Wolf
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Ein Wolf schaut hinter einem Baum hervor.

Bei hessischen Wölfen erstmals Nachwuchs nachgewiesen

In Hessen gibt es wieder eine Wolfsfamilie. Die Bilder einer Wildkamera beweisen: Durch den Wald im südlichen Rheingau-Taunus-Kreis streifen Wolfswelpen. Für Naturschützer ist das eine gute Nachricht.

Wiesbaden - Erstmals seit der Rückkehr des Wolfes nach Hessen ist bei diesen Wildtieren wieder Nachwuchs nachgewiesen worden. Ein Wolfspaar im Rheingau-Taunus-Kreis hat Welpen bekommen, wie das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) am Montag in Wiesbaden mitteilte. Eine automatische Wildkamera habe kürzlich zwei kleine Wölfe im südlichen Kreisgebiet aufgenommen. „Das Video ist der erste Nachweis von Welpen in Hessen, seitdem Wölfe wieder hierher zurückkehren.“

Die Elterntiere seien die im Juni 2021 als Paar bestätigten Individuen mit den Kennnummern GW1798f und GW1958m. In Hessen leben damit dem Landesamt zufolge derzeit vier sesshafte Einzeltiere und ein Rudel, also eine Wolfsfamilie. Mit weiteren, durchziehenden Wölfen sei jederzeit zu rechnen. Auf den Bildern der Wildkamera sind - etwas unscharf - die beiden Jungtiere zu erkennen, die durch den Wald streifen und an einer Stelle am Boden schnüffeln.

Da Wolfswelpen in der Regel Ende April bis Anfang Mai geboren werden, gehen die Experten davon aus, dass die Tiere zum Zeitpunkt der Aufnahme knapp drei Monate alt sind, wie das HLNUG erläuterte. Ob mehr als die zwei aufgenommenen Welpen in dem Rheingauer Rudel leben, lasse sich noch nicht sagen.

Die Elterntiere im Territorium Rüdesheim hätten bisher keine Übergriffe auf Nutztiere verübt, erläuterte die HLNUG-Expertin Susanne Jokisch. Dennoch würden alle Weidetierhalter und -halterinnen dringend gebeten, ihre Tiere nach der guten fachlichen Praxis mit rundum geschlossenen Elektrozäunen zu schützen.

Jungwölfe verließen meist mit 10 bis 22 Monaten das elterliche Territorium, um in einem eigenen Gebiet sesshaft zu werden und eine Paarungspartnerin oder einen -partner zu finden.

„Über weiteren Wolfsnachwuchs in Hessen können wir keine Aussagen treffen“, erklärte Jokisch. Aus dem Territorium Ludwigsau im Landkreis Hersfeld-Rotenburg existiere ein Foto, das zwei Wölfe zeigt. Der genetische Nachweis, dass beide Tiere sich gemeinsam dauerhaft im selben Gebiet aufhalten, stehe aber noch aus. „Weitere Hinweise auf Verpaarung in Hessen gibt es aktuell nicht.“

Der Naturschutzreferent des hessischen Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Thomas Norgall, erklärte: „Der erste Nachweis zur Reproduktion des Wolfes in Hessen nach seiner Ausrottung durch den Menschen ist eine gute Nachricht.“ Probleme mit den Wölfen im Rheingau-Taunus-Kreis seien bisher offenbar nicht aufgetreten. „Das ist die zweite gute Nachricht.“ dpa

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