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An Hessens Schulen steigt die Quote positiver Corona-Tests

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Coronatest an einer Schule
Ein Schüler macht vor der ersten Stunde an einer Schule einen Corona-Schnelltest. © Sebastian Gollnow/dpa/Illustration

Seit zwei Wochen läuft an Hessens Schulen nach den Ferien wieder der Unterricht - und die Corona-Zahlen wachsen seitdem stetig an. Die Gewerkschaft kritisiert, Schulen und Familien würden mit der schwierigen Situation allein gelassen.

Wiesbaden - Die Corona-Zahlen an Hessens Schulen steigen weiter. Wie das Kultusministerium in Wiesbaden am Montag mitteilte, lag die Quote der positiven PCR-Tests in der zurückliegenden Woche (17. bis 21. Januar) bei den Schülerinnen und Schülern bei 0,28 Prozent. Unter den Lehrkräften betrug dieser Wert im gleichen Zeitraum 0,23 Prozent. In der Woche zuvor hatte die Quote positiver PCR-Coronatests in der Schülerschaft noch 0,13 Prozent betragen, bei Lehrern 0,14 Prozent. In der Zeit vom 17. bis 21. Januar waren nach Angaben des Ministeriums 1,6 Prozent der Lehrkräfte und 2 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Quarantäne.

Vor zwei Wochen war nach den Weihnachtsferien der Unterricht in Hessen wieder los gegangen. In der letzten Woche vor den Weihnachtsferien im Dezember 2021 hatte die Positivquote der PCR-Coronatests unter den Schülerinnen und Schülern noch lediglich 0,04 Prozent betragen (Lehrer: 0,03 Prozent).

„Die Sicherheitskonzepte an Schulen bewähren sich weiterhin - auch mit den hohen Omikron-Infektionszahlen, die in der zweiten Schulwoche nochmals vermehrt aufgetreten sind“, erläuterte das Ministerium. Mit dem engmaschigen Testsystem werde die Dunkelziffer in der Altersgruppe der Kinder und Jugendlichen wesentlich deutlicher als in anderen großen Bereichen der Gesellschaft offen gelegt. Zu mehr Sicherheit in den Schulen gehöre auch, dass hessische Lehrkräfte zu 95 Prozent geimpft seien, teilte das Ministerium mit. Unter den 12 bis 17 Jahre alten Jugendlichen hätten inzwischen fast 63 Prozent mindestens eine Impfung erhalten.

Nach Einschätzung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) spitzt sich die Corona-Lage an den hessischen Schulen weiter zu. In vielen Regionen gebe es kaum noch eine Klasse, die nicht betroffen sei, sagte der GEW-Landesvorsitzende Thilo Hartmann. „Der Schwerpunkt des Infektionsgeschehens liegt dabei auf dem Rhein-Main-Gebiet.“

Schulen und Familien würden mit der Situation weitgehend alleine gelassen, kritisierte Hartmann. „Wir stellen mit großer Sorge fest, dass der Druck, die Folgen individuell auffangen zu müssen, bei vielen Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern ebenso steigt wie das Gefühl der Erschöpfung.“ Der Gewerkschaftschef warf der Landesregierung vor, sich wegzuducken. „Weiter fehlen Luftfilter, werden nicht in ausreichender Menge für Kinder geeignete Masken bereitgestellt.“

Zudem fehle es an Vorgaben, wie derzeit Prüfungen sicher abgehalten werden können, erklärte Hartmann. „Besonders dramatisch ist die Lage der Abschlussklassen, hier ist ein sehr hoher Leistungsdruck spürbar.“

Der Gewerkschafter kritisierte zudem den Mangel an PCR-Tests. „Dass Schulen in dieser Debatte keine Rolle zu spielen scheinen, verdeutlicht die geringe Wertschätzung, die dem Bereich Bildung zuzukommen scheint.“ Sollten die Beschränkung der PCR-Tests zu stagnierenden Inzidenzzahlen führen, weil Infektionen nicht mehr erfasst werden, dürfe dies auf keinen Fall zu einem Gefühl falscher Sicherheit führen.

Um die tatsächliche Corona-Lage besser einschätzen zu können, sollte es nach einer Forderung des hessischen Landeselternbeirats (LEB) mindestens einmal wöchentlich sogenannte Lolly-Pool-PCR-Tests an den Schulen geben. Dabei werden die Proben mehrerer Menschen zunächst zusammen ausgewertet. Ist eine Probe positiv, wird die Gruppe anschließend erneut, aber einzeln getestet. Die nötigen Laborkapazitäten für Lolly-Pool-PCR-Tests hätten längst ausgebaut werden können, argumentierte der hessische LEB-Vorsitzende Volkmar Heitmann.

Zudem forderte der Landeselternbeirat, dass die psychische Gesundheit der Kinder in der Pandemie deutlich mehr im Fokus stehen sollte. „Dazu muss das System der Schulsozialarbeit gestärkt und Lehrkräfte in der Ausbildung befähigt werden, Alarmsignale und Auffälligkeiten zu erkennen“, erklärte Heitmann. „Außerdem müssen wir die auslösenden Faktoren analysieren.“

Außerhalb der Schulen sollte laut Landeselternbeirat die ambulante und stationäre Versorgung in der Kinder- und Jugendpsychologie deutlich gestärkt werden. Der LEB hat nach eigenen Angaben zum Thema „psychosoziale Gesundheit“ eine Kommission eingerichtet. dpa

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