Wolf Hoeth haben es afrikanische Masken angetan. Rund 150 davon hat er bereits zu Hause.
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Wolf Hoeth haben es afrikanische Masken angetan. Rund 150 davon hat er bereits zu Hause.

Trödel

Zwischen Klamotten, Kunst und Kram

  • VonSabine Schramek
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Auf dem Frankfurter Flohmarkt in der Lindleystraße finden alte Schätzchen ein neues Zuhause. Wir haben uns umgeschaut.

Alle zwei Wochen gibt es wieder Flohmarkt in Frankfurt. Wegen der Corona-Auflagen zwar noch nicht am Mainufer, aber immerhin im Ostend auf der Lindleystraße zwischen Hugo-Stinnes-Straße und Osthafenplatz. Auf der Jagd nach Schnäppchen freuen sich viele auch über die Zeit für ein Schwätzchen.

Dem Golfschlägerset schenkt niemand Beachtung. Auch die alten Radios sind noch kein Renner. Dafür drängen sich Leute kniend und gebückt um Kisten voller Schallplatten, die auf einem bunten Teppich stehen. Eine junge Frau ist auf der Jagd nach Klassik-LPs "für meinen Vater. Er sammelt sie. Ich habe nichts damit am Hut", sagt sie lachend und legt Orff und Mozart zur Seite. "Das ist oft so", meint der Händler, der seit 20 Jahren regelmäßig auf Flohmärkten verkauft, und kümmert sich um einen hektischen Mann, der einen Stapel loser Singles durchsieht und nach langer Feilscherei für 8 Euro eine Handvoll mitnimmt. Ein paar Meter weiter strahlt Willi Hertlein (89), der einige alte Bücher über Bornheim gefunden hat. "Ich gehe gern auf Flohmärkte und suche ganz bestimmte Sachen für meine Sammlung. Während Corona war es langweilig ohne Flohmarkt und ich bin richtig froh, dass ich wieder stöbern kann", so der gebürtige Bornheimer.

In drei langen Reihen stehen die Verkäufer. In der Mitte reihen sich mehrere Wühltische mit unsortierten Klamotten, auf die sich vor allem Frauen stürzen. Ein Euro pro Stück, "da kann man nicht viel falsch machen", heißt es. Weiter hinten in der Mittelreihe und links und rechts sind liebevoll Möbel, Ölbilder, Vasen und Nippes aufgestellt. Plattenspieler treffen auf Teddybären, Bettgestelle auf Fahrradreifen, alte Kameras auf Schuhe und Dippe. Laurent sitzt zwischen einer uralten Schulbank, einem modernen blauen Sessel, historischen gerahmten Fotos, ledergebundenen dicken Büchern, Setzkästen und großen Schachbrettern. "Ich bin wegen meiner Scheidung in Frankfurt umgezogen und brauche jetzt einige Sachen nicht mehr", sagt der Franzose etwas wehmütig. "Das war alles in meiner Wohnung." Er ist zum ersten Mal als Verkäufer auf dem Flohmarkt. "Sonst gehe ich selbst zum Stöbern. Manchmal in Rödelheim, aber am liebsten in Frankreich", erzählt er und berichtet von seinen Reisen nach Simbabwe und den Fotos, die er dort im Museum ergattert hat und jetzt verkauft.

Das Geld liegt auf der Straße

Mickey-Mäuse aus Plüsch, klitzekleine Schulranzen und Nachttischlampen als Winnie Pooh stapeln sich neben kleinen geschnitzten Elefanten nicht weit von Laurent. Einige Mütter begutachten die ausgefallen Sachen bei dem Mann, der beim Sperrmüll arbeitet. "Da sind immer ein paar lustige Kleinigkeiten dabei und ich finde immer etwas Neues. Das Geld liegt auf der Straße. Man muss es nur aufheben", erzählt er. Seit 26 Jahren ist er immer wieder auf Flohmärkten und freut sich über strahlende Kinderaugen. Er verkauft einen pinkfarbenen Schulranzen mit Elefantengesicht für zwei Euro an die Mutter eines kleinen Mädchens, das über beide Backen strahlt. Auch Profi-Sammler werden fündig. Wolf Hoeth begutachtet lange und konzentriert afrikanische Masken aus Holz. "Da sind ein paar schöne Sachen dabei", meint der Mann, der selbst Jahrzehnte lang das Geschäft "Art und Antiquitäten" im Schneckenhofweg in Sachsenhausen betrieben hat, das er wegen einer Mieterhöhung letztes Jahr aufgeben musste. "Der Laden ist seither zu und steht leer. Schade", meint der leidenschaftliche Kunst- und Antiquitätensammler. Einen kleinen runden Tisch aus Nussholz hat er bereits erstanden. "Der ist etwa 220 Jahre alt", erzählt er stolz. Eine der Masken aus dem Kongo hat es ihm besonders angetan. "Ich sammele die schon ewig und habe rund 150 davon zu Hause. Die passt da noch richtig gut zu."

Die 19jährige Anna hat sich an einem Schmuckstand in ein rotes Armband aus den 80er Jahren verliebt. "Ich habe einen Rock in genau diesem Rot. Das muss ich einfach haben", sagt sie glücklich, während der Chinese Ti an einem anderen Stand Vasen inspiziert. "Ich komme immer mit meiner Frau auf Flohmärkte", erzählt er. "Wir sammeln alte Kameras und Audio-Zubehör und alles, was schön ist." Der Händler scherzt derb. "Die Vase kannst Du für 35 Euro haben. Die ist vom Villeroy & Boch. Die kommt nicht aus China", ruft er quer über den Platz. Ti blickt auf, sagt, dass er es sich überlegen würde, stellt die Vase mit Blumenmuster wieder sanft auf den Tisch und spaziert weiter.

Die richtige Präsentation ist alles, wie an diesem Stand mit alten Büchern, die einen Interessenten angelockt haben.
Anna hat an einem Schmuckstand ein rotes Armband gefunden, das farblich zu einem ihrer Röcke passt.
Die Wühltische mit unsortierten Klamotten ziehen vor allem Frauen an.

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