Blindgänger-Entschärfung
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Die entschärfte Bombe liegt auf einem Lkw.

Auch 2021 in Hessen Dutzende Tonnen Munition entschärft

Sie sind die gefährliche Altlast des letzten Krieges. Jahr für Jahr müssen Experten tonnenweise Munition entschärfen. In Hessen wurden die Spezialisten des Kampfmittelräumdienstes auch in diesem Jahr wieder zu zahlreichen Einsätzen gerufen.

Darmstadt - Fliegerbomben, Granaten, Gewehrmunition: Unentwegt werden in Hessen die explosiven Überreste des Zweiten Weltkriegs entdeckt. Auch in diesem Jahr mussten wieder Tausende Menschen ihrer Häuser und Wohnungen verlassen, weil in ihrem näheren Umfeld gefährliche Munitionsfunde unschädlich gemacht werden mussten. Bis Ende November sind in diesem Jahr nach einer vorläufigen Bilanz rund 72 Tonnen dieses Kriegserbes in Hessen entschärft worden, wie ein Sprecher des zuständigen Regierungspräsidiums in Darmstadt auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Die Behörde ist bei der Kampfmittelentsorgung für das ganze Bundesland zentral zuständig.

In den beiden Corona-Jahren sind die Munitionsfunde rückläufig. Vergangenes Jahr waren rund 100 Tonnen Granaten oder Bomben unschädlich gemacht worden, 2019 waren es 130 Tonnen. So seien nur etwa die Hälfte der wesentlichen Liegenschaften des Landes zur Kampfmittelräumung ausgeschrieben gewesen.

Ein weiterer Grund dafür war sicherlich auch eine Weisung des Innenministeriums, wonach nicht alle verdächtigen Orte sofort untersucht werden sollten. Dies galt unter anderem für einen Radius von 1000 Metern rund um Kliniken, insbesondere die mit Corona-Intensivstationen. In der im Mai vergangenen Jahres erlassenen und im Juli dieses Jahres ausgelaufenen Anweisung hieß es: „Ein Bombenfund und die Bergung dieser Kampfmittel durch den Kampfmittelräumdienst könnte umfangreiche Evakuierungsmaßnahmen von besonders gefährdeten Personen auf Intensivstationen nach sich ziehen, die bei der derzeitig bestehenden Sicherheitslage unbedingt zu vermeiden sind.“

Gefunden werden die Geschosse auf den ohnehin bekannten Räumstellen, bei Bauarbeiten oder den Vorbereitungen dazu oder schlicht zufällig. Unter den Funden 2021 bis Ende November waren dem Regierungspräsidium zufolge 21 Bomben unterschiedlicher Größe.

Entschärfungen oder auch Sprengungen zwangen auch 2021 wieder Tausende Bürger, Unterschlupf bei Freunden, Verwandten oder in Notunterkünften zu suchen. So mussten zum Beispiel im Mai im Frankfurter Stadtteil Nordend rund 25.000 Menschen wegen einer kontrollierten Sprengung einer 500 Kilo-Bombe ihre vier Wände verlassen. In Frankfurt werden immer wieder Bomben entdeckt. So zum Beispiel 2019 im Main, die gesprengt werden musste oder im gleichen Jahr in der Nähe der Europäischen Zentralbank. Ein klassischer Zufallsfund ist eine Entdeckung eines Mannes in Wiesbaden. Beim Spazieren gehen fand er im April 2021 zwei Stabbrandbomben.

Wer in Hessen als Kampfmittelräumer arbeiten will, braucht einen Befähigungsschein nach dem Sprengstoffgesetz. Bewerberinnen und Bewerber müssen Fachkenntnisse bei der Räum- und Munitionstechnik haben. Sie müssen wissen, wie die Munition funktioniert und wirkt. Außerdem müssen sie über Umfang und Ziele des Munitionseinsatzes im Ersten und Zweiten Weltkrieg informiert sein und zudem Erfahrung beim Entschärfen, Vernichten oder beim Transport solcher Kampfmittel haben. Beim Regierungspräsidium selbst arbeiten drei dieser Feuerwerker, hinzu kommen fünf, die bei einer Vertragsfirma beschäftigt sind. dpa

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