Streik-Plakate vor dem Amazon Logistik Zentrum in Bad Hersfeld
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Streik bei Amazon in Bad Hersfeld

Arbeitsniederlegung

Mehr Stress für Angestellte wegen Amazon Prime-Day: Streik auch in Bad Hersfeld

  • vonLucas Maier
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Durch die vielen Schnäppchen am Prime-Day 2020 von Amazon erhöht sich die Arbeitsbelastung für die Mitarbeitenden. Verdi hat nun zum Streik aufgerufen, auch in Hessen.

  • Schnäppchen-Jagd 2020: Am 13. und 14. sind Prime-Days bei Amazon.
  • Auch bei Amazon in Bad Hersfeld wird gestreikt.
  • Amazon sieht aber bisher keine Verzögerung bei Lieferungen.

Bad Hersfeld – Strahlende Gesichter, glückliche Angestellte und alle wollen dort noch lange arbeiten. Amazon versucht, sich in einer seiner letzten Werbe-Kampagnen als Top-Arbeitgeber zu inszenieren. Bei den menschlichen Clips könnte man glatt vergessen, dass es sich um Werbung handelt.

Doch sogar in den Werbevideos des Amazon-Konzerns wird deutlich, dass diese als Reaktion auf Kritik an den Arbeitsbedingungen beim Versand-Riesen entstanden sind. Immer, wenn es für die Amazon-Kundinnen und -Kunden Schnäppchen regnet, wird es für Angestellte bei Amazon umso anstrengender. Die Gewerkschaft Verdi hat nun auf die aktuellen Prime-Days 2020 reagiert.

Amazon Prime-Day 2020: Streik für bessere Arbeitsbedingungen

Am Prime-Day können Mitglieder von Amazon-Prime extra Schnäppchen abgreifen. Im Jahr 2020 hat die Schnäppchen-Jagd bereits am Montag (12.10.2020) mit Amazon-Eigenproduktionen begonnen. Richtig los geht es dann am Dienstag (13.10.2020) und Mittwoch (14.10.2020). Was für Amazon-Nutzerinnen und -Nutzer Rabatte bedeutet, bedeutet für Angestellte bei Amazon eine höhere Arbeitsbelastung, so die Gewerkschaft Verdi.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kritisiert aber nicht nur die erhöhte Belastung am Prime-Day, sondern auch das Fehlen einer angemessenen Bezahlung. Deshalb ruft sie dazu auf, an den Prime-Days in den Amazon-Hallen zu streiken. Auch am Standort Bad Hersfeld wird die Arbeit am Dienstag und Mittwoch niedergelegt.

Verdi 2020: Amazon wird zu Prime-Days bestreikt

Am Dienstag (13.10.2020) wird mit Beginn der Frühschicht in den Amazon-Versandzentren FRA1 und FRA3 in Bad Hersfeld gestreikt. Enden soll der Streik mit dem Ende der Nachtschicht am Donnerstagmorgen (15.10.2020), also gegen 3.30 Uhr.

An diesen beiden Tagen wird es im gesamten Bundesgebiet zu Streiks bei Amazon kommen. In einem Statement weist Amazon die Kritik der Gewerkschaft von sich und verweist auf die aktuell aus seiner Sicht guten Arbeitsbedingungen. Laut dem Konzern seien bislang am Standort Bad Hersfeld keine Auswirkungen des Streiks zu spüren. „Der große Teil unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeitet heute wie an jedem anderen Tag“, heißt es in dem Statement von Amazon. Alle Pakete gingen aktuell ohne Verzögerung zu den Kundinnen und Kunden. Auch könne er „mehr Stress nicht wahrnehmen“, sagte ein Sprecher. Schließlich würden die Prime-Days gut vorbereitet.

Verdi gegen Amazon 2020: Perspektiven auf die Lohngestaltung unterscheiden sich stark

Beim Thema Gehalt gehen Ansichten der beiden Konkurrenten im Lohn-Kampf weit auseinander. Während Verdi die Löhne als zu gering kritisiert, geht Amazon in die Offensive und veröffentlicht die Gehaltsstufen des Standortes Bad Hersfeld. Laut Amazon verdienen Angestellte in Bad Hersfeld den folgenden Lohn (alle Angaben sind vor Abzug der Steuern):

  • Einstiegsbasislohn: 11,73 Euro brutto/Stunde
  • Nach 12 Monaten: 13,52 Euro brutto/Stunde
  • Nach 24 Monaten: 13,67 Euro brutto/Stunde

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kritisiert diese Gehälter als zu gering.

„Amazon fährt dicke Extraprofite ein, hat aber in diesem Jahr nur eine Lohnerhöhung von 1,8 Prozent gewährt. Das empört viele Kollegen, sie fühlen sich nicht wertgeschätzt. Das Mindeste wäre eine Bezahlung nach Tarif, der aktuell in Hessen mindestens einen Euro pro Stunde höher liegt.“

Mechthild Middeke – Streikleitung

Des Weiteren schreibt die Gewerkschaft in ihrer Presseerklärung, dass sich Amazon weiterhin weigere, den hessischen Tarifvertrag für den Einzel- und Versandhandel anzuerkennen. Neben den beiden Amazon-Standorten in Bad Hersfeld werden noch die Versandzentren in Leipzig, Rheinberg, Werne, Graben bei Augsburg und Koblenz bestreikt. (luc)

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