Forschung zur Haltbarkeit von Medikamenten
+
Eine Apothekerin steht in einer Apotheke vor einer ausgezogenen Medikamenten-Schublade.

"Noch nie so viel Mangelverwaltung"

Apotheken schlagen Alarm: Enorme Engpässe bei wichtigen Medikamenten

  • Rebecca Röhrich
    vonRebecca Röhrich
    schließen

Den Apotheken in Deutschland gehen die Medikamente aus. Der Mangel ist laut Landesapothekenverband mittlerweile dramatisch.

Update vom Mittwoch, 08.01.2020, um 14.31 Uhr: Schuld am Medikamenten-Engpass in Apotheken* ist unter anderem auch der Brexit, berichtet die Bild-Zeitung unter Berufung auf Holger Seyfarth, Chef des Hessischen Apothekerverbandes (HAV). Demnach kaufen die Briten Medikamente auf Vorrat ein, um für den Fall des Brexits Vorräte zu haben. 

Auch die günstigen Einkaufspreise in Deutschland sind für die große Nachfrage von der Insel verantwortlich. Die günstigen Preise seien Folge von rund 28.000 Rabatt-Verträgen der gesetzlichen Krankenkassen mit den Pharma-Unternehmen.

Apotheke in Not: Enorme Lieferengpässe auch bei Notfall-Medikamenten

Erstmeldung vom Donnerstag, 05.12.2019, 9.30 Uhr: Frankfurt - Lieferengpässe bei Apotheken-Medikamenten haben seit dem Frühsommer 2019 drastisch zugenommen. Jetzt schlägt die Landesapothekenkammer Hessen Alarm. 

Selbst sogenannte Notfall-Medikamente sind aktuell teils nicht erhältlich.  „Wir haben noch nie so viel Mangelverwaltung betrieben wie zurzeit“, sagte die Präsidentin der Landesapothekenkammer Ursula Funke. 

Alarm in der Apotheke: Sogar Notfall-Medikamente sind rar

Ob Blutdrucksenker, Schmerzmittel, Augentropfen oder Psychopharmaka: Viele Medikamente sind aktuell nicht erhältlich. „Das zieht sich durch den ganzen Markt“, sagt Funke. Dabei seien die Apotheke laut Gesetz dazu verpflichtet, zumindest Notfall-Medikamente vorrätig zu haben oder kurzfristig zu beschaffen. 

Grund für den flächendeckenden Engpass seien, dass immer weniger pharmazeutische Unternehmen Wirkstoffe und Medikamente selbst herstellen. Aus Kostengründen werde vieles in Asien produziert. Komme es in den globalen Abläufen zu Problemen, seien gleich mehrere Hersteller betroffen. 

Apotheke kann nicht alle Medikamente bereithalten

Hinzu kommt laut arzteblatt.de, dass die Krankenkasse Rabattverträge mit einzelnen Herstellen schließen würden. „Wenn eine Kasse nur einen Hersteller akzeptiert, dann haben wir das Problem", erklärt Funke. 

Deshalb fordert die Präsidentin der Landesapothekenkammer, dass Rabattverträge immer mit mehreren Herstellern geschlossen werden müssen. Außerdem empfiehlt sie, dass die Produktion bei lebensnotwendigen Medikamenten wieder nach Europa verlagert wird. Hier sei die Politik gefordert. „Im Arzneimittelbereich liegt die Gesetzgebungskompetenz beim Bund“, heißt es in Wiesbaden.  

Patient kann nicht alle Medikamente in Apotheke bekommen

Medikamente, die Risse, Veränderungen in Farbe, Geruch und Form aufweisen, trüb sind oder flocken sollten Apotheken zur Entsorgung übergeben werden. Eine Lagerung bei unter 25 Grad in trockenen Räumen ist für Medikamente ideal.

Früher kam der Patient nach dem Arztbesuch zum Apotheker und übergab ein meist krakelig geschriebenes Rezept. Die Anzahl überschaubarer Medikamente lagerte im Medizinschrank oder wurde per Hand angerührt. Heute hat sich vieles geändert. Leif Harmsen, Inhaber der Rosen-Apotheke, gewährt einen Blick fnp.de* hinter seinen Tresen.

ror

*fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare