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Baby in kritischem Zustand: Krankenschwester verabreicht Überdosis Paracetamol

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Von: Anna-Laura Weyh

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Hat eine Krankenschwester im Klinikum Kassel einem neun Monate alten Kind eine Überdosis Paracetamol verabreicht? Die Polizei bestätigt diesen Anfangsverdacht.

Kassel – Wegen einer Infektion mit dem RS-Virus, das bei Säuglingen und Kleinkindern zu Erkältungssymptomen und hohem Fieber führt, wurde der Sohn von Dogan Kayacan vor wenigen Tagen ins Klinikum Kassel eingeliefert. Mittlerweile liege das neun Monate alte Baby auf der Intensivstation, sein Zustand sei kritisch, erklärt der Vater gegenüber unserer Zeitung. Der Grund dafür sei jedoch nicht die Virusinfektion, sondern eine Vergiftung durch eine deutliche Überdosis an Paracetamol, das schmerzlindernd und fiebersenkend eingesetzt wird.

Vorgestern Abend sei es seinem Baby, das im Kasseler Klinikum auf der Station für allgemeine Pädiatrie liegt, plötzlich deutlich schlechter gegangen, sagt Dogan Kayacan. Sein Sohn habe nur noch schwer atmen können. „Die Krankenschwestern haben geredet, und meine Frau und ich hörten, wie eine sagte: Du hast 100 Milliliter gegeben? Dann gingen beide aus dem Zimmer, das kam uns komisch vor“, sagt der Vater. Er habe sich mit seiner Ehefrau auf die Suche gemacht, die beiden fanden im Mülleimer eine leere Flasche Paracetamol, deren Inhalt ihr Kind kurz zuvor intravenös injiziert bekommen haben soll. Die Aufschrift lautete: „100 Milliliter Flüssigkeit, enthält 1000 Milligramm Paracetamol, nur für Patienten über 33 Kilogramm geeignet.“ Der Sohn von Dogan Kayacan wiegt 9,5 Kilogramm.

Klinikum Kassen: „Hatte das Gefühl, dass alle die Sache einfach wegwischen wollten“

Das Paar habe nach einem Arzt gerufen. „Es kam aber erst nach zwei Stunden jemand“, sagt der Familienvater. Auch die Fragen an weitere Krankenschwestern seien unbeantwortet geblieben. „Ich hatte das Gefühl, dass alle die Sache einfach wegwischen wollten“, sagt Kayacan. Nach 40 Minuten habe sich sein Kind erbrochen und dessen Zustand langsam wieder verbessert, so der Vater. „Noch immer wollte niemand zugeben, was da passiert war und dass da etwas falsch gelaufen ist. Wir haben uns allein gelassen gefühlt“, sagt er. Aus der Verzweiflung heraus habe der 32-Jährige die Polizei verständigt. Den beiden Beamten gegenüber habe die Krankenschwester ihren Fehler zugegeben und bestätigt, dass es sich bei der injizierten Paracetamol-Menge um eine Überdosis handelte. Polizeisprecher Matthias Mänz sagte auf HNA-Anfrage, dass sich der Anfangsverdacht bestätigt habe.

Dogan Kayacan aus Kassel sorgt sich um seinen neun Monate alten Sohn. Er hat eine deutlich zu hohe Dosis Paracetamol im Klinikum bekommen.
Dogan Kayacan aus Kassel sorgt sich um seinen neun Monate alten Sohn. Er hat eine deutlich zu hohe Dosis Paracetamol im Klinikum bekommen. © Anna-Laura Weyh

Ein Bluttest des Jungen, sechs Stunden nach dem Geben der 100-Milliliter-Flasche, habe einen Leberwert von mehr als 2400 ergeben, so der Vater – zur Orientierung: bei Frauen sollte dieser Wert unter 35, bei Männern unter 50 liegen.

Dem Sohn von Dogan Kayacan droht nun ein Leberschaden – ob dieser vorübergehend ist oder langfristig bleibt, ist unklar. Auch die Gefahr für ein komplettes Leberversagen bestehe noch. Das würde Lebensgefahr für das Baby bedeuten. „Wir wissen nicht, wie es weitergeht. Wir haben keine Kraft mehr“, sagt der Vater. Gestern Abend sei das Kind auf die Intensivstation verlegt worden, weil sich sein Zustand laut Dogan Kayacan weiter verschlechterte. Er und seine Ehefrau haben Strafanzeige gegen die Krankenschwester erstattet. Die Polizei ermittelt nun wegen fahrlässiger Körperverletzung, bestätigt Polizeisprecher Matthias Mänz. Das Klinikum wollte sich mit Blick auf die laufenden Ermittlungen nicht zu dem Vorfall äußern. (Anna-Laura Weyh)

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