Herbstvollversammlung Deutsche Bischofskonferenz
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Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, hält die Predigt.

Bätzing räumt Uneinigkeit unter Bischöfen bei Reformen ein

Wie geht die katholische Kirche in die Zukunft? Bei ihrer Herbstvollversammlung haben die deutschen Bischöfe mögliche Reformschritte ausgelotet - unter schwierigen Vorzeichen. Einmal mehr überschattete der Missbrauchsskandal das Treffen.

Fulda - In der Debatte um eine Reform der katholischen Kirche ziehen die deutschen Bischöfe nicht an einem Strang. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, sagte am Donnerstag zum Abschluss der Herbstvollversammlung in Fulda, man habe das Thema „sehr strittig, aber gut“ diskutiert. „Die unterschiedlich profilierten Bischöfe in der Bischofskonferenz sind hier nicht in allem einer Meinung“, sagte er. Das sei aber offen ausgesprochen worden. Die Reformbewegung „Wir sind Kirche“ kritisierte eine Blockadehaltung einzelner Bischöfe. Auch bei der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs liegt aus Sicht Bätzings noch ein langer Weg vor der katholischen Kirche: So gibt es derzeit noch rund 1000 offene Fälle im System der Anerkennungsleistungen.

Am Ende des Synodalen Wegs sollen konkrete Reformen stehen. Dabei geht es um die Themen Position der Frauen in der Kirche, katholische Sexualmoral, Umgang mit Macht und Ehelosigkeit der Priester. Kritiker der Reformen sind unter anderem die beiden Konservativen Rainer Maria Woelki aus Köln und Rudolf Voderholzer aus Regensburg. Vom 30. September bis zum 2. Oktober tritt in Frankfurt/Main zum zweiten Mal die Synodalversammlung zusammen - das aus Klerikern und Laien (Nichtklerikern) zusammengesetzte Gremium, das am Ende konkrete Handlungsempfehlungen vorgeben soll.

Der Skandal um sexuellen Missbrauch stand erneut im Fokus der Herbstvollversammlung. Dabei habe man „wieder Schritte nach vorne getan“, sagte Bätzing. So sei eine Standard-Personalaktenordnung verabschiedet worden, die zum 1. Januar kommenden Jahres in Kraft treten werde sowie eine Musterordnung, die die gesetzlichen Rahmenbedingungen dafür schaffe, damit Aufarbeitungskommissionen Akteneinsicht nehmen könnten. „Das sind sehr wichtige Versprechen, die wir 2018 gegeben haben und jetzt einlösen“, sagte Bätzing.

Eine grundlegende Änderung des vor allem von Opferinitiativen vielfach kritisierten Systems der Anerkennungsleistungen sei derweil nicht geplant, sagte der DBK-Vorsitzende. Wohl aber gebe es Überlegungen, wie nachjustiert werden könne, auch nachdem man die Rückmeldung bekommen habe, dass es im Rahmen des Systems der Anerkennungszahlungen teils zu Retraumatisierungen der Opfer komme. Man müsse dieses „dunkelste Kapitel“ prioritär behandeln, auch er wolle sich dieser Herausforderung stellen, sagte Bätzing.

Deutlich sei auch geworden, dass die derzeitige Struktur der Aufarbeitung, die der Trierer Bischof Stephan Ackermann als Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) für Fragen des sexuellen Missbrauchs leiste, nicht mehr ausreiche und auf eine breitere Basis gestellt werden müsse, sagte Bätzing. Daher hätten die Bischöfe auf Vorschlag Ackermanns beschlossen, ein Konzept zur Weiterentwicklung des Aufgabenbereichs zu erarbeiten. Klar sei: „Das Thema Missbrauch lässt uns nicht los, es wird uns lange nicht loslassen“.

Als nächster Schritt ist Mitte Oktober ein Gespräch zwischen Vertretern der Betroffenen-Beiräte, der Unabhängigen Kommission für Anerkennungsleistungen, der Ordensoberenkonferenz sowie der Deutschen Bischofskonferenz geplant. Dabei sollten die Kritikpunkte an dem System noch einmal erörtert und mögliche Maßnahmen besprochen werden.

„Wir sind Kirche“ sprach nach dem Abschluss der viertägigen Tagung von einem „bremsenden Verhalten einzelner Bischöfe“. Dies zusammen mit dem Grußwort des Nuntius zu Beginn der Herbstvollversammlung sowie „die irritierenden Personalentscheidungen des Vatikans“ würden die von der großen Mehrheit der Bischöfe und von Bätzing angestrebten grundlegenden Reformen erneut blockieren. „Dies wird die gegenwärtige Kirchenleitungskrise noch verschärfen, die keineswegs nur durch Corona verursachte Auflösung kirchlichen Lebens weiter beschleunigen und die Austrittszahlen weiter in die Höhe schnellen lassen“, erklärte die Reformbewegung. „Und es wird den gesellschaftlichen Relevanzverlust der katholischen Kirche weiter forcieren.“

Auch für die zweite Vollversammlung des Synodalen Wegs stelle die aktuelle Lage in der katholischen Kirche „eine große Vorbelastung“ dar, hieß es. Man appelliere noch einmal an alle deutschen Bischöfe, den mühsam begonnenen Reformprozess des Synodalen Weges auch geschlossen und mit voller Kraft weiterzugehen.

Hintergrund ist unter anderem die Grußbotschaft des päpstlichen Nuntius in Deutschland, Nikola Eterovic, an die Herbstvollversammlung. „Wir sind Kirche“ hatte darin kaum verhohlene Drohungen an die deutschen Bischöfe gesehen, sich mit Reformen zurückzuhalten und statt auf Reformen lieber auf Evangelisierung zu setzen. Mit der Kritik an Personalentscheidungen spielte die Reformbewegung unter anderem auf den Hamburger Erzbischof Stefan Heße an, der dem Papst im März seinen Rücktritt angeboten hatte. Der Grund dafür war, dass ihm ein Gutachten Pflichtverletzungen bei der Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch nachgewiesen hatte. In der vergangenen Woche hatte Papst Franziskus gleichwohl entschieden, dass Heße in sein Amt zurückkehren kann. Dies hatte Kritik ausgelöst. dpa

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