Mimoun Azaouagh

Azaouagh: Was ist dran am Salafismus-Verdacht?

  • vonDaniel Waldschik
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Mimoun Azaouagh steht unter Salafismus-Verdacht – das berichtet die „Bild“-Zeitung. Der 104-fache frühere Bundesliga-Spieler soll ins Visier des Staatsschutzes geraten sein.

Mimoun Azaouagh (32) soll Vollbart tragen, fünf Mal am Tag beten, einen Gebetsteppich und einen Koran bei sich führen und in einschlägig bekannten Frankfurter Salafisten-Moscheen ein- und ausgehen – der Fußball-Profi ist ins Visier des Staatsschutzes geraten und steht offenbar unter Beobachtung durch die Behörden.

Das berichtete gestern die „Bild“-Zeitung und berief sich auf Ermittlerkreise und „ehemalige“ Freunde des Ex-U21-Nationalspielers. Das Hessische Landesamt für Verfassungsschutz wollte sich gestern zu dem Medienbericht allerdings nicht äußern. Azouagh war zu einer persönlichen Stellungnahme nicht zu erreichen. Aus Frankfurter Polizeikreisen war jedoch gestern zu erfahren, dass der Staatsschutz Azaouagh salafistischen Kreisen zumindest zurechnet. Der Fußballer habe sich aber bislang nicht strafbar gemacht.

Dass Mimoun Azaouagh in dem „Bild“-Bericht als Einzelgänger dargestellt wird, der auf dem Weg zu seiner vermeintlichen Radikalisierung Kontakte zu engen Freunden abgebrochen habe, seine Lebensgefährtin verlassen habe und aus der elterlichen Wohnung ausgezogen sei, will sein Bruder Aziz Azaouagh gegenüber der Frankfurter Neuen Presse aber nicht unkommentiert lassen. „Jede Anschuldigung ist falsch und widerlegbar“, sagte der ehemalige Spieler der Oberligamannschaft des SV Wehen Wiesbaden. „Mimoun ist ein gläubiger Mensch, ja! Aber von Radikalisierung zu sprechen ist Rufmord.“ Mimoun habe derzeit ganz andere Sorgen, sagt Aziz. „Er ist verletzungsfrei und hat nach einem neuen Verein gesucht“, erklärt er. Zudem sei Mimoun derzeit dabei, sich in der Nähe von Frankfurt sesshaft zu machen. Wo genau, wollte er zum Schutz seines Bruders nicht öffentlich machen. Er stellt aber klar: „Wir sind eine friedliche Familie und in Deutschland voll integriert. Es gibt keinen Grund für Mimoun, in Extreme zu verfallen.“

Wie weiter zu erfahren war, führten Mimoun Azaouagh und dessen Spielerberater Bernd Reisig gestern Gespräche darüber, wie sie gegen die „Bild“-Berichterstattung vorgehen werden. „Mimoun hat einen Anwalt eingeschaltet. Mehr möchten wir dazu nicht sagen“, erklärte Reisig auf Nachfrage.

Azaouagh hat 104 Erst- und 87 Zweitliga-Einsätze auf dem Konto. Der gebürtige Marokkaner schnürte seine Fußballstiefel unter anderem für den FSV Mainz 05 und den FC Schalke 04, machte dort sogar Spiele in der Champions League. Sein Vater, Mohammed, ist Zeugwart beim FSV Frankfurt. Bei den FSV-Junioren begann die Karriere seines Sohnes. Am Bornheimer Hang wollte man sich zu Mimoun Azaouagh allerdings nicht äußern. Dennoch habe man mit dessen Vater das Gespräch gesucht. „Er hat die Vorwürfe klar zurückgewiesen“, erklärte Matthias Gast, Pressesprecher des Zweitligisten.

Damit sei das Thema für den Verein abgehakt. Gast: „Wir nehmen niemanden in Sippenhaft.“ Zumal sich die Vorwürfe gegen Mimoun Azaouagh nicht erhärtet hätten.

Auch bei dessen letzten Verein, dem 1. FC Kaiserslautern, wollte sich Pressesprecher Stefan Roßkopf nicht zu „privaten Dingen“ Azaouaghs äußern. Sportlich stand er in in den Spielzeiten 2012/13 sowie 2013/14 bei den „roten Teufeln“ unter Vertrag. Sein letztes Spiel als Profi bestritt er für den FCK am 5. Mai 2013. Für die FCK-Reserve trat Azaouagh zuletzt am 8. November 2013 gegen die Offenbacher Kickers gegen den Ball.

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