Eintracht Frankfurt

Zwischen Tradition und Moderne: Wie sich die SGE für die Zukunft aufstellt

Die Eintracht arbeitet auf verschiedenen Wegen an der Zukunft. Der Umgang mit dem DFB-Pokal ist dafür beispielhaft.

Das Goldstück durfte natürlich nicht fehlen. Als die in der vergangenen Woche in einer ganz speziellen Modenschau mit Musikprogramm das Geheimnis ums Heimtrikot für die neue Saison enthüllte, stand auf der Bühne des Gibson-Clubs irgendwann auch Peter Fischer, der Präsident, der als Pokal-Präsentierer so etwas wie die Rolle seines Lebens gefunden hat. Seit die Adlerträger so sensationell den DFB-Pokal gewonnen haben, ist die Trophäe bei jedem Termin im Gepäck. Und jeder darf mal anfassen – ob Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Fest der hessischen Landesvertretung in Berlin oder die Fans, im Gibson, im Herzen Frankfurts.

Die Verwandlung des nationalen Cups in einen Wanderpokal ist dabei beispielhaft für den Frankfurter Weg Richtung Zukunft – zwischen Tradition und Moderne, Fans und Firmenkunden, regionaler Verwurzelung und globaler Ausrichtung. Während die Sportliche Leitung an der neuen Mannschaft bastelt, die am Montag wieder die Arbeit aufnimmt, herrschte in den anderen Abteilungen auch in der Sommerpause Hochbetrieb. Es gilt, den Schwung zu nutzen, den der Coup gegen die großen Bayern gegeben hat. „Wir hätten unseren Weg auch ohne den Pokalsieg fortgesetzt, aber so sind die Voraussetzungen natürlich noch besser“, erklärte Marketingvorstand Axel Hellmann.

Tatsächlich war diese Eintracht schon vor dem ersten Titel seit 30 Jahren eine andere als unter Heribert Bruchhagen. Unter dem langjährigen Vorstandsvorsitzenden gesundete der gerne einst arg chaotische Club finanziell und wurde auch wieder gesellschaftsfähig. Seit seinem Abschied vor zwei Jahren aber haben Hellmann und Co., nicht zuletzt Bruchhagens Nachfolger Fredi Bobic als Sportvorstand, den Verein noch einmal auf andere Beine gestellt. Mit neuem Betreuerstab und einer Scouting-Abteilung, zu der laut „Sportbild“ jetzt auch der frühere Hannover-96-Manager Ricard Moar als Spanien-Experte gehört. Mit einer zeitgemäßen Marketing-Maschine, welche die sogenannten Sozialen Netzwerke im Internet intensiv bespielt wie kaum ein anderer Bundesligist und die Eintracht auch sonst zu inszenieren vermag – wie bei der Trikotvorstellung, die es so auch noch nicht gab.

30 Millionen Euro will der Club obendrein in den digitalen Ausbau der Arena stecken, wenn diese ab 2020 von der Stadt auf 61 000 Plätze erweitert wird, um Servicequalität und Umsatz zu steigern. Vieles andere ist schon im Fluss, sportliche Kooperationen gerne auch in Verbindung mit Sponsoren-Deals. In den USA, wo man nun eine Fußball-Akademie in Michigan mitaufbaut und wo Hauptsponsor Indeed sitzt, über China und Japan, Abu Dhabi oder Russland, wo ähnliche Projekte umgesetzt oder zumindest Kontakte dafür geknüpft werden, oft unter Beteiligung der von Clublegende Charly Körbel geleiteten Fußballschule. „Wir müssen moderne Wege gehen, um unsere Tradition zu bewahren“, sagte Aufsichtsrats-Vizechef Philipp Holzer unlängst zum Modell Michigan, was aber auch ganz allgemein gilt.

„Die Eintracht zeichnet aus, dass wir es schaffen, eine Klammer zu bilden von den Fans in der Kurve zu den Spitzen in Politik, Wirtschaft und Kultur. Sie verkörpert ein Bild der Stadt und der Region, darauf bin ich stolz“, umriss Hellmann das am Ende des wundersamen Pokalwochenendes. In Berlin und auch daheim in Frankfurt wurde dabei deutlich, wie die Eintracht von ihrer wechselvollen Geschichte ebenso wie von der Hingabe ihrer Anhänger lebt. Und wie sie das inzwischen für ihren Markenkern zu nutzen versteht.

„Die Leidenschaft der Fans ist unglaublich“ schwärmte Indeed-Marketing-Chef Paul D’Arcy bei seinem Berlin-Besuch, und bei der nächtlichen Party unweit des Brandenburger Tors sollen sich Deutsche-Bank-Bosse mit Eintracht-Ultras in den Armen gelegen haben. Die Gefühlslage rund um die Eintracht könnte besser kaum sein, und über kurz oder lang soll sich das auch geschäftlich auszahlen. Nicht zuletzt dank Pokalsieg und Europacup wird sich der Gesamtumsatz über 150 Millionen Euro bewegen, der Personaletat über 50 Millionen, und für den Bummel über den Transfermarkt sollen mindestens 25 Millionen zur Verfügung stehen – das sind die entscheidenden Zahlen, darum geht es schließlich bei allen Offensiven abseits des Rasens: Dass dort eine möglichst starke Mannschaft steht.

Zumal ohne das fußballerisches Fortkommen auch alle anderen Vorstöße ins Leere führen. Wie weit man indes kommen kann mit gelungenen Kombinationen zwischen Fußball- und Finanzwelt, zwischen Geschichte, Gegenwart und Zukunft, auch dafür könnte der DFB-Pokal beispielhaft stehen. So oder so: „Der Pokal gehört den Menschen“, hat Erfolgstrainer Niko Kovac zum Abschied gesagt. Auch eine solche Volksnähe zeichnet diese Eintracht aus, und allein deshalb kann man das gute Stück gar nicht oft genug herzeigen.

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