Rainer Zimmermann vom Umweltamt zeigt auf der Karte, wohin der Weg führt. FOTO: oscar unger
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Rainer Zimmermann vom Umweltamt zeigt auf der Karte, wohin der Weg führt.

Bonames: Frankfurter Grüngürtel

Zwischen Sondermann, Storchennest und Streuobstwiesen

  • VonSabine Schramek
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Im Nordosten der Stadt hat sich die Natur die Flächen zurückerobert

Dass Rainer Zimmermann den Grüngürtel liebt und ihn kennt wie seine Westentasche, ist kein Wunder. Er hat als Landschaftsplaner vom Umweltamt die Wege durch Felder, Wälder und Wiesen mitgeplant, gestaltet, gehegt und gepflegt. Schon am Alten Flugplatz versprüht er seine Begeisterung über das satte Grün. Frauen und Männer mit Sonnenhüten, Wasserflaschen und jeder Menge Neugierde folgen Zimmermann über Stock und Stein, durch Trampelpfade, bergauf und bergab zehn Kilometer weit durch die Nidda-Auen über den Berger Rücken bis zum Heiligenstock.

Der gesamte Weg rund um den Grüngürtel ist 68 Kilometer lang. An heißen Nachmittagen bieten sich die Ausflüge etappenweise an. "Oh, ist das schön hier", lautet der Satz, der am häufigsten die Runde macht beim Blick in Dickicht, ins Wasser, zum Taunus oder auf die Skyline in weiter Ferne.

Frösche quaken laut am Nidda-Altarm, der in 1960 Jahren wegen Begradigungen verschwunden war und vor 20 Jahren renaturiert wurde. "Man hat gelernt", so Zimmermann. Das Wasser hier läuft träge, gelbe Teichrosen lassen blaue Libellen über ihren Blättern tanzen. Biber knabbern seit 2013 wieder an Baumstämmen und bauen Dämme für ihre eigenen Stauseen, um Eindringlingen bei niedrigem Wasserstand den Zugang zu ihrem Bau zu verwehren. Kunst können nicht nur Biber. Ein Stück weiter quer über eine Grillwiese wartet der drollige "Sondermann" mit seiner dicken Knollennase, Brille und Hut aus Sandstein auf die Wanderer. "Wieder ist eine attraktive Dame an mir vorübergegangen", steht eingemeißelt auf der Seite der Säule von Bernd Pfarr und Andreas Rohrbach. Das Werk ist eines von vielen komischen Kunstwerken, die im Grüngürtel versteckt sind. Das berühmteste ist das bronzene Grüngürteltier von Robert Gernhardt auf der Brücke zum Alten Flugplatz als Wolpertinger-Variante aus Schwein, Molch und Star.

91 Hektar gehören zum Grüngürtel

Der Nordpark wurde im Rahmen des Projekte "Städte wagen Wildnis" eben dieser zurückgegeben und wirkt wie ein Urwald aus Bäumen, Sträuchern und Vogelgezwitscher. Wo einst immer wieder die Grillhütte von Vandalen abgefackelt wurde, blühen heute wilde Blumen. Auf Steinen sonnen sich kleine Echsen. "Es ist wichtig für Flora und Fauna, dass sich Natur auch komplett erholen kann", erklärt Zimmermann zwischen tanzenden Schmetterlingen, hopsenden Heuschrecken und bunten Käfern. Zimmermann zeigt auf alten und aktuellen Plänen, wie der Grüngürtel Stück für Stück seit dem Stadtverordnetenbeschluss zur Flurbereinigung von 1995 wächst. Städtische Grundstücke, auf denen Bäume und Alleen gepflanzt wurden und gepflanzt werden können. Private Grundstücke, über die noch verhandelt wird. 91 Hektar Größe zeigt sein Plan. "Das ist eine Fläche ungefähr so groß wie Fechenheim", erklärt er. Viele davon sind Ausgleichsflächen für Versiegelung beim Bau.

Die Luft ist klar im Grüngürtel, auch wenn Schatten auf dem Weg zum Berger Rücken rar ist. 100 Höhenmeter gilt es zu überwinden. Der Weg ist es wert. Der Ausblick unbezahlbar. Den Weg weist ein kleines Logo auf Bäumen und Zäunen in Gestalt eines stilisierten Gesichtes. Wer einen Wanderpass vom Umwelttelefon oder von der Bürgerberatung hat, kann sie an Stempelmaschinen an insgesamt 300 Stelen prägen. "Wer alle Prägungen rund um den Grüngürtel hat, wird belohnt." Zimmermann grinst und wischt sich den Schweiß von der Stirn. "Dafür gibt es einen Pin in Form eines schwitzenden Grüngürteltieres." Die Teilnehmer lachen und fühlen sich ähnlich wie ein glückliches, schwitzendes Grüngürteltier. "Der Grüngürtel ist fast eine Urlaubsalternative. Voller Entdeckungen und weit weg vom Gewusel", sagt einer der Teilnehmer. "Den Rest werde ich auch erkunden."

Noch bis Oktober läuft das Mitmach-Programm zum 30-jährigen Bestehen. Das komplette Programm gibt es im Internet unter https://frankfurt.de.

Sabine Schramek

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