Am Bahnwärterhäuschen des "Postens 10" an der Oeserstraße sind fast immer die Jalousien zu. Ein Zwischenbericht zur Untersuchung des tödlichen Unfalls vom 7. Mai spricht nun der damals diensthabenden Schrankenwärterin die Schuld zu.
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Am Bahnwärterhäuschen des "Postens 10" an der Oeserstraße sind fast immer die Jalousien zu. Ein Zwischenbericht zur Untersuchung des tödlichen Unfalls vom 7. Mai spricht nun der damals diensthabenden Schrankenwärterin die Schuld zu.

Tödliches Bahnunglück in Nied

Zwischenbericht gibt Schrankenwärterin die Schuld

  • Holger Vonhof
    vonHolger Vonhof
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Zum Unfall Anfang Mai spricht die Bahn von einem "Arbeitsfehler". Nun soll Technik die Risiken am umstrittenen Bahnübergang mindern.

Frankfurt -Seit gestern Abend ist eine Forderung vieler Bürger erfüllt, allerdings nur temporär - und aus einem anderen Grund, als den Niedern lieb ist: Die Bahnstrecke zwischen Höchst und Frankfurt, die über den Bahnübergang an der Oeserstraße, den "Posten 10", führt, ist gesperrt. Grund ist nicht die von der Bürgerinitiative "Die Schranke muss weg" kritisierte Unsicherheit des Bahnübergangs, an dem es am 7. Mai zu einem tödlichen Unfall gekommen ist und wo zuletzt ein Schrankenbaum, der nach dem Unfall neu gesetzt wurde, nicht zu schließen ging. Grund ist der Ausbau des Homburger Damms im Gallus. Dieser Abzweig wird zweigleisig ausgebaut.

Sicherungsposten statt Schrankenwärter

Für die Dauer der Arbeiten sind im gesperrten Abschnitt zwischen dem Höchster Bahnhof und dem Abzweig Mainzer Landstraße Baugleise eingerichtet. Auf ihnen rollt die Logistik der Baustelle: Es gibt Fahrten mit Baumaschinen, Arbeitszügen und Gleisbaggern. Ein Teil dieser Fahrten wird auch über den Bahnübergang Oeserstraße führen. Zur Sicherheit hat die Deutsche Bahn dort sogenannte "Bahnübergangsposten" eingesetzt. Sie ersetzen den Schrankenwärter, der wegen der Sperrung der Strecke keinen Dienst tut. Diese "Bahnübergangsposten" übernehmen während der Streckensperrung, die bis 17. August, 4 Uhr, gelten soll, das Schrankenwärter-Häuschen als Aufenthaltsbereich.

Dieses Schrankenwärterhäuschen steht im Fokus vieler Mitglieder der Bürgerinitiative. In den vergangenen Wochen hätten sich die Schrankenwärter dort regelrecht verschanzt, hört man immer wieder; beanstandet wird auch, das meist die Jalousien geschlossen seien.

Bekannt geworden ist inzwischen auch ein Zwischenbericht der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung in Bonn. Demnach zeichne sich ab, dass die Schrankenwärterin, die zum Zeitpunkt des tödlichen Unfalls Dienst getan habe, schuld sei. Vorwürfe hat es schon direkt nach dem Unfall gegeben: Während einer längeren Schließung sei geöffnet worden, als Autofahrer ein Hupkonzert angestimmt hätten.

Der Bahnübergang (BÜ) befindet sich im Streckenkilometer 6,984 zwischen Höchst und der Trasse Mainzer Landstraße. Pro Tag verkehren dort etwa 240 Züge - mit Geschwindigkeiten um die 150 Kilometer pro Stunde. Der Bahnübergang, der gleichzeitig eine Kreuzung ist, wird gemäß § 11 Abs. 6, Nr. 4 der Eisenbahn-Bau und Betriebsordnung (EBO) über fünf Schrankenbäume gesichert. Eine Lichtzeichenanlage, wie von vielen Niedern gefordert, gibt es nicht. Allerdings ist digitaler Zugfunk GSM-R eingerichtet. Im Zwischenbericht heißt es, die Untersuchungen zu möglichen "Störhäufigkeiten am BÜ Posten 10" dauerten weiter an, und die bis dato vorliegenden Informationen und Auskünfte ließen "gegenwärtig keine abschließende Aussage zu".

Allerdings heißt es in dem fünfseitigen Zwischenbericht: "Der Bahnübergangsunfall ist primärursächlich auf einen Arbeitsfehler, bei der Sicherung des BÜ in der betrieblichen Rückfallebene, zurückzuführen." Daraus resultierend heißt es: "Es wird empfohlen, die Bedingungen für das Zulassen von Zugfahrten über den BÜ Posten 10 unter ausschließlicher menschlicher Sicherheitsverantwortung (Betriebsdurchführung im Störungsfall) um risikominimierende Maßnahmen zu erweitern." Im Zuge der Zwischenberichtserstellung, so heißt es weiter von den Prüfern aus Bonn, habe das Eisenbahninfrastrukturunternehmen mitgeteilt, "zwischenzeitlich weitere Maßnahmen eingeleitet zu haben. Diese beinhalten insbesondere die Begrenzung der Anzahl der Zugfahrten im Störungsfall sowie die enge Überwachung des Störgeschehens". Die nächste Mahnwache der Nieder Bürgerinitiative, die die Schließung des Bahnübergangs fordert, ist für den 7. August geplant.

Bis zum 17. August rollt der Zugverkehr nun über die südliche Ost-West-Trasse und den Griesheimer Bahnhof; die RB 12 fällt zwischen Höchst und Hauptbahnhof aus. Der Ausbau der eingleisigen Strecke über den Homburger Damm zur Zweigleisigkeit soll nicht nur dort den Verkehr besser rollen lassen. Zukünftig sollen alle Fernzüge auf den Gleisen 1-6 des Hauptbahnhofs abfahren, alle Regionalzüge auf den übrigen Gleisen - so soll zeitaufwendiger Kreuzungsverkehr im Gleisvorfeld vermieden werden.

Bei einem Unfall mit einer U-Bahn in Frankfurt ist ein Kind schwerstverletzt worden. Die Retter mussten die Strecke sperren und riefen einen Hubschrauber.

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