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Kleine Fächer haben ihre Berechtigung, auch an der Frankfurter Goethe-Uni.

Unis in Hessen

Afrikanistik, Keltologie, Vorderasiatische Archäologie: Orchideenfächer blühen

Gemeinsam stark: Um kleine Uni-Fächer dauerhaft zu sichern, wurden einige von ihnen in Zentren gebündelt. Vor mehr als zehn Jahren sorgte das für Proteste. Heute gibt es viel Lob.

In Hessens Hochschullandschaft gedeihen auch Orchideenfächer: Disziplinen, die nur wenige Wissenschaftler erforschen und Hochschüler studieren. Ihre Existenz wird mitunter infrage gestellt, weil die Kosten-Nutzen-Rechnung für sie nicht aufzugehen scheint. Vor mehr als zehn Jahren ging das Land Hessen neue und auch umstrittene Wege, um sie zukunftsfest zu machen. Das Konzept sah vor, an den Unis von Marburg, Gießen und Frankfurt geisteswissenschaftliche Zentren zu gründen. Heute gibt es einhelliges Lob dafür – und neue Ideen zur Erhaltung kleiner Fächer.

Ob Afrikanistik, Keltologie oder Vorderasiatische Archäologie: Kleine Fächer sind der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) zufolge „essenziell für den Erhalt einschlägiger fachspezifischer Kompetenzen“. Anfang Dezember sprach sich die HRK mit der Kultusministerkonferenz dafür aus, diese sichern und ihre Entwicklung künftig noch stärker fördern zu wollen. „Die Vielfalt ist ein Charakteristikum und eine große Stärke der deutschen Hochschullandschaft“, sagte dazu HRK-Präsident Horst Hippler. Es sei ein Missverständnis, diese Disziplinen als Exoten abzutun. „So sind gerade beispielsweise Beiträge der Islamwissenschaften außerordentlich gefragt – ein Fach, das jahrelang öffentlich kaum beachtet war.“

Dieses Fach ist auch Teil des Marburger „Centrums für Nah- und Mittelost-Studien“ (CNMS), das 2007 seine Arbeit aufnahm. Es sind auch die wenige Jahre später folgenden weltpolitischen Entwicklungen wie Arabischer Frühling, IS-Terror und Syrienkrieg, die die Mitarbeiter heute zu gefragten Experten machen. Sogar das Auswärtige Amt melde sich schonmal in Spezialfragen, berichtet Stefan Weninger, der geschäftsführende Direktor des Zentrums. „Wir machen aber keine Politikberatung.“ Es gehe um Grundlagenforschung.

Das Zentrum, das vor kurzem sein zehnjähriges Bestehen feierte, vereint mehrere Fächer unter einem Dach. Neben der Islamwissenschaft gehört dazu unter anderem die Altorientalistik, aber auch Politik und Wirtschaft. Im Jahr 2005 gab das Land Hessen seine Pläne bekannt. Damit sollten die kleinen Fächer trotz knapper Finanzmittel erhalten werden. Das Konzept war umstritten, weil einige Disziplinen dafür den Standort wechseln mussten oder wegfielen. Als erstes ging 2006 an der Uni Gießen das „Zentrum Östliches Europa“ an den Start. In Frankfurt entstand 2008 das „Interdisziplinäre Zentrum für Ostasienstudien“. An allein drei Standorten wird der Schritt heute positiv bewertet.

„Das CNMS hat sich binnen weniger Jahre zu einem Gewicht in der Universität und im nationalen und internationalen Kontext entwickelt“, sagt Katharina Krause, die Präsidentin der Uni Marburg. Gerade in Marburg war das Konzept zunächst umstritten. Die benachbarte Gießener Hochschule sieht ebenfalls einen Erfolg ihres Osteuropa-Zentrums: Zusammen mit seinen Partnern habe es sich „nicht nur national, sondern auch international als ein herausragendes Zentrum für die geistes- und gesellschaftswissenschaftliche Forschung zum östlichen Europa etabliert“.

Die Gründung der Einrichtungen war „ein Prozess, der bei manchen auch Wunden hinterlassen hat“, sagt der Direktor des Frankfurter Ostasien-Zentrums, Moritz Bälz. Aber: „Die Zentrenbildung hat für die Zukunft viel Potenzial.“ Als Beispiel fügt er an, dass in Frankfurt zwei Drittmittelgeber für zwei große Verbundprojekte gewonnen werden konnten. „Als einzelnes kleines Fach wäre es schwer gewesen, diese einzuwerben.“

Die Sicherung kleiner Fächer habe für die Landesregierung eine „wesentliche Bedeutung“, heißt es beim Wissenschaftsministerium. Für den Auf- und Ausbau der Zentren wurden demnach zwischen 2006 und 2015 fast 63 Millionen Euro investiert. Bis 2020 sind noch einmal knapp 7,4 Millionen Euro vorgesehen. Der Wissenschaftsrat gab im Jahr 2010 allen drei Einrichtungen gute Noten. „Wir waren in der Summe sehr beeindruckt“, sagt Andreas Stucke, der stellvertretende Generalsekretär des Rates. Es sei eine Möglichkeit, Forschung zu stärken und Professuren dank der Zentrenbildung zu halten. Profitiert habe auch die Interdisziplinarität. Es seien attraktive Studiengänge entstanden.

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