Müde Arbeiter gegen Paket-Wahnsinn

Streik bei Amazon kurz vor Weihnachten - Das sagt das Unternhemen

  • vonLucas Maier
    schließen

Belastung durch Corona und Weihnachtsgeschäft: Mitarbeiter bei Amazon treten vor Weihnachten in den Streik. Ihr Ziel: Angemessene Bezahlung und Tarifvertrag.

  • Amazon vor Weihnachten 2020: Angestellte an sechs Standorten treten in Streik für bessere Bezahlung
  • Corona*-Pandemie und Weihnachtsgeschäft: Amazon-Mitarbeiter kommen an Belastungsgrenze.
  • Auch am Amazon-Standort in Bad Hersfeld wird laut Verdi gestreikt. Amazon äußert sich zur Aktion.

Update von Montag, 21.12.2020, 15.10 Uhr: Amazon hat sich mittlerweile zu der Aktion von Verdi geäußert. Demnach hat der Streik derzeit keine großen Auswirkungen auf die Lieferfähigkeit des Amazon-Handels. „Wie jeden Tag konzentrieren sich auch heute unsere Teams darauf, die Pakete zu den Kundinnen und Kunden zu bringen“, sagt Michael Schneider, PR-Manager bei Amazon auf Nachfrage. Auswirkungen auf Kundenlieferungen hätten die Streik-Aktionen nicht, der allergrößte Teil der Mitarbeiter arbeite ganz normal, betont Schneider

Nach Angaben des Amazon-Konzerns betreibt dieser derzeit 15 Logistikzentren in Deutschland. Streik-Aktionen finden derzeit, laut dem Unternehmen, in 5 von diesen statt. Im generellen stehe die Geschäftsleitungen mit den Betriebsräten regelmäßig in Kontakt, heißt es vonseiten des Unternehmens. Schneider betont zudem, dass Amazon auch ohne Tarifvertrag ein guter Arbeitgeber sei. Er belegt dies mit Zahlen: So sei rund die Hälfte der 16.000 in der Logistik bei Amazon in Deutschland beschäftigten seit fünf Jahren oder sogar länger im Unternehmen. Zudem hätte es in diesem Jahr bereits Zulagen zum Lohn gegeben - nicht als Corona-Pauschele, sondern als Dankeschön an die Mitarbeiter für ihren Einsatz.

Erstmeldung von Montag, 21.12.2020, 11.00 Uhr: Kassel - In diesem Jahr, ist durch die Corona-Pandemie alles anders als die Jahre zuvor. Zu Weihnachten 2020 dürften noch mehr ihre Geschenke im Online-Handel gekauft haben, als in den vergangenen Jahren. Das trifft auch die Angestellten der Online-Branche.

Die Mitarbeiter bei Amazon fühlen sich während der Corona-Pandemie nicht ausreichend wertgeschätzt, so die zuständige Verdi-Gewerkschaftssekretärin Mechthild Middeke. Eine Bezahlung unter Tarif sei gerade in der aktuellen Situation nicht hinnehmbar. Deshalb ruft Verdi nun an 6 Amazon-Standorten zum Streik über Weihnachten auf.

Weihnachten 2020: Mitarbeiter bei Amazon kommen an Belastungsgrenze

Durch die Überbelastung während des Weihnachtsgeschäfts und der anhalten Corona-Pandemie*, kommen die Mitarbeiter bei Amazon an die Grenzen der Belastbarkeit, schreibt Verdi in einer Pressemeldung, die unserer Redaktion vorliegt.

 „Tarifliche Bezahlung ist das Mindeste, angesichts der Rekordumsätze und Rekordgewinne des Konzerns stünde den Beschäftigten eine Rekordbezahlung zu.“

Verdi-Gewerkschaftssekretärin Mechthild Middeke

Auch wenn eine Corona-Sonderzahlung im Dezember 2020 ausgelobt wurde und von Amazon ein Weihnachtsgeld gezahlt wird, liegen die Sonderzahlungen noch unter dem, was der Tarifvertrag vorsieht, so die Arbeitnehmervertretung. Sogar langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Amazon verdienen laut der Gewerkschaft rund 160 Euro unter Tarif.

Streik bei Amazon: Bis zum Weihnachtstag 2020 soll gestreikt werden

Deshalb ruft die Gewerkschaft Verdi die Mitarbeiter bei Amazon zum Streik auf. Die Arbeit soll vom 21.12.2020 bis zum 24.12.2020 niedergelegt werden. Ziel sei es den Weihnachtsversand des Online-Händlers in letzter Minute zu stören. Gefordert wird neben der Anerkennung des Tarifvertrages für den Einzel- und Versandhandel, auch eine Sicherstellung des Gesundheitsschutzes durch einen Tarifvertrag.

Streik bei Amazon: Seit Jahren kämpft die Gewerkschaft Verdi für bessere Bezahlung und einen Tarifvertrag für die Mitarbeiter - jetzt wird zu Weihnachten 2020 die Arbeit niedergelegt. (Symbolbild)

Das Motto der Gewerkschaft lautet hier „Gute und gesunde Arbeit“. Von dem Streik werden auch die beiden Versandzentren FRA1 und FRA3 in Bad Hersfeld betroffen sein. Der Streik betrifft aber auch weiter Amazon-Standorte in Deutschland. Hier eine Auflistung der betroffenen Standorte:

  • Werne (Nordrhein-Westfalen)
  • Rheinberg (Nordrhein-Westfalen)
  • Leipzig (Sachsen)
  • Koblenz (Rheinland-Pfalz)

Welche Auswirkungen der Arbeitskampf auf die Amazon-Sendungen zu Weihnachten 2020 wirklich haben wird, ist derzeit noch nicht absehbar. (Lucas Maier)

Rubriklistenbild: © Sebastian Willnow/dpa

Kommentare