Ausbau im Rekordtempo

Al-Wazir gibt Startschuss für 1000. Windrad

  • schließen

Immer mehr hessische Haushalte beziehen ihren Strom aus erneuerbaren Energien. Und wenn es nach Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir geht, wird die Energiewende in dem Bundesland in den kommenden Jahren im Rekordtempo weitergehen. Nicht alle sehen das genauso euphorisch.

Dass er auf das Erreichte stolz ist, daraus mach Tarek Al-Wazir kein Geheimnis. Die Zahl 1000 steht in Metall gegossen vor seinem Mikrofon, auf der Leinwand über ihm ist das Bild eines Rotors nebst dem Spruch „gedreht, gewendet und für gut befunden“ an die Wand projiziert. Was Hessens Wirtschaftsminister damit ausdrücken will: Am kommenden Samstag wird in dem Bundesland die Marke von 1000 Windrädern geknackt, wenn Al-Wazir im nordhessischen Gemünden eine neue Anlage einweiht.

Von einem „Meilenstein“, den Hessen erreicht habe, sprach der Grünen-Politiker gestern in Wiesbaden, wo er eine Bilanz der bisherigen Energiewende zog. „Wir haben in den letzten drei Jahren eine nicht für möglich gehaltene Aufholjagd bei den erneuerbaren Energien hingelegt“, sagte Al-Wazir.

Dies habe dazu geführt, dass mittlerweile rechnerisch mehr als 1,8 Millionen Haushalte in Hessen mit Ökostrom in einer Größenordnung von 6262 Gigawatt pro Stunde versorgt werden können, Tendenz weiter steigend.

Die Entwicklung unterfütterte Al-Wazir mit weiteren Zahlen. Hessen habe allein 2016 insgesamt 112 Anlagen mit einer Leistung von 316,7 Megawatt neu errichtet. Damit seien so viele Windenergieanlagen wie nie zuvor ans Netz gegangen. Ein Jahr zuvor habe der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch in Hessen erstmals die Rekordmarke von 16 Prozent geknackt. Dieser Anteil dürfte sich angesichts des Tempos bei der Windkraft 2016 weiter gesteigert haben, glaubt Al-Wazir.

Dass der Ausbau in den kommenden Jahren zügig weitergeht, daran hat der Minister keinen Zweifel, auch wenn nicht alle Regionen Hessens bei der Ausweisung der Windvorranggebiete synchron laufen. So hat die Landesregierung im Mai 2017 den Teilregionalplan Nordhessen genehmigt. Er weist insgesamt 169 solcher Gebiete mit zusammen 16 700 Hektar aus, was der Vorgabe laut Landesentwicklungsplan von zwei Prozent der Gesamtfläche entspricht.

Nicht ganz so weit sind Mittel- und Südhessen. Während der Teilregionalplan für erneuerbare Energien Mittelhessen dem Wirtschafts- und Energieministerium zurzeit zur Prüfung vorliegt, befindet sich dieser in Südhessen in der zweiten Offenlage. Er verwies darauf, dass die Situation im Süden am schwierigsten sei. Dort führe die dichte Besiedlung zu größeren Konflikten.

Das zeigte sich auch gestern, als vor dem Landtag Vertreter von Bürgerinitiativen gegen den Ausbau der Windkraft demonstrierten. „Die Energiewende ist in dieser Form sinnlos“, sagt Rolf Michael Zimmermann, der zugleich FDP-Kreistagsabgeordneter im Main-Kinzig-Kreis ist. Zugleich kritisiert er die seiner Meinung nach fehlende Effizienz von Wind und Sonne, um eine Grundversorgung mit Energie sicherzustellen. Außerdem zerstörten die Windräder die Landschaft und seien eine Gefahr für Vögel und Fledermäuse.

„Die Regierung scheint vollkommen auszublenden, dass in ganz Hessen Bürgerinitiativen, Naturschutzverbände und Gemeinden gegen den Windkraftausbau kämpfen, der die Anwohner immer stärker belastet und die Landschaft zunehmend zerstört“, blies René Rock, Fraktionsvorsitzender der FDP im Landtag in dasselbe Horn.

Peter Bartholomäus, Vorsitzender des Energieausschusses der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) befürchtete hingegen, „dass die Wirtschaft durch die immer weiter steigenden Stromkosten im internationalen Wettlauf um die besten Standortbedingungen immer weiter zurückfällt.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare