Justitia
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Eine Statue der Justitia hält eine Waage und ein Schwert in der Hand.

Angeklagter gesteht Tötung in Asylbewerberunterkunft

Im Prozess um die tödlichen Messerstiche auf einen 25-jährigen Mann in einer Asylbewerberunterkunft im Main-Kinzig-Kreis hat der Angeklagte die Tötung eingeräumt. Sein Verteidiger verlas am Mittwoch zum Prozessauftakt vor dem Hanauer Landgericht eine Erklärung, wonach das „äußere Tatgeschehen geständig eingeräumt wird“. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen den aus Somalia stammenden Mann Mordanklage erhoben.

Hanau - Der 34-Jährige habe seinen Mitbewohner aus niedrigen Beweggründen getötet, heißt es in der Anklageschrift. (Az.: 3355 Js 809/21)

Anlass für den tödlichen Streit seien Beschwerden des aus Afghanistan stammenden späteren Opfers über die mangelnde Sauberkeit der gemeinsam genutzten Dusche in der Unterkunft in Großkrotzenburg gewesen. Mit den Worten „Ich töte ihn!“ soll der 34-Jährige daraufhin ein Küchenmesser geholt und auf seinen Mitbewohner eingestochen haben. Dieser habe noch versucht, über den Flur zu flüchten. Vor einem Notausgang sei der Mann zusammengebrochen und gestorben.

Der Angeklagte machte zu den näheren Umständen der Tat keine weiteren Angaben, ließ jedoch über seinen Verteidiger verlauten, dass er sich von den afghanischen Männern in der Unterkunft bedroht gefühlt habe.

Ein Augenzeuge bestätigte, dass der Streit um die Dusche der Auslöser für die Bluttat gewesen sei. Zudem sagte er aus, dass sich der Notausgang nur schwer habe öffnen lassen. Zusammen mit Mitbewohnern habe er den mutmaßlichen Messerstecher schließlich überwältigt und entwaffnet.

Der Fall hatte auch deshalb für Aufsehen gesorgt, weil es sich bei dem Angeklagten um einen rechtskräftig verurteilten Mann handelt, der seit 2017 abgeschoben werden sollte. Der Somalier war 2014 vom Landgericht Hanau wegen versuchten Totschlags zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er einen anderen Mann in Maintal (ebenfalls Main-Kinzig-Kreis) mit einem Messer in den Rücken gestochen und ihn lebensgefährlich verletzt hatte. Anlass für die Attacke war damals nach Feststellung des Gerichts ein Streit über die Beleuchtung des gemeinsam genutzten Zimmers. Versuche, den Asylbewerber nach der Verbüßung der Hälfte der Freiheitsstrafe in sein Heimatland abzuschieben, scheiterten den Angaben nach, weil er keinen gültigen somalischen Pass besitzt. dpa

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