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Bauern wegen Trockenheit und Hitze in Sorge

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Ein Bauer erntet Getreide auf einem Feld bei Biebesheim
Ein Bauer erntet Getreide auf einem Feld bei Biebesheim. © Boris Roessler/dpa/Archivbild

Wochenlang kaum Regen und wiederkehrende Hitze - die hessischen Bauern bekommen die Folgen des Klimawandels unmittelbar zu spüren. Einen echten Schutz dagegen gibt es kaum - das Schlüsselwort heißt Anpassung.

Friedrichsdorf - Die lang anhaltende Trockenheit in diesem Sommer mit Hitzeperioden machen den hessischen Landwirten zu schaffen. Nachdem die Ernte der Wintergerste bereits zum Ende der zweiten Juniwoche und damit rekordverdächtig früh begonnen hatte und die Juni-Hitze beim Weizen teils zu einer Notreife führte, zeichnet sich bereits die nächste Hitzephase mit Folgen für die Herbstkulturen auf den Feldern ab. Teils seien die Folgen der Trockenheit auch bei diesen im Herbst zur Ernte anstehenden Kulturen schon sichtbar, teilte eine Sprecherin des Hessischen Bauernverbandes auf dpa-Anfrage mit.

So rolle etwa der Mais an einigen Standorten seine Blätter und habe schon die sogenannten Fahnen ausgebildet - das sind die Blütenrispen am Ende der Sprossachse - was auf eine schnellere Reifung schließen lasse. Bei den Zuckerrüben sorge die Trockenheit für sogenannte schlafende Bestände. Dabei liegen die Blätter auf dem Boden auf und sind schlaff.

Auf das derzeit noch auf den Feldern stehende Getreide und den Raps hätte eine neuerliche Hitzewelle nur noch wenige Auswirkungen, da diese bereits gereift sind oder die Reifung derzeit abgeschlossen werde. „Aber auch zur Herbstaussaat von Getreide, Raps und Zwischenfrüchten brauchen wir ausreichend Wasser im Boden. Wasservorräte im Boden könnten erneut knapp werden und auch für das Grünland würde es dann erneut zu Trockenschäden kommen“, so die Sprecherin.

Zuletzt hatte der Bauernverband bei der Wintergerste ein durchschnittliches Ernteergebnis erwartet. Beim Winterweizen habe die große Bodenfeuchtigkeit im Frühjahr zunächst noch auf ein gutes Erntejahr hoffen lassen, doch Hitzetage und ausbleibender Regen im Mai und Juni könnten zur Notreife und einem Ende der Kornfüllungsphase geführt haben. Regional zeigten sich zudem einzelne weiße Ähren - beim Weizen ein Zeichen für „Sonnenbrand“. Die Folgen für die Ernte ließen sich noch nicht endgültig abschätzen, auch hier wurden aber zuletzt noch durchschnittliche Mengen erwartet. Details will der Verband bei einer Pressekonferenz an diesem Dienstag (12. Juli) zum Start der Winterweizenernte im südhessischen Reinheim bekanntgeben.

Derweil ist ein Schutz vor zunehmender Trockenheit und Hitze durch den Klimawandel lediglich in Form von Anpassung möglich, wie die Sprecherin erklärte. „Die richtige Sortenwahl kann hier beispielsweise dazu beitragen, für den jeweiligen Standort die geeignete Sorte auszuwählen, zum Beispiel eher eine frühreife Sorte, die von einer Hitzewelle im Juni nicht so stark betroffen ist wie eine erst später reife Sorte.“ Auch eine wassersparende Bewirtschaftungsweise der Böden könne hilfreich sein.

Auch das hessische Umweltministerium bezeichnete die Situation für die Landwirtschaft als schwierig. Der Dürremonitor weise aktuell für Hessen im Gesamtboden weitestgehend schwere bis außergewöhnliche Dürre auf, und auch im Oberboden herrsche vielerorts außergewöhnliche Dürre. Klimaprojektionen zeigten, dass sich zukünftig - bei gleichbleibenden Jahressummen - Niederschläge in das Winterhalbjahr verlagern. Die Phasen von Trockenheit - vor allem im Frühjahr und Sommer - dürften somit häufiger und länger anhaltend auftreten. „Bei gleichzeitig steigenden Temperaturen werden die Pflanzenbestände mehr verdunsten und einen höheren Wasserbedarf haben“, erwartet das Ministerium. „Stresssituationen auf Grund von Trockenheit, wie sie in diesem Jahr wieder einmal festzustellen sind, werden zukünftig somit häufiger und länger anhaltend zu verzeichnen sein.“ dpa

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