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Impfung

Apothekerverband warnt

Grippeimpfstoff ist in Hessen vergriffen

Wer sich in Hessen gegen Grippe impfen möchte, muss sich beeilen. Die Apotheken können keinen Impfstoff mehr nachordern. Die Praxen haben sich aber ausreichend eingedeckt, sagte der Hausärzteverband.

In Hessen geht der Grippeimpfstoff zur Neige. Nach Angaben des hessischen Apothekerverbands sind die Vorräte seit dieser Woche erschöpft. Der Verband hatte nach eigenen Angaben mit einem Hersteller ein Kontingent vereinbart und den hessischen Apotheken angeboten, etwas daraus zu ordern. Impfstoffe ohne Kanüle seien bereits seit 6. November vergriffen, Impfstoffe mit Kanüle könnten seit diesem Montag nicht mehr nachbestellt werden, sagte Sprecherin Katja Förster der Deutschen Presse-Agentur.

"Über den Apothekerverband ist der Impfstoff von dieser Firma nicht mehr bestellbar. Einzelbestellungen über Großhändler scheinen derzeit schwer zu bekommen zu sein", sagte Förster. Dass die Apotheken noch große Vorräte zur freien Verfügung haben, glaubt der Apothekerverband nicht: In der Regel orderten diese nur nach Rücksprache mit Ärzten. Es könnten aber sowohl bei Ärzten als auch in Apotheken für einzelne Praxen reservierte Impfstoffe lagern - wie viel ist unklar.

Praxen bevorraten sich

Der hessische Hausärzteverband hat bisher keinen Engpass bemerkt. "Normalerweise bevorraten sich die Praxen rechtzeitig im Rahmen ihrer praxisinternen Notwendigkeit", sagte der Vorsitzende des Hausärzteverbandes Hessen, Armin Beck. "Uns ist nicht bekannt, das hier ein Mangel in bestimmten Bereichen vorliegt." Von Lieferengpässen war dem Hausärzteverband zunächst nichts bekannt: "Nachbestellungen sind bisher immer geliefert worden."

Auch das hessische Gesundheitsministerium teilte mit: "Es liegen uns keine Meldungen darüber vor, dass in Hessen Engpässe bei den Grippeimpfstoffen bestehen." Eine Aussage über die Zukunft sei nicht möglich, "da Faktoren, die nicht absehbar sind, eine Rolle bei der Beeinflussung der Impfwilligkeit der Bevölkerung spielen", wie Sprecherin Esther Walter sagte. Die Länder seien für die Bevorratung des Impfstoffs nur im Falle einer Pandemie zuständig; die Bestellung des saisonalen Grippeimpfstoffes erfolge über die Praxen.

Grippewelle im vergangenen Jahr hat sensibilisiert

"Die Patienten haben in diesem Jahr möglicherweise viel früher angefangen, sich impfen zu lassen", sagte Susanne Stöcker, Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). "Ob sich auch insgesamt mehr Menschen impfen lassen oder die Impfungen nur früher stattfinden, können wir noch nicht wissen." Sie hält die große Grippewelle in der vergangenen Saison für einen möglichen Grund für das aktuelle Interesse. Dadurch seien vermutlich mehr Menschen für das Thema sensibilisiert.

Andere Experten verweisen auf den nun als Kassenleistung verfügbaren Vierfach-Impfstoff. Er gilt er als wirksamer als derjenige mit drei Komponenten. Das Bundesgesundheitsministerium nennt als mögliche Ursachen für den Mangel neben einer höheren Nachfrage eine verspätete Bestellung von Impfstoffen durch Ärzte und Apotheker, zu große Vorräte in manchen Praxen und Apotheken sowie Direktverträge zwischen Krankenkassen und Apothekern.

Angesichts der regionalen Engpässe lockerte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Vorschriften für die Beschaffung. Demnach können die Bundesländer bei regionalem Bedarf erlauben, dass sich Apotheken und Arztpraxen untereinander mit Grippeimpfstoff vorsorgen und dass aus anderen Ländern der Europäischen Union bezogene Impfstoffe in den Apotheken abgegeben werden dürfen. "Klar muss sein: Jeder, der will, muss sich gegen Grippe impfen lassen können", sagte Spahn dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Mittwoch). Insgesamt seien bislang in Deutschland 15,7 Millionen Dosen verfügbar.

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