Josef Schuster
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Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland.

Baubeginn für Jüdische Akademie in Frankfurt

Intellektuelles jüdischen Leben bekommt in Frankfurt ein neues Zuhause. Die Fertigstellung einer neuen Akademie an der Senckenberganlage ist für Ende 2023 geplant.

Frankfurt/Main - In Frankfurt am Main hat der Bau einer Jüdischen Akademie begonnen. Es ist die erste Institution dieser Art, die in Deutschland nach der Schoa errichtet wird. „Wir wollen einen Ort modernen jüdischen Denkens schaffen, einen Ort, der Denktraditionen des Judentums mitnimmt ins 21. Jahrhundert“, sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, beim feierlichen ersten Spatenstich am Donnerstag.

Das Gebäude an der Senckenberganlage in der Nähe des gleichnamigen Naturkundemuseums wurde von dem Frankfurter Architekten Zvonko Turkali entworfen. Die Fertigstellung ist für Ende 2023 geplant, 2024 soll die Akademie ihren Betrieb aufnehmen. Die Gesamtkosten des Projekts liegen bei 34,5 Millionen Euro. Sie werden gemeinsam vom Bund, dem Land Hessen, der Stadt Frankfurt und dem Zentralrat der Juden getragen.

In Seminaren, Workshops und Konferenzen sollen unterschiedlichste Themen aus jüdischer Perspektive behandelt werden. Das Spektrum reicht von Philosophie und Ethik bis zu Literatur und Film. Die Akademie knüpft an das Freie jüdische Lehrhaus an, das 1920 in Frankfurt von Franz Rosenzweig gegründet wurde. Die bedeutende Institution für Erwachsenenbildung in der Weimarer Republik wurde 1938 von den Nazis geschlossen.

Die neue Akademie werde helfen, „gemeinsam Zukunft zu gestalten“, sagte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Sie werde helfen, Antisemitismus zu bekämpfen, Gleichgültigkeit zu überwinden und Gemeinschaft zu erfahren. Der Baubeginn der Jüdischen Akademie sei ein Tag der Freude, aber erst der Anfang: „Ich möchte, dass die Juden in unserem Land nicht nur eine Lehranstalt haben. Vor allem möchte ich, dass sie ohne Angst in unserem Land leben können.“

Der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) sprach von einem großen Gewinn für das intellektuelle Leben in Deutschland. „Dieses Haus wird zentraler Ankerpunkt der jüdischen Perspektive sein. Es wird den gesellschaftlichen Diskurs bereichern, ihn vielfältiger und vielschichtiger machen. Wir sind stolz darauf, dass dieses Haus in unserer Heimatstadt Frankfurt stehen wird - sicherlich bis heute die jüdischste Stadt Deutschlands“, erklärte Feldmann. dpa

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