand gesetzt hatte. Als das Feuer bemerkt wurde, hatte sich der Rauch schon derart im gesamten Stockwerk, also auch in Gemeinschaftsräumen und benachbarten Zellen verbreitet, dass vom Personal die auswärtige Feuerwehr gerufen werden musste.

Der Brand konnte schließlich gelöscht werden, noch ehe es zu Schäden an Leib und Leben der Mitgefangenen und Bediensteten kam. Die Zelle des Brandstifters allerdings war vorläufig unbenutzbar. Die durch die Reinigung und Renovierung der Räume entstandenen Kosten beliefen sich auf rund 7000 Euro.

Für den mittellosen Angeklagten war klar, dass es hierbei nicht bleiben könne. Schon vorher hatte er für Stress in der Haftanstalt gesorgt, nachdem er in den Hungerstreik getreten war und Gegenstände aus Protest gegen die angeblich unhaltbaren Haftbedingungen einfach verschluckt und damit die Gefängnisärzte auf den Plan gerufen hatte. Darunter soll auch ein Feuerzeug gewesen sein, aber der Mann hatte offenbar eines in der Reserve.

Ein weiterer „Ausflug“ zum Gericht stand gestern an – wenigstens etwas Abwechslung im grauen Haftalltag, noch dazu, nachdem die achtjährige Haftstrafe mittlerweile rechtskräftig geworden war und verbüßt werden muss. Beim Schöffengericht machte der Angeklagte nicht viel Aufhebens. Er versuchte, seine bedrückende Lage in der kleinen Haftzelle so anschaulich wie möglich zu beschreiben – inklusive der privaten Widrigkeiten. Schon wegen der voraussichtlich noch geraume Zeit andauernden Inhaftierung stellte sich die Frage einer Bewährungsstrafe erst gar nicht. Wegen der zumindest „abstrakten Gefährdung“ von Mitgefangenen und Gefängnisbediensteten erkannte das Gericht schließlich auch auf eine Strafe von zweieinhalb Jahren wegen schwerer Brandstiftung, eine Strafe, die oberhalb der Bewährungsgrenze liegt. Summa summarum liegen jetzt noch rund zehn Jahre Haft vor dem Verurteilten – ob man ihm zwischenzeitlich Feuerzeug und Zigaretten abgenommen hat, blieb vor Gericht unerforscht.

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