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Jule Thaetner vom Schülerforschungszentrum Nordhessen in Kassel hat ein Verfahren zur Früherkennung von Brustkrebs mittels Wärmebildkamera erforscht. Foto: dpa

Jugend forscht

18-Jährige entwickelt Verfahren zur Brustkrebs-Früherkennung

Jungen Menschen die Wissenschaft näherzubringen, ist die Aufgabe des Wettbewerbs „Jugend forscht“. Jule Thaetner ist eine von denen, die sich daran beteiligt haben. Und auch wenn sie gestern nicht zu den Siegern gehörte, sieht sie in der Teilnahme einen Gewinn.

Jule Thaetner ist 14 Jahre alt, als sie beginnt, sich für den Krebs zu interessieren. Die Jungs aus ihrer Klasse nuckeln das erste Mal an Bierflaschen, die Mädchen investieren ihre Wochenenden in mehr oder weniger gelungene Social-Media-Auftritte. Jule verbringt die Nachmittage vor Büchern über Brustkrebs. Selbst erkrankt ist sie nicht. Nur interessiert.

Vier Jahre später, Darmstadt am vergangenen Donnerstag: Jule Thaetner, pinkfarbene Bluse, Pferdeschwanz, präsentiert zum Auftakt des Bundeswettbewerbs von „Jugend forscht“ ihre Arbeit. Mit Wärmebildkameras hat die 18-Jährige aus Kassel in einer Versuchsreihe gesunde und krebskranke Brüste fotografiert. Ihr Ziel: ein neues Verfahren zur Brustkrebsdiagnostik.

Tatsächlich hat sie auf den Bildern der vom Krebs befallenen Organe eine niedrigere Körpertemperatur festgestellt als bei den gesunden Brüsten. „Zuerst habe ich meine Diagnose gestellt, nachdem ich den Befund der Ärzte bereits kannte“, erzählt Thaetner. „Dann habe ich die Umschläge mit den Diagnosen erst danach geöffnet und festgestellt: Ich lag in den allermeisten Fällen richtig.“ Thaetner ist sich sicher, ihr Verfahren sei wegen des verlangsamten Stoffwechsels in den vom Krebs befallenen Zellen, der zu deren niedrigerer Temperatur führt, „definitiv geeignet, um Brustkrebs zu diagnostizieren“. Thaetners Forschung klingt auf den ersten Blick überzeugend, ein offizielles Statement von Medizinern zu dem Projekt liegt jedoch noch nicht vor. Doch geht es bei „Jugend forscht“ in erster Linie überhaupt um die Ergebnisse? Und wie wissenschaftlich fundiert können die Forschungen der Nachwuchswissenschaftler tatsächlich sein?

Daniel Giese, der Pressesprecher der Stiftung „Jugend forscht“, gibt eine abwägende Antwort. „Natürlich geht es bei einem Wettbewerb immer auch um Ergebnisse“, sagt er. „Aber wir können von Schülern keine Arbeiten auf Nobelpreisniveau erwarten.“ Trotzdem ist das Renommee des Forschungswettbewerbs auch nach über 50 Jahren „Jugend forscht“ immer noch hoch. Obwohl es manchmal Zweifel an der wissenschaftlichen Aussagekraft der prämierten Forschungen gibt.

Beim Bundeswettbewerb 2015 etwa gab es Irritationen um die Verleihung eines Sonderpreises. Die Jury zeichnete ein Projekt aus, das die Wirkung eines homöopathischen Präparats auf Bienenvölker untersucht hatte. Wissenschaftsverbände wie die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) kritisierten, die Wirkung des Mittels lasse sich in der von der Teilnehmerin durchgeführten Weise nicht nachweisen.

In einem offenen Brief kritisierte die GWUP jedoch weniger die junge Forscherin des Projekts als vielmehr das Urteil der Jury und die Darstellung des Versuchs nach außen. „So wie das auch im Nachhinein kommuniziert wurde, konnten wir keine wissenschaftliche Solidität erkennen“, argumentiert die GWUP. Allerdings würden solche Fälle nur vereinzelt auftreten, man sei von der Sorgfalt der Teilnehmer zumeist sehr beeindruckt. „Deshalb werden wir die Arbeit von ,Jugend forscht’ auch weiterhin unterstützen.“

Daniel Giese sieht solche Vorwürfe gelassen. „Klar geht es bei Jugend forscht auch um Leistung“, meint er. „Vor allem wollen wir aber jungen Menschen die Wissenschaft näherbringen.“

Kreative Ansätze

, die Lust am Forschen und das eigenständige Arbeiten stünden bei „Jugend forscht“ im Vordergrund. Im hessischen Kultusministerium unterstützt man diese Haltung. „Die Förderung des eigenverantwortlichen Lernens wird durch die Struktur des Wettbewerbs besonders unterstützt.“, teilt man auf Anfrage mit.

Auch wenn hin und wieder vereinzelt Kritik aufblitzt: „Jugend forscht“ fördert Jahr für Jahr junge Menschen wie Jule Thaetner in ihrer Begeisterung für die Wissenschaft. Für die Kasselerin hat sich die Teilnahme auf jeden Fall gelohnt. Denn auch wenn Jule Thaetner keinen Preis erhalten hat: Der Wissenszuwachs, sagt sie, sei Gewinn genug.

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