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Am Lebensende: Initiativen sorgen für würdige Beisetzung

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Kirche: Beerdigungen ohne Angehörige immer häufiger
Gänseblümchen blühen auf dem Friedhof Bieber rund um die Platte eines Grabes. © Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

Viele Menschen sterben einsam. Damit sie nicht vergessen werden, kümmern sich in Hessen zahlreiche Initiativen um einen würdigen Abschied.

Friedberg/Wiebelsbach/Offenbach - Die Gesellschaft wird älter. Damit steigt auch die Zahl der Menschen, die im Alter alleine sind. Das bedeutet oftmals nicht nur im Leben Einsamkeit, sondern auch im Tod. „Die Fälle, in denen die Verstorbenen keine Angehörigen haben, nehmen deutlich zu“, sagt Pfarrerin Carmen Berger-Zell vom Zentrum Seelsorge und Beratung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Immer öfter müssten die Kommunen Menschen bestatten lassen, die niemanden mehr haben, der diese Aufgabe übernimmt.

In diesen Fällen wird eine Bestattung im Rahmen des Ordnungsrechts notwendig. Sie wird von Amts wegen angeordnet, die Kosten gehen zu Lasten der Kommune. Sollte noch Nachlass zur Verfügung stehen, werden die Ansprüche geltend gemacht und gegebenenfalls die Bestattungskosten ganz oder teilweise daraus ersetzt. Aufgrund der niedrigeren Kosten wählen die meisten Kommunen eine Feuerbestattung mit anonymer Beisetzung.

„Mir blutet das Herz, wenn Menschen einfach namen- und zeichenlos verschwinden, die Teil unserer Gesellschaft sind. So als hätte es sie nie gegeben“, sagt die Pfarrerin. Wir hätten die Verantwortung und die Möglichkeit, den Menschen einen würdigen Abschied zu geben. Sie beobachte zudem, dass die relative Armut in der Bevölkerung zunehme und sich immer weniger Menschen eine Bestattung leisten könnten.

„Besonders betroffen sind Frauen mit einer kleinen Rente.“ Eine Urnenbestattung koste im Schnitt 1000 Euro, ein herkömmliches Begräbnis 3000 bis 5000 Euro. „Die haben die Menschen oftmals nicht.“

Wenn sie vom Tod eines Menschen ohne Angehörige erfährt, kümmere sich die Kirche. Eine Pfarrerin oder ein Pfarrer spreche dann ein paar Worte, begleite den Friedhofsmitarbeiter, wenn die Urne zu Grabe getragen wird, und verabschiede den Verstorbenen mit einem Segen, erläutert Berger-Zell.

Hessenweit gibt es zahlreiche Initiativen. In Offenbach etwa kümmert sich die Friedhofsverwaltung zusammen mit Pfarrerin Irmela Büttner von der Evangelischen Kirchengemeinde Bieber um die Organisation der Sozialbestattungen auf dem örtlichen Friedhof. Finanziert werden sie über Spenden.

Damit keines ihrer Gemeindemitglieder allein beerdigt wird, wandte sich die Frankfurter Pfarrerin Silke Alves-Christe Anfang 2018 mit einem Aufruf an die Menschen aus der Dreikönigsgemeinde, die Pfarrerinnen und Pfarrer bei Beerdigungen ohne Angehörige zu begleiten. Mit Erfolg. Aktuell bestehe die Gruppe aus 14 Ehrenamtlichen, berichtet Alves-Christe. „In der Regel gehen aber nur zwei bis vier Ehrenamtliche mit, was ja auch ausreicht“, sagt sie.

Die Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Heubach-Wiebelsbach und stellvertretende Dekanin des Evangelischen Dekanats Vorderer Odenwald, Evelyn Bachler, erfuhr kürzlich, dass Urnen, die nach einem Jahr nicht beim Bestatter abgeholt worden waren, in einem Urnen-Container entsorgt wurden. Da habe sie etwas tun wollen, sagt sie. „Man sollte Menschen nicht wie eine Einwegflasche in einem Container entsorgen.“

Es sei bezeichnend für eine Gesellschaft, wie sie mit ihren Toten umgehe, meint Bachler. Für die Verstorbenen, die niemanden mehr haben, organisiert die Gemeinde nun regelmäßig Trauerfeiern. Beigesetzt werden sie in einem anonymen Grab. „Die Spuren eines Menschen im Leben sollen auch nach dem Tod bedacht werden“, sagt die Pfarrerin. Wenigstens der Name solle noch einmal genannt werden und der Verstorbene ins Bewusstsein der Lebenden gebracht werden.

Auch der Marburger Bestatter Guido Vaupel sagt, Bestattungen, bei denen die Verstorbenen keine Angehörigen haben, nähmen zu. Das mache ihn nachdenklich, so der zweite Vorsitzende des Bestatterverbandes Hessen. „Ich frage mich dann immer, wie das eigentlich passieren kann.“ Früher habe sich in solchen Fällen zumindest noch die Nachbarschaft oder die Dorfgemeinschaft gekümmert. „Das bricht weg. Da findet ein gesellschaftlicher Wandel statt.“ Manchmal stelle er auf eigene Kosten zumindest ein Holzkreuz auf, damit der Verstorbene nicht ganz spurlos verschwinde. dpa

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