+
Wohlgemuth berät seine Kunden gern und ausführlich ? was bei Obst und Gemüse immer von Vorteil ist.

Ostend-Wochenmarkt

Zwischen Bio-Bananen und spanischen Oliven

  • schließen

Die Freunde Umut Sezer und Christian Wohlgemuth halten den Ostend-Wochenmarkt am Leben. Fast alle Kunden wohnen direkt am Paul-Arnsberg-Platz.

Wenn Umut Sezer (36) nicht wäre, könnte sich auch der erst 2015 gegründete Wochenmarkt auf dem Paul-Arnsberg-Platz im Ostend, vis-á-vis zum Glasturm der Europäischen Zentralbank (EZB), neben jenem am Wendelsgarten und jenem auf dem Atzelbergplatz einreihen in die kleinsten Wochenmärkte Frankfurts. Denn dann wäre Christian Wohlgemuth (41) mit seinem Bio-Gemüse-Stand der einzig verbliebene Anbieter. „Umut ist nur meinetwegen hier“, sagt Wohlgemuth. Nicht jede Woche, aber zumindest jede zweite. „Sonst würde sich das nicht lohnen“, sagt Sezer. So kaufen viele Kunden seines Spezialitäten-Wagens für zwei Wochen ein: Der Umsatz steigt, Arbeitszeit und Kosten bleiben niedrig.

„Sonst könnte ich es mir nicht leisten, hierher zu kommen“, sagt Sezer – und Wohlgemuth wäre alleine. „Wir beide kennen uns von früher aus Heddernheim, wo wir zusammen auf dem Markt standen“, erzählt der Bio-Gemüsehändler. Als Sezer seinem Drängen vor drei Jahren nachgab, waren sie noch zu dritt: Doch der Metzger, der mit ihnen damals hier stand, gab vor einige Wochen auf.

Familiär geht es zu auf dem Markt, Sezer und Wohlgemuth kennen jeden Kunden. „Laufkundschaft gibt es hier nicht, das sind alles Stammkunden“, sagt Wohlgemuth. Anfangs, als der Weinstand noch da war, kamen auch die Banker, aßen hier zu Mittag oder ließen die Arbeitswoche ausklingen. „Aber das ist längst vorbei.“ Die Hoffnung der Marktbetriebe, die Nähe zur EZB belebe den Markt, habe sich nicht erfüllt. „Heute kommen fast nur Kunden, die hier am Platz wohnen“, sagt Wohlgemuth. „Da helfen wir den älteren Damen auch schon mal, die Taschen hinauf zu tragen.“

Entspannt aufbauen

Eigentlich beginnt der Wochenmarkt schon um 9 Uhr, doch um 10 Uhr hat Wohlgemuth gerade erst angefangen, gemütlich seinen Stand aufzubauen. „Es gab Probleme am Großmarkt, deshalb bin ich heute etwas später hier“, sagt er. Eine halbe Stunde dauert es, bis Obst und Gemüse auf den Metallgestellen liegen. Ein Kunde lässt sich in dieser Zeit nicht blicken. „Aber das ist jedes Mal unterschiedlich, Zeiten zu denen immer viel los ist, gibt es nicht.“ Zudem kommt Sezer erst am frühen Nachmittag, vorher ist er noch auf einem anderen Wochenmarkt. „Das heißt, dass ich freitags 20 Stunden unterwegs bin“, sagt der Familienvater. Und am Samstag geht’s früh morgens wieder los. Frei hat er nur am Sonntag.

Wohlgemuth berät seine Kunden gern und ausführlich ? was bei Obst und Gemüse immer von Vorteil ist.

Auch jetzt kommt die Kundschaft eher sporadisch, nur einmal sind drei, vier Kunden gleichzeitig zwischen Delikatessen-Wagen und Gemüse-Stand. „Oh, heute ohne Krücken“, sagt Wohlgemuth zu einer Frau, die leicht humpelnd zum Stand kommt. Sie hatte sich das Bein gebrochen, ist zum ersten Mal seit vier Wochen wieder hier. „Ohne sich abzumelden“, sagt Wohlgemuth, gespielt vorwurfsvoll. „Ja, wenn der seine Nummer nicht rausrückt“, erwidert die Kundin mit gespielt-genervtem Augenaufschlag. Sie ist auf dem Weg von der Arbeit nach Hause, „es ist der einzige Markt in der Nähe und ich tue alles dafür, dass er sich hält.“

Auf dem Markt aufgeblüht

Während Sezer gelernter Feinkost-Händler ist und sich mit einigen früheren Kollegen selbstständig machte, jeder für sich, mit jeweils eigenen Wagen, ist Wohlgemuth nach dem Abitur und einem abgebrochenen Studium nach und nach in den Markthändler-Job reingewachsen. „Es macht einfach Spaß. Auch wegen der tollen Kunden, die ich hier und anderswo habe“, sagt er. Dank derer habe er sich völlig verändert.

„Man glaubt es kaum, aber früher brachte ich nur Ja und Nein heraus. Über den Gemüsehandel bin ich aus mir herausgegangen, habe Freunde gefunden, lernte meine Frau kennen und habe nun zwei wunderbare Kinder.“

Als Wohlgemuth sein Studium abbrach, begann der gebürtige Frankfurter mit einem alten Lieferwagen über die Dörfer zu fahren und von der Ladefläche aus Obst und Gemüse zu kaufen. „Ich habe damals selbst die Ware bei den Produzenten überall in der Region abgeholt.“ Jahre später, als er sich privat schon längst nur noch „bio ernährte“, übernahm er das Marktbeschicker-Geschäft seines Bio-Gemüse-Lieferanten. Heute hat er zwei Lieferwagen, bedient damit bis zu drei Märkte gleichzeitig. Ja, andere Märkte werfen mehr Gewinn ab, etwa der in Heddernheim, auf dem ein Freund gerade einen zweiten Stand für ihn betreibt. „Aber es macht Spaß, hier zu sein. Wegen der tollen Menschen.“ Und so will er so lange es geht an jedem Freitag auf dem Paul-Arnsberg-Platz sein Bio-Gemüse anpreisen.

Das Rezept: Kürbis aus dem Ofen

Der „Delicata“ ist ein kleiner Kürbis, der sich einfach verarbeiten lässt, sagt Christian Wohlgemuth. „Man kann ihn auch mit Schale essen.“ Sein Lieblingsrezept für den kleinen, im Donautal gezogenen Kürbis ist, ihn im Ofen zu garen. „Einfach aushöhlen und innen mit einer Paste aus etwas Olivenöl, einer Knoblauchzehe und einem halben Bund Petersilie einreiben.“ Im auf 180 Grad vorgeheizten Ofen braucht das Gemüse nur etwa 30 Minuten, um gar zu werden. Auch einige Kunden hätten den Kürbis schon nach diesem Rezept zubereitet und seien begeistert gewesen, sagt Wohlgemuth. Man könne ihn aber auch gut mit Hackfleisch und Schafskäse füllen.

( hau)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare