RMV setzt auf Strom statt Diesel

Bahnstrecke Frankfurt–Stockheim soll ausgebaut werden

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S- oder U-Bahnen aus Frankfurt könnten bald bis an den Fuß des Vogelsbergs fahren. Das kündigt André Kavai, Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV), in einem Gespräch mit der Frankfurter Neuen Presse an. Der RMV will dafür die Niddertalbahn zwischen Frankfurt und Stockheim elektrifizieren.

Das starke Bevölkerungswachstum im Rhein-Main-Gebiet hat Folgen für den Nahverkehr. Um die zusätzlichen Fahrgäste unterbringen zu können, setzt der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) auf einen Ausbau der Infrastruktur. Als weiteres Vorhaben will der RMV binnen zwölf Jahren die Niddertalbahn zwischen Frankfurt und Stockheim elektrifizieren.

„Das ist die beste Lösung“, sagt Geschäftsführer André Kavai. Die Nebenstrecke zweigt in Bad Vilbel von der Main-Weser-Bahn Frankfurt–Kassel ab und führt auf 31 Kilometern via Schöneck, Nidderau und Altenstadt bis zum Bahnhof Stockheim in Glauburg.

Die Kommunen sowie der Wetterau- und der Main-Kinzig-Kreis fordern seit 2015 die Elektrifizierung. Nur so könne der durch Zuzüge stark steigende Verkehr bewältigt werden, mahnt MKK-Verkehrsdezernent Matthias Zach (Grüne).

Der RMV erarbeitet nun eine Machbarkeitsstudie für den Ausbau der Niddertalbahn. Dabei ist die Elektrifizierung gesetzt, allein um die Kosten für den Betrieb auf der Strecke zu reduzieren. Bei einer Ausschreibung 2010 hatte der Verbund kein einziges Angebot eines Eisenbahnunternehmens erhalten.

Später einigte sich der RMV mit der Deutschen Bahn. Der Betrieb mit Dieseltriebwagen und -loks aber ist teuer. Mit der Oberleitung erhofft sich der RMV laut André Kavai erheblich günstigere Angebote. „Dann wird der Fahrzeugeinsatz erheblich wirtschaftlicher.“ Deshalb übernimmt der RMV das Ziel der Anrainerkommunen, dass der Ausbau bis 2028 erledigt sein müsse. So lange läuft der Verkehrsvertrag mit der Deutschen Bahn.

Eine Entscheidung über den Ausbau strebt der RMV laut Kavai bis 2019 an. Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie will er im kommenden Jahr vorlegen. In der Studie werde der Verbund detailliert prüfen, welches künftige Angebot auf der regionalen Strecke sinnvoll sei. So könnten weiterhin Regionalzüge fahren. Daneben denkt der RMV aber auch daran, jeden zweiten Zug der S-Bahn S 6 in Bad Vilbel zu flügeln. Je ein Teil des Zuges würde dann – wie heute – nach Groß-Karben fahren, der andere auf der Niddertalbahn.

Einen ähnlichen Ausbau haben RMV und Hochtaunuskreis gerade angeschoben: In den kommenden Jahren soll die Taunusbahn teilweise elektrifiziert werden. Danach soll die S-Bahn S 5 von Friedrichsdorf bis Usingen verlängert werden.

Dritte Variante für die Niddertalbahn könnte ein Betrieb mit einer Zweisystem-Stadtbahn sein. Diese Idee kommt aus Frankfurt: Dort hatte 2013 der vorige Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne) eine Prüfung in Auftrag gegeben, inwiefern eine Verlängerung der Frankfurter U-Bahn-Linien ins Umland sinnvoll ist. Dort führen die U-Bahnen dann auf normalen Gleisen.

Im Fall Stockheimer Lieschen könnte die U 5, sobald sie von Preungesheim zum Frankfurter Berg verlängert wurde, in einer Kurve auf die Gleise der Main-Weser-Bahn geführt werden, erklärt RMV-Planer Peter Forst. Die Prüfung im Frankfurter Auftrag laufe noch. Doch sei die Verlängerung Richtung Niddertal die erfolgversprechendste, sagt RMV-Chef Kavai. Die Frankfurter untersuchen außerdem eine Verlängerung der U 5 vom Europaviertel auf die Gleise der Königsteiner Bahn.

Da die Elektrifizierung weiterer Nebenbahnen im Rhein-Main-Gebiet als Aufgabe der Landesentwicklung definiert sei, geht Kavai von voller Unterstützung des Landes aus. Auch das Diesel-Netz der Odenwaldbahn sei dafür ein Kandidat. Dieses sei jedoch erheblich länger und verzweigter als die Niddertalbahn. Deshalb sei zunächst der Ausbau in der Wetterau sinnvoller.

Bisher ist die Niddertalbahn – im Volksmund Stockheimer Lieschen genannt – eingleisig. Das schränkt die Möglichkeit, mehr Züge fahren zu lassen, stark ein. Einen durchgehend zweigleisigen Ausbau hält RMV-Chef Kavai jedoch für „ein Luftschlösschen“. Vielmehr genüge es voraussichtlich, mehr Kreuzungsbahnhöfe zu haben und eventuell auch kurze zweigleisige Abschnitte.

RMV, Wetterau- und Main-Kinzig-Kreis sowie die Anliegerkommunen zahlen seit 2012 jährlich mehr als 1,7 Millionen Euro für den Abend- und Wochenendverkehr auf der Strecke. Mit der Anbindung auf den Vulkanradweg in den Vogelsberg ist die Niddertalbahn bei Wochenendausflüglern sehr beliebt. So hat das Lieschen einen erheblichen Wandel durchlebt: In den 1980er-Jahren war die Strecke von der Stilllegung bedroht.

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