Salzbachtalbrücke
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Die gesperrte Salzbachtalbrücke.

Al-Wazir fordert zügige Sprengung der Salzbachtalbrücke

Nach der Sperrung der Salzbachtalbrücken herrscht in Wiesbaden Dauerstau. Der Hauptbahnhof ist nahezu vom Bahnverkehr abgeschnitten. Wie geht es weiter? Wer ist Schuld an dem Desaster? Um diese Fragen ging es am Donnerstag im Landtag.

Wiesbaden - Nach Willen der hessischen Landesregierung sollte die marode und gesperrte Salzbachtalbrücke bei Wiesbaden so zügig wie möglich gesprengt werden. Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) sagte am Donnerstag im Landtag in Wiesbaden, er sei zuversichtlich, dass der Sommer für die geplante Sprengung genutzt werde. Dann könne sich die angespannte Verkehrssituation in und um Wiesbaden wieder bessern - und der Neubau beginnen.

„Bisher haben alle Beteiligten unter der Federführung der Autobahn GmbH sehr gut zusammengearbeitet“, betonte der Minister. Die Sicherheit habe absolute Priorität. Daneben müsse es oberstes Ziel sein, die Bundesstraße und die Bahnstrecke unterhalb der Brücke wieder ohne Einschränkungen nutzen zu können. „Wiesbaden muss verkehrlich wieder angeschlossen werden“, forderte der Minister.

Die Salzbachtalbrücke musste Mitte Juni kurzfristig gesperrt werden, nachdem sich der Überbau an einem Pfeiler abgesenkt hatte und Betonbrocken herabgefallen waren. Auch die Straßen und Bahngleise unter der Brücke dürfen derzeit nicht befahren werden. Das Bauwerk soll nun nach den Plänen der Autobahn GmbH binnen zwei Monaten gesprengt werden, damit rasch mit dem Neubau begonnen werden kann. Experten rechnen mit einem Ausfall der Verbindung für insgesamt rund 14 Monate.

Der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Stefan Naas, machte Al-Wazir für das „Desaster der Salzbachtalbrücke“ verantwortlich. Es stehe exemplarisch für die Vernachlässigung von Bau und Sanierung von Straßen und Brücken in Hessen, erklärte er. Schließlich sei der Minister seit mehr als sieben Jahren im Amt.

Der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Tobias Eckert, erklärte: „Seit 2009 ist bekannt, dass die Brücke marode ist und dringend erneuert werden muss.“ Inzwischen stehe über dem Salzbachtal eine einsturzgefährdete Ruine, die das Rhein-Main-Gebiet an den Rand des Verkehrskollapses führe. „Was eigentlich hat Al-Wazir in den vergangenen sieben Jahren in seiner Amtszeit und damit in seiner Verantwortung getan, um die Katastrophe zu verhindern?“, fragte Eckert. „Wir sind davon überzeugt, dass man die gravierenden Probleme hätte früher erkennen müssen.“

Al-Wazir wies dagegen erneut darauf hin, dass das Land seit 2014 im Straßenbau nicht nur die Investitionen, sondern auch das Personal schwerpunktmäßig für die Sanierung eingesetzt habe. „Eine Vollsperrung ist genau das, was nicht passieren sollte und was wir in den vergangenen Jahren verhindern wollten“, erklärte er. Es sei bitter, dass nur wenige Monate vor dem geplanten Abbruch des südlichen Brückenteils ein solcher Unfall passiert sei.

In den vergangenen fünf Jahren wurden nach den Worten von Al-Wazir bei der Straßenbauverwaltung Hessen Mobil 85 zusätzliche Stellen geschaffen. „Der Sanierungsstau an Straßen und Brücke ist deutschlandweit das größte Infrastrukturproblem“, erklärte er. Jahrzehntelang sei vor allem in den Neubau von Straßen und nicht genug in Sanierung und Ersatzbauten investiert worden.

Derzeit unterliegen nach Angaben des Ministeriums 37 Landesstraßenbrücken einer Lastbeschränkungen. 18 dieser Brücken werden bis 2023 ersetzt oder saniert, 5 weitere sollen bis 2025 folgen. Bei den übrigen 14 Brücken bestehe aktuell kein besonderer Handlungsbedarf. dpa

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