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Adler auf dem Pferd: Pascal Brendel in seinem Element.

Kunstturnen

Das Zwischenziel heißt Glasgow

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Pascal Brendel ist eines der großen Turn-Talente in Deutschland. Zweimal wurde er schon Deutscher Mehrkampfmeister seiner Alterskategorie.

Der zweifache Deutsche Junioren-Meister im Mehrkampf Pascal Brendel, der auch schon fünf Titel an den Einzelgeräten holte, gilt als Hoffnungsträger für seinen Turn-Generation. Obwohl bei den Jugend-Europameisterschaften hauptsächlich 16-Jährige turnen – das ist das Limit für diese EM, macht sich der Kunstturner von Eintracht Frankfurt mit 14 Jahren berechtigte Hoffnungen, beim diesjährigen Championat in Glasgow dem fünfköpfigen deutschen Aufgebot anzuhören. Zwei Qualifikations-Wettkämpfe, der erste am 10. Juni, sollen aus 15 Kandidaten das Quintett herauskristallisieren, das nach Schottland fahren wird.

Manche in seiner Umgebung vergleichen Pascal Brendel bereits mit Fabian Hambüchen in seinen jungen Jahren. „Blödsinn“, sagt sein Trainer Dirk Speier. „Solche Vergleich sollte man unterlassen. Pascal hat große Qualitäten, aber Fabian war in dem Alter viel weiter.“

Der spätere Olympiasieger gewann im vergleichbaren Alter am Barren seinen ersten EM-Titel, fügte zwei Jahre später drei weitere Goldmedaillen hinzu und war mit 17 bereits Olympia-Teilnehmer. „Pascal muss sich im Klaren sein, dass er aktuell noch nicht das EM-Niveau hat. Von den Schwierigkeiten her schon. Da ist er aktuell am Limit. Nun gilt es, Sicherheit in die Übungen zu bringen. Die Konstanz und die Power, um immer wenn es darauf ankommt die optimale Leistung zu bringen, fehlen noch. Er hat bis zu der ersten Qualifikation aber noch acht Wochen Zeit. Um die Möglichkeiten, die er hat, voll auszuschöpfen, muss er hart trainieren, nicht nur technisch, sondern auch an seiner Einstellung, um mental auf seine Übungen vorbereitet zu sein. Schafft er es, könnte er in Glasgow am Pferd, am Reck und am Barren und vielleicht auch am Boden, ins Finale kommen“, sagt Speier.

Speier betont aber, dass es keineswegs sicher sei, dass Brendel die Qualifikation schafft: „Die Konkurrenz in Deutschland sei sehr groß und Pascal ist der jüngste der Kandidaten. „Selbst wenn er es nicht nach Glasgow schaffen sollte, ist es für ihn wichtig, unter Beweis zu stellen, dass er sich sowohl geistig als auch körperlich für höhere Aufgaben zumindest empfehlen kann. Er ist noch so jung, dass er auch in zwei Jahren noch einmal an der EM teilnehmen könnte.“

Für Pascal Brendel ist die EM-Teilnahme klar das aktuell angestrebte Ziel. „Langfristig will ich an den Olympischen Spielen teilnehmen“, sagt der 14-Jährige, der den Kubaner Manrique Larduet, Mehrkampf-Vizeweltmeister von 2015, als sein Vorbild bezeichnet: „Seinen Turn-Stil mag ich.“

Der in Wehrheim lebende Bad Homburger kam zu Turnen wie so viele vor ihm. Sein Vater Matthias war Turner, der 2008 die Söhne, den achtjährigen Sascha und den fünfjährigen Pascal in seinen ehemaligen Verein, SGK Bad Homburg, brachte. „Ich habe für mich eine Sportart gesucht. Fußball hat mir keinen Spaß gemacht. In der Turnhalle hat mich die außergewöhnliche Bewegungsform fasziniert. Ich fand es sofort geil, ein Doppelsalto zu springen, durch die Lüfte zu wirbeln“, so Pascal, der sich auf Anhieb so geschickt anstellte, dass ihn die Trainer in der älteren Gruppe mit seinem Bruder üben ließen. Während Sascha irgendwann die Idee vom Leistungssport aufgab, bis heute als Übungsleiter in Bad Homburg die Beziehung zum Turnen aber nicht abbrechen ließ, ging es mit Pascal schnell steil nach oben.

Nach noch nicht einmal einem Jahr setzte sich Pascal bei den Gau-Meisterschaften durch. Dort fiel er Landestrainer Dirk Speier auf. Dieser sprach die Eltern an, lud den kleinen Pascal nach Frankfurt ein. Drei Monate später war Pascal Brendel bereits im Kader-Training in der Otto-Fleck-Straße. Erst trainierte er dreimal wöchentlich, mit knapp sieben Jahren schon viermal, was ein weiteres Jahr später auf fünf Tage ausgebaut wurde. Pascals heutiges wöchentliches Pensum: Zweimal wöchentlich zwei Einheiten, jeweils vor- und nachmittags, sonst nur am Nachmittag, insgesamt 23 bis 25 Stunden.

Dies ist nur dadurch möglich, dass er die Frankfurter Carl-von-Weinberg-Schule besucht. In der Sportschule gehört die Kooperation mit den Vereinen zur Normalität, der Schulplan wird so gelegt, dass den Sportlern genügend Zeit zum Trainieren bleibt. Morgens fährt ihn die Mutter zeitig nach Frankfurt, entweder in die Turnhalle oder in die Schule. Zwischen der Schule in Goldstein und der Turnhalle in der Otto-Fleck-Straße fährt Pascal mit öffentlichen Verkehrsmitteln, gegen 19 Uhr wird er von den Eltern in Frankfurt abgeholt. Zeit für andere Hobbys bleibt da nicht: „Schade. Ich würde gern Kickboxen ausprobieren. Das würde mich reizen. Aber neben dem Turnen geht es nicht.“ In der Turnhalle seien seine Lieblingsgeräte das Pauschenpferd sowie das Reck. Im Sechskampf komme er derzeit optimal auf Wertungen zwischen 73 und 76 Punkten. Pascal weiß: Will er 2024 an den Olympischen Spielen in Paris teilnehmen, muss er nicht nur seine starken Disziplinen noch weiter verbessern, sondern vor allem an seinen Problem-Disziplinen, den Ringen und dem Sprung, mächtig zulegen.

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