A44-Tunnel in der Region Kassel: Sind durch die alte Munitionsfabrik nun Chemikalien im Waldboden? Der Bau des Tunnels verzögert sich erheblich.
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A44-Tunnel in der Region Kassel: Sind durch die alte Munitionsfabrik nun Chemikalien im Waldboden? Der Bau des Tunnels verzögert sich deutlich.

Kreis Kassel

Tunnel für A44: Wie gefährlich ist die ehemalige Nazi-Munitionsfabrik im Kaufunger Wald?

  • Luisa Ebbrecht
    vonLuisa Ebbrecht
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In der Region Kassel wird ein neuer Tunnel für die A44 gebaut. Auf dem Gelände stand früher eine Munitionsfabrik. Doch der Boden ist verseucht.

  • In der Region Kassel wird ein Tunnel für den neuen Abschnitt der A44 gebaut.
  • Auf dem Gelände stand im dritten Reich eine Munitionsfabrik.
  • Die Giftstoffe der Munition befinden sich noch heute im Boden.

Hessisch-Lichtenau – In der Region Kassel ist der Bau der A44 weiter voll im Gange. In den letzten Zügen befindet sich derzeit der Tunnel Hirschhagen zwischen Helsa im Landkreis Kassel und der Stadt Hessisch Lichtenau im Werra-Meißner-Kreis. Begonnen im Jahr 2013 hatte sich die Freigabe des Tunnels immer wieder nach hinten verschoben. Zunächst sollte er 2018 fertig werden, dann 2020 und mittlerweile wird die Verkehrsfreigabe, wie die HNA berichtete, für das Frühjahr 2022 anberaumt.

Grund für diese Verzögerung war unter anderem eine alte Munitionsfabrik aus dem Dritten Reich, die auf dem Gelände des A44-Tunnels im Kaufunger Wald* steht. Auf einer Fläche von 330 Fußballfeldern stehen noch 250 von einst 399 Gebäuden. Im Dritten Reich wurde hier von 1936 bis 1945 die Sprengstoffe Trinitrotoluol (TNT), Trinitrophenol (Pikrinsäure) sowie Hexogen hergestellt.

A44-Tunnel in der Region Kassel: Chemikalien in Waldboden?

Nach dem Krieg übernahmen die Alliierten das Areal und ließen die Chemikalien offenbar in den Waldboden ab. Diese Auswirkungen merkt man noch bis heute. Mehr als die Hälfte des Bodens ist nach Angaben von bild.de noch verseucht. Viele der Bunker, Beton-Bauten, Kraftwerke und Kohlelager stehen heute noch.

Direkt unter dem Areal verläuft der neue A44-Tunnel Hirschhagen von Helsa nach Hessisch Lichtenau. Der Sprecher der Autobahn GmbH Joachim Schmidt äußerte sich zu dem Vorhaben: „Beim Bau des Tunnels Hirschhagen war nicht der Boden, sondern das belastete Grundwasser das hauptsächliche Problem. Für das im Zuge des Tunnelvortriebs anfallende Wasser wurden strenge Einleitgrenzwerte (u.a. pH-Wert, Nitroaromate, chemischer und biologischer Sauerstoffbedarf, abfiltrierbare Stoffe usw.) festgelegt, die zwingend einzuhalten waren.“

Bau des A44-Tunnels im Kreis Kassel: Regierungspräsidium alarmiert

Auch das Regierungspräsidium in Kassel und das Hessische Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sind mittlerweile alarmiert. „154.000 kg Schadstoffe, die die Menschen unmittelbar beim Verzehr von selbst angebautem Gemüse und beim Kontakt mit dem Boden bedrohten, und noch einmal 697.000 kg von der TRI-Halde und mehr als 3.000 kg noch sprengfähiges TNT in Schächten und Kanälen wurden entfernt und zerstört“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Nach HNA-Informationen sind auch die Anwohner verunsichert. Mitglieder der Kaufunger Wählergemeinschaft (KWG) befürchten, dass das Lossewasser durch den Bau des A44* Tunnels Hirschhagen verunreinigt wird. Schließlich könnten Giftstoffe vom ehemaligen Munitionswerk durch die Tunnel-Baustelle in Bewegung kommen und so in die Losse gelangen.

A44 im Kreis Kassel: Entwarnung von Hessenmobil

Hessenmobil und das Regierungspräsidium Kassel geben nach Informationen der HNA mittlerweile Entwarnung. Nach dessen Angaben wurden im Jahr 2019 insgesamt 140.000 Kubikmeter belastetes Grundwasser gereinigt. Durch den Tunnelbau kämen keine neuen Giftstoffe ins Grundwasser oder in die Losse. Wie sich die Wasserqualität in der Region in den nächsten Jahren entwickelt, bleibt abzuwarten (ebb) *hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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